Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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ARBEITEN VON ALFRED MAHLAU

VON

WALTER PAATZ

A lfred Mahlau, der Lübecker Maler und Graphiker, hat
^ während des vergangenen Sommers in Cassis an der
südfranzösischen Küste gelebt. Die Arbeiten, die er von
dort mit heimbrachte, verdienen es, bekannt zu werden.

Es ist die Objektivität des echten Künstlers, die den vor-
nehmsten Zug im Charakterbilde Alfred Mahlaus ausmacht.
Er vermag die Dinge mit einer Hingabe anzuschauen, die
ihn sich selbst vergessen und ganz in seinem Gegenstand
aufgehen laßt. Er schildert die Welt so klar und frisch,
als spiegele sie sich in seinen Augen zum ersten Male.

Die ehrfürchtige Naturschilderung seiner Blätter ist von
der Art des siebzehnten und neunzehnten Jahrhunderts.
Die Darstellungsmittel tragen ein sehr individuelles Gepräge.
Linie und Punkt, mit dem Pinsel bisterbraun aufgetragen,
erhalten sich in abstrakter Reinheit selbst bei innigster Ver-

flechtung. Bald herrschen sie allein, bald sind sie durch
zarte Farben — Aquarell und Kreide — ergänzt. Die Ge-
stalt, die sie jeweils annehmen, empfängt ihr Gesetz stets
von der Eigenart des darzustellenden Gegenstands. Eine
innige Hingabe an die Natur hat Alfred Mahlau einen gro-
ßen Reichtum an Darstellungsmitteln an die Hand gegeben.

Nach seiner Rückkehr aus Frankreich hat der Künstler
die heimatliche Landschaft Lübecks unter der Einwirkung
des Winters geschildert. Diese Arbeiten haben lediglich
eine intime Gegenständlichkeit mit denen aus Cassis gemein.
Durch Luft und Schnee und Eis und Wolken lassen sie un-
merklich die Elemente miteinander verschmelzen, die auf
den Mittelmeerbildern kräftig voneinander gesondert und
wie mit Händen greifbar nebeneinander hingestellt worden
sind. Sie sind so nordisch wie jene südlich sind.

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