Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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RICHARD SCHEIBE, LAUFENDES PFERD. BRONZE

RICHARD SCHEIBE
ZUM 50. GEBURTSTAG

VON

KURT STEINBART

CJtill und bescheiden ging er bis heute seinen
^ vorgezeichneten Weg. Abhold jeder Thea-
tralik, bar des Geltungstriebes, eingesponnen nur
in ernste Arbeit. Um so mehr verdient er, daß
wir, die ihn lieben und schätzen, jetzt, wo er das
fünfzigste Lebensjahr vollendet, daß wir kurze
Uberschau halten, die zugleich Dank für Geschaf-
fenes und Wunsch für die Zukunft einbegreifen soll.

Zugehörig der Generation von Kolbe, Haller,
de Fiori, stammt Scheibe, wie viele namhafte deut-
sche Künstler der Gegenwart (Kolbe, Beckmann,
Heckel, Pechstein, Schmidt-Rottluff), aus dem Säch-
sischen. Als Sohn eines Offiziers unterlag er in
der Jugend mehrfachem Quartierwechsel, er ver-
tauschte seinen Geburtsort Chemnitz mit Leipzig,
Döbeln und Dresden, wo er bis zum achtzehnten
Jahre das Gymnasium besuchte, um anschließend
bei Pohle an der Dresdener Akademie und weiter

sodann in München bei Knirr und Fehr das Maler-
handwerk zu erlernen. Als Zwanzigjähriger zog
er nach Rom, dem damals schon langjährigen
Wohnsitz Tuaillons, lernte dort Kolbe kennen und
kam mit ihm, der ebenfalls zunächst Maler war,
zur Plastik. So hatte der alte Johannes Schilling,
Schöpfer des Niederwalddenkmals, Recht behalten,
als er in Dresden angesichts der ersten malerischen
Versuche, dem Anfänger riet, Bildhauer zu werden.
Scheibe war dann über zwei Jahrzehnte in Berlin
tätig, gewann dort langsam festen Boden, und
folgte vor wenigen Jahren einem Rufe als Pro-
fessor und Lehrer an der Akademie des Städel in
Frankfurt a. M. Dieses ist seine jetzige Wirkungs-
stätte.

In Scheibes Plastiken ist immer der Raum
möglichst knapp ausgefüllt, sind die durch Gesten
entstehenden Intervalle in Ubereinstimmung mit

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