Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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CARL BLECHEN, KÜSTE VON ATRANO

IM BESITZ DER STADT KOTTBUS

VINCENT VAN GOGH IN ARLES

VON

DR. BENNO STOKVIS

TT 7"ie vorauszusehen war, mußte mein Plan, in
' " der Provence den Spuren Vincents nachzu-
gehen, ungleich größeren Schwierigkeiten begeg-
nen, als ich seinerzeit in Brabant zu überwinden
hatte*. In Brabant wurde mir meine Aufgabe da-
durch erleichtert, daß ich in der Person von Vin-
cents Vater, dem allgemein geachteten und be-
kannten Prediger, einen Ausgangspunkt hatte, der
nicht zu unterschätzen war. Hinzu kam, daß es
für Vincent leichter war, in seiner Heimat Mo-
delle zu rinden als in der Fremde, ebenfalls ein
wichtiger Punkt für meine Nachforschungen. In
seinen Briefen aus Arles an Theo beklagt Vincent

* Siehe „Kunst und Künstler", JahrgangXXV, Seite 2^gff.

oft diesen Ubelstand; er schafft sich einen Spiegel
an, um, wie er schreibt, „nach mir selbst zu malen,
denn ich bekomme keine Modelle." Und bald
danach: „Ich habe schon alle Hoffnung aufgegeben,
hier jemals Modelle zu finden." Die Leute fanden
seine Bilder „die reinen Fratzen" und hielten es
für unter ihrer Würde, ein von ihm signiertes
Bild zu besitzen. Daraus ergab sich, daß seine
Beziehungen zu seiner Umgebung niemals so ver-
traut werden konnten wie in Brabant, so daß
man sich hier des Malers viel weniger erinnert
als dort, obwohl der Aufenthalt Vincents in Arles
kürzer zurückliegt als sein Wirken in Brabant.
Arles ist eine kleine tote Stadt mit engen, ge-

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