Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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das Bildnis des Dichters Mallarme, in einer glücklichen Stunde
der Eingebung geschaffen, vollkommenste Darstellung einer
einmaligen Persönlichkeit mit den geringsten Mitteln und auf
kleinstem Räume, eine malerische Köstlichkeit und ein Wun-
der psychologischer Charakterisierung zugleich.

Mit zwei Bildnissen ist nun auch Degas in die große
„Salle des Etats" eingezogen, nachdem zuletzt Monet mit einer
der Stelle kaum würdigen Studie zu einem Selbstporträt
hier einen Platz gefunden hatte. Die Ankäufe des Staates
bevorzugen die Frühzeit des Malers Degas, der auch die
beiden neuerworbenen Bildnisse angehören. Immerhin run-
det sich nun allmählich der Besitz an Werken des Künst-

B UDAPEST
Die vergangene Saison hat wenig
dauerhafte Spuren hinterlassen. Wenn
man genau betrachtet, so ist eigentlich
nichts übrig geblieben, als daß einige

talentvolle Künstler, wie Märffy, Aba-
Noväk, Patkö, Egry, zweifelhafte Versuche neben gelunge-
nen Arbeiten zeigten. Diese guten Bilder wären wert,
einmal in Berlin gezeigt zu werden. Der Rest ist tüchtige
und minder tüchtige Akademie und Ateliernaturalismus
der achtziger Jahre. Die traurige Tatsache, daß der sehr
talentvolle, sich stets treu bleibende Rippl-Rönai so früh

lers, die auch Camondo mit Glück gesammelt hatte, wäh-
rend man noch heute von dem Erben seiner Kunst, von
Toulouse-Lautrec, in Pariser Museen kaum ein Werk zu
sehen bekommt. Man muß nach Albi fahren, um ihn ken-
nen zu lernen. Dort, in seiner Geburtsstadt, ist durch Stif-
tung der Familie und von Freunden ein Lautrec-Museum
entstanden, merkwürdig genug, in dem ehemals erzbischöf-
lichen Palaste im Schatten des festungshaft mächtigen mittel-
alterlichen Domes, wo nun die Halbwelt des Pariser „fin de
siecle" in den Bildern des genialen Krüppels ein seltsam ge-
spenstisches Wesen treibt.

G.

aus dem Leben scheiden mußte, ist ein Negativum, wo-
rüber die Tatsache, daß wir in den Auktionen von den
Werken dieses Künstlers in zehn, zwanzig Jahren wahr-
scheinlich noch hören werden, nicht hinweg zu trösten
vermag. Das vielbesprochene Kossuth-Denkmäl aber ist
leider ein Positivum. Ein sehr trauriges, das auf den schlim-
men Zusammenhang von Kunst und Politik in Ungarn ein
scharfes Streiflicht wirft. Das Werk ist durchaus posenhaft
und unkünstlerisch. Es hat vor dem Kriege in einem inter-
nationalen Wettbewerb, nur aus politischen Gründen — gegen
das Votum aller ausländischen Juroren — den ersten Preis
erhalten. Man sollte meinen, daß es jetzt, nachdem sich die
Situation ein ganz klein wenig geändert hat, nicht mehr nötig

MAX SLEVOGT, MÄRCHENILLUSTRATION. FEDERZEICHNUNG

UNSTAUSSTELLUNGEN

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