Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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BOB GESINUS VISSER, SELBSTBILDNIS

BOB GESINUS VISSER, HERRENBILDNIS

BOB GESINUS VISSER

1" "Iber den jetzt dreißigjährigen holländischen Maler Gesinus
^ Visser, von dem wir diese beiden bemerkenswerten Bild-
nisse abbilden, schreibt uns Rudolf Großmann:

„Dieser junge Maler ist kein Tragiker und auch kein
Programmatiker. Wenn viele Moderne, um nur von heute
zu sein, nicht nur ihr Leben und Schaffen, sondern auch
ihren Aufstieg, ihren Ruhm nach festgelegten Thesen
methodisieren und programmatisieren, so ist hier wieder
einmal ein junger Mann, der unbekümmert freudig drauflos

malt. Er ging bei Pascin und Levy in die Lehre und brachte
von Hause aus einen gesunden holländischen Form- und
Farbensinn mit; seine Bilder haben einen etwas derben, echt
holländischen Akzent, er geht Schwierigkeiten aus dem Wege
und sieht die Menschen ein wenig wie lebendig gewordenes
Puppentheater. Dieser junge Maler macht amüsante
„Schilderten" und weiß dabei sein Leben in der Sonne
und dem Licht des Südens angenehm zu verbringen."

DAS NEUE FOLKWANG-MUSEUM IN ESSEN

I^ast zwei Jahrzehnte lang war das schlichte Haus in Hagen,
■ das „Folkwang" barg, ein Wallfahrtsort für viele ge-
wesen. Die Stadt hatte dem Fremden sonst nichts zu bieten,
nur um Karl Ernst Osthaus und sein Werk, seine einzig-
artige Sammlung, kennen zu lernen, machte man die Reise.
Von Jahr zu Jahr wuchs das Museum, allein von dem Willen
jenes seltenen Mannes gelenkt, derpersönlich völlig anspruchs-
los seine unerschöpfliche Liebe zur Kunst immer wieder
allen, die daran teil haben wollten, zum Geschenk machte.
Aber in Hagen verstand man ihn nicht. Als Osthaus 1921
starb, geschah das Unbegreifliche: eine kleinherzige, mut-
lose Verwaltung ließ das Kleinod ihrer Stadt nach Essen
gehen, wohin die überlegene Ensicht und das kulturelle Ver-

antwortungsgefühl des damaligen Oberbürgermeisters und
späteren Reichskanzlers Dr. Luther die Osthaussche Hinter-
lassenschaft zog. Im Industrierevier, nahe den rauchenden
Schloten und schlagenden Hämmern, sollte ein künstlerisches
Kraftfeld geschaffen werden. Essen besaß eine kleine mo-
derne Sammlung, wie andere Städte im Rheinland, die freilich
sehr unzureichend untergebracht war. Jetzt wollte man mit
dem „Folkwang" alle Nachbarn übertreffen.

Es galt also vor allem ein neues Haus zu errichten. Kürz-
lich, am 4. Mai, ist es feierlich eröffnet worden. Im besten
Wohnviertel, zwischen den beiden Goldschmidt-Villen, die
bisher den stadteigenen Sammlungen als Heim dienten, er-
hebt sich der neue Museumspalast des Architekten Körner,

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