Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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CARL BLECHEN, SEEUFER

IM BESITZ DER STADT K OTTBUS

BLECHEN IN KOTTBUS

/"""<arl Blechen ist, wie man weiß, in Kottbus geboren.

Das hat die Stadtverwaltung in den letzten Jahren zum
Anlaß genommen, um in aller Stille Bilder und Zeichnungen
Blechens zu kaufen, wo immer sich eine Gelegenheit bot.
So ist, unbemerkt von der Öffentlichkeit, eine kleine Samm-
lung entstanden, die langsam aber stetig anwächst. Nicht
nur von Bildern Blechens. Es zeigt sich, daß ein solches
Sammeln natürliche Konsequenzen hat, indem es sich wie
von selbst auch auf Künstler erstreckt, die Blechen nahe
standen. Neben einer Sammlung von meist kleinen Bildern,
Aquarellen und Zeichnungen Blechens, die bald ein viertel
hundert Nummern aufweist, besitzt Kottbus auch schon drei
höchst bemerkenswerte Landschaftsstudien von Dahl. Und
man wird vermuten dürfen, daß sich Caspar David Friedrich
eines Tages hinzugesellt. Es ist eine gesunde Art, zu sam-
meln, wenn der Wille so von einem natürlich gegebenen,
festen Punkt ausgeht, sich mit Bewußtsein beschränkt und
doch den Folgerungen nicht ausweicht.

Die Bilder Blechens, die Kottbus besitzt, sind durchweg
kleinen Formats. Doch hat Blechen ja in kleineren Land-
schaften, in der „schwärmenden Studie", wie Julius Elias
einmal hübsch sagte, sein Bestes gegeben. Die Kottbuser
Bilder sind keineswegs alle gleichwertig, doch sind ein paar
sehr schöne Arbeiten darunter. Noch günstiger war freilich
die Gelegenheit, die es ermöglichte, drei vorzügliche Land-
schaften von Dahl zu erwerben. Dahl siegt in dieser klei-

nen Sammlung vorläufig noch über Blechen — was der ge-
schichtlichen Wahrheit nicht eben entspricht.

Die Bilder sind nicht öffentlich ausgestellt, sondern nur
provisorisch im Rathaus untergebracht. Hoffentlich gelingt
es den Bemühungen der künstlerisch Interessierten in Kottbus,
daß irgendwo in der Stadt einige Räume mit gutem Licht
zweckmäßig als Ausstellungsräume hergerichtet und dem
Publikum geöffnet werden. Nicht mehr. Der Ehrgeiz nach
einem richtigen Museum, das zu schnellen, unkritischen
Ankäufen verführen würde, wäre verhängnisvoll nach einem
so verständigen Anfang. Es hängt unter den Bildern im
Rathaus der Entwurf einer großen monumentalen Stadthalle
mit Museum von Kreis, der sehr bedenklich stimmt. Doch
ist zu hoffen, daß der Entwurf auf dem Papier bleibt. Würde
er ausgeführt, so wäre der jetzt bestehende kleine Kern
einer guten Sammlung überhaupt nicht mehr zu sehen. *

Der hoffnungsvolle Anfang wird augenscheinlich vor
allem dem Bürgermeister von Kottbus verdankt und dem
Zeichenlehrer des dortigen Gymnasiums, Carl Noack, von
dessen eigenen respektablen Aquarellen in diesen Heften,
gelegentlich einer Ausstellung in der Galerie Viktor Hartberg,
schon die Rede war, und von dem wir auch heute wieder ein
Aquarell aus Venedig abbilden, das den Beweis erbringt, daß
Noack weiß, worauf es in der Malerei ankommt. K. Sch.

* Eben jetzt, in diesen Tagen, sind die Bilder in einem besonders
hergerichteten Raum besser aufgestellt worden.

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