Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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hans poelzig, entwurf für das völkerbundhaus in genf

HAN S POELZIG
ZUM SECHZIGSTEN GERURTSTAGE

von

WALTER CURT BEHRENDT

l^\er Typus des naiven Künstlers, der selbst noch reine Natur
-*-^ ist und in seinem Empfinden und Wirken allein den Ge-
setzen seiner Natur vertraut, ist verzweifelt selten geworden in
dieser Zeit. Der Architekt Hans Poelzig, der am 30. April sein
sechzigstes Lebensjahr vollendet hat, stellt eines der letzten
originalen Exemplare dieser Gattung dar: eine schöpferische
Vollblut- und Kraftnatur, in der nach Schillerscher Auslegung
„Sinne und Vernunft, empfangendes und selbsttätiges Ver-
mögen sich in ihrem Geschäfte noch nicht getrennt haben".
Poelzig ist ein robustes Stück ursprünglicher Natur, in dem die
zeugenden Säfte des künstlerischen Menschen kreisen.

Dieses Stück urtümlichen Kosmos lebt in einer breiten, ge-
drungenen Gestalt, die mit starken Beinen fest auf der Erde steht
und sich ein wenig schwerfällig und ungeschlacht, doch nicht
ungelenk und ohne Grazie im Räume bewegt. Auf dem
massigen Körper sitzt ein kräftiger Kopf mit steilem Schädel,
der sich vom Zenit der Stirn mit stark fallendem Oval zum
Wirbel wölbt. Dieses charakteristische Schädelprofi] vergißt sich
hans poelzig. Photographie RiEss,'berlin nicht leicht. Aus dem runden, weichgeformten Gesicht, das von

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