Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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HERMANN HUBER, BADENDE IM KAHN

NEUE ARBEITEN VON HERMANN HUBER

VON

KARL SCHEFFLER

T Tnter den jüngeren Schweizer Malern ist Her-
^-^ mann Huber eine charaktervolle Gestalt. Er
ist ein Künstler, der es ernst nimmt. Vielleicht zu
ernst; denn die Malerei kann einer gewissen Leich-
tigkeit, die Kunst kann des Spiels nicht entraten.
In den letzten Jahren hat Huber sich mit Glück
mehr der spontanen Freude an der Erscheinung
hingegeben. Eine Reihe sinnlich schön gemalter
Bilder ist das Ergebnis. Daneben aber behauptet
sich nach wie vor der grübelnde Denker, den es
drängt, die Erscheinungen symbolisch zu erhöhen
und zu ordnen, die Natur zu stilisieren und sich
dem hinzugeben, was gern „Synthese" genannt
wird. Einmal greift Huber die Aufgaben etwa so
an wie Renoir es tat; und dann gestaltet er wieder
im Sinn des alten, des ideenhaft arbeitenden Thoma.
Daß der Schweizer zwei Sehformen vereinigen will,
daß ihm die Naturmalerei zu wenig zu sein scheint,

daß ein innerer Zwang ihn immer wieder auch zur
„Gestaltung" treibt: dieses ist der vielleicht zu große
Ernst seines Wesens und seiner Kunst. Ein Dualis-
mus dieser Art ist ein spezifisch schweizerischer Zug.
Gottfried Keller hat ihn grotesk im „Grünen Hein-
rich" geschildert. Wie Heinrich Lee, so trägt fast
jeder Alemanne den Schädel des „Zwiehan" un-
sichtbar mit sich herum. Was Huber auszeichnet,
ist, daß er aus diesem Schicksal, das nicht nur
zwischen zwei Weibern, sondern auch zwischen
zwei Musen statthaben kann, das beste macht. Es
ist als sei der Krampf nun gewichen; in den eben-
sowohl dichterisch wie malerisch konzipierten Bil-
dern ist alles lockerer, freier und unbefangener
geworden. Auch das zu guten Teilen noch Er-
dachte sieht „richtiger" aus. Am hoffnungsvollsten
bleiben die kleineren Bilder, die unmittelbar Natur-
eindrücke wiedergeben. In diesen anspruchslosen

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