Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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ANDRE DERAIN, DAS SCHLOSS. AQUARELL. 1920.

SAMMLUNG V. FLOTOW. MIT ERLAUBNIS DER D. D. A. AUSGESTELLT IN DER GALERIE FLECHTHEIM, BERLIN

DERAIN

ZUR AUSSTELLUNG IN DER GALERIE A. FLECHTHEIM

VON

HANS PURRMANN

Wenn man sich eine Vorstellung von der Persönlichkeit
Andre Derains machen will, so hat man einige Mühe,
sie aus den vielen einander folgenden Perioden herauszu-
schälen. Bis man dazu kommt, den Wert seiner Person
gerade in dieser Unstetigkeit einer Suchernatur zu erkennen.
Keine Periode möchte man vermissen, denn jede hat so
vorzügliche Bilder hervorgebracht, daß in uns nicht einmal
die Vorstellung einer Unzulänglichkeit rege wird oder gar
der Wunsch, in einem der Bilder mehrere Perioden vermengt
zu sehen.

Vor mehr als zwanzig Jahren sah ich die ersten Bilder
Derains. Ich verstand sie nur schwer; sie erschienen mir

forciert und akademisch formalistisch. In jene Zeit fiel
meine erste Bekanntschaft mit Henri Matisse. Daß dieser
mit einer kaum zu überbietenden Hochachtung von Derain
sprach, verwunderte mich. Eine Erschütterung seiner Schät-
zung war nicht möglich, obwohl der freundschaftliche
Verkehr beider Maler aus irgendwelchen mir unbekann-
ten Gründen sehr gelitten hatte. Derains vielseitig lite-
rarische und philosophische Bildung rühmte Matisse, und es
wurde mir im Laufe der Zeit klar, welch nachhaltigen Ein-
fluß Derains Ideen auf Matisse und viele andere moderne
Maler ausübten. Vom Atelier Gustave Moreau her mit ihm
bekannt, arbeitete Matisse eine Zeitlang mit dem um zehn

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