Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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DEM SECHZIGJÄHRIGEN MAX SLEVOGT

BEITRÄGE VON

MAX J. FRIEDLÄNDER, CURT GLASER, EMIL HEILBUT, ALFRED
KUBIN, ALBERT LAMM, HANS PURRMANN UND KARL SCHEFFLER

Der deutsche Hang zur
Bilddichtung hat im Be-
reiche der Malkunst Un-
fug genug gestiftet, in
der „gedruckten Kunst"
dagegen Unvergleich-
liches und Unverwelk-
liches hervorgebracht.
Mit dem sicheren In-

stinkt einer urgesunden Natur hat sich Slevogt der
Illustration zugewendet, freilich einer Illustration
von besonderer und persönlicher Art. Daß er Musik
erfolgreich illustriert hat, beweist schon, daß er
nicht im engeren und gewöhnlichen Sinn illustriert.
Der von ihm verbildlichte „Faust" scheint eher
von Mozart als von Goethe zu stammen.

Da dieses Malers Temperament von Haus aus
dem Werden, dem Wandel, dem Fluß der Be-
wegung zugetan war, zog es ihn zur Dichtung, zur
Musik — und zum Kino — als zu den Künsten,
die im Gegensatze zur Malerei den Ablauf des
Geschehens unmittelbar ausdrücken.

Die Texte hat er frei gewählt, mit Vorliebe
Märchen, Abenteuer, Exotisches, örtlich und zeit-
lich Fernes und sich stest mehr durch Rhythmus
und Klang als durch Bericht und Aussage anregen
lassen. Nicht das Sachliche, Tatsächliche hat er
mit dem Pflichtbewußtsein des kenntnisreichen
Historikers ausgebildet wie etwa Menzel, vielmehr in
luftigen Ferngesichten das elementar Menschliche
erfaßt und Bildparaphrasen zu Gedichten, Erzäh-
lungen und Melodien geschaffen.

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