Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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HANS MEID, TORRE GELMETTI IN BARDOUNO AM GARDASEE. 1928

HANS MEID
BILDER UND ZEICHNUNGEN
IN DER GALERIE VIKTOR HARTBERG

A /Teid ist seinen Zeitgenossen bisher nur als Graphiker,
-*-*-*- als Radierer näher bekannt. Und ein wenig auch als
Illustrator. Der Graphiker hat eine feste Gemeinde, seine
Arbeiten haben sich einen ehrenvollen Platz erobert, wo-
von man sich bei jeder Graphik-Versteigerung überzeugen
kann. Als Zeichner und Aquarellist ist Meid weniger her-
vorgetreten, als Maler fast gar nicht. Dann und wann
konnte man ein Bild auf einer Ausstellung der Berliner Se-
zession sehen; aber man sah dann meistens darüber hin-
weg. Unser Ausstellungsbetrieb schließt ja die Gefahr in
sich, daß ein Künstler auf Grund seiner ersten Erfolge gleich
etikettiert wird. Man wollte Meid nur das Radieren er-
lauben. Jetzt überrascht der Sechsundvierzigjährige mit einer
Kollektion von Bildern, Zeichnungen und Aquarellen in der
Galerie Viktor Hartberg und zeigt, daß er als Maler genau
derselbe und ebenso gut ist wie als Radierer. Bei einem
echten Talent versteht es sich eigentlich von selbst, daß
alles aus demselben Zentrum kommt; das Selbstverständliche
ist aber heute selten geworden. Die Ausstellung zeigt also
einmal mehr, daß das Talent Meids rein und organisch ist.

Er war, wie man weiß, in entscheidenden Jugendjahren
als Porzellanmaler in Meißen tätig. Das spürt man allem,
was er macht, so deutlich an, wie man die gleiche Be-
schäftigung dem Lebenswerk Renoirs anmerkt. Natürlich
ohne den Vergleich weiter zu führen. Meids Stil ist in
einem lebendigen Sinne einheitlich. Die andeutende und
dennoch bestimmte Zartheit, die Leichtigkeit der Porzellan-
malerei kam hier dem Naturell aufs glücklichste entgegen.
Sie kam auch der besonderen Art einer Romantik entgegen,
die alles Leben, alle Natur gern auf eine Bühne hebt und
dort opernhaft verklärt. Von dieser bestimmten Seite ist
Meid mit Sievogt verwandt, der Schwabe dem Franken.
Entscheidend ist es nicht, daß in dieser Ausstellung einige
Vasen stehen, die Meid für die Berliner Porzellanmanufaktur
gemacht hat, die sehr materialgerecht dekoriert sind und
auf denen die Akzentsetzung sparsam, wirkungsvoll und
meisterlich anmutet. Auch wenn diese Vasen fehlten, würde
man irgendwie immer an das achtzehnte Jahrhundert er-
innert werden, wenn auch keinerlei Nachahmung, keine
eklektizistisch gewonnene Form in den Bildern und Zeich-

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