Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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SYRAKUS, DER DOM

DIE WIEDERHERSTELLUNG DER KATHEDRALE

VON SYRAKUS

HANS BÖRGER

T Vergleicht man den heutigen Zustand der Stadt
' Syrakus mit dem der letzten Jahre vor dem
Weltkriege, so findet man gar bald heraus, daß
sich hier vieles in den seither verflossenen andert-
halb Jahrzehnten verändert hat. Das in Rom kul-
minierende intensive Leben des modernen Italien
brandet selbst an diesen entlegenen Winkel des
südlichen Sizilien heran. Syrakus, das früher räum-
lich völlig beschränkt war auf die Altstadt der an-
tiken Siedelung — etwa wie Girgenti auf die
Akropolis von Akragas —, dehnt und streckt sich,
greift von der Insel Ortygia nach beiden Seiten
auf das Festland über und macht Miene, langsam
wieder in den Umfang des antiken Stadtgebietes
hineinzuwachsen. Die Wohlhabenheit der Stadt,
die zugleich Kriegshafen ist, steigt sichtlich, und
die Einwohnerzahl hat sich seither fast verdoppelt.

Die Reinlichkeit der Straßen, die einst so viel zu
wünschen übrigließ, ist außerordentlich gewachsen;
es gibt mehr und bessere Hotels und Cafes als
ehedem — kurz: es läßt sich leben im modernen
Syrakus. Weniger ins Auge springend auf den
ersten Blick als diese zivilisatorischen Veränderun-
gen, aber um so bedeutender und nachhaltiger in
der Wirkung, wenn man sich vertieft, sind die
Leistungen, welche Kirche und Staat, unterstützt
von Privaten, auf kulturellem Gebiet zuwege ge-
bracht haben. Ich meine in erster Linie die nach
mehrjähriger mühevoller und verantwortungsvoller
Arbeit beendete Wiederherstellung der Kathedrale
von Syrakus. Wie delikat diese Aufgabe war und
von welcher Art die Fragen waren, vor die die
maßgebenden Instanzen, Monsignore Giacomo
Carabelli, der Erzbischof von Syrakus, und Se-

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