Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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JACOB VAN RUISDAEL, FLACHLANDSCHAFT MIT KORNFELDERN

METROPOLITAN-MUSEUMj NEW YORK

JACOB VAN RUISDAELS FLACHLANDSCHAFTEN

VON

JAKOB ROSENBERG

"T\ie Entwicklung Ruisdaels erfährt in der Zeit
^ um 1670 noch einmal eine entscheidende
Wendung, die aus einer weiteren historischen
Perspektive beurteilt, wohl als die einschneidendste
in seiner ganzen Bahn gelten muß. Es ist die
Wendung zum weiträumigen Fernbild, wie es
besonders die früher selten behandelte Flachland-
schaft bietet, deren formale Eigentümlichkeiten:
das Plane und Offene, die mächtige Höhe des
Himmels und damit das Uberwiegen der atmo-
sphärischen Erscheinungen über die festen, körper-

Anmerkung der Redaktion: Dieses ist der
— gekürzte — Teil eines Buches über Ruisdael, das in
diesen Tagen im Verlage Bruno Cassirer erscheint.

liehen Formen ihn jetzt fast ausschließlich be-
schäftigen und die er nun auch auf die übrigen
Landschaftsthemen, die Wald- und Wasserfall-
bilder, überträgt.

Am einschneidendsten erscheint diese Wand-
lung, weil Ruisdael sein bisheriges Ideal wuchtig
plastischer Bildfüllung jetzt ganz fallen läßt, um
ein Äußerstes an offener Höhen- und Weitenent-
faltung zu erreichen. Es spiegelt sich in dieser
Wandlung die Wende vom Hochbarock zum
Spätbarock, die Ruisdael noch auf der Höhe
seiner produktiven Kraft miterlebt und mitge-
formt hat.

Man bevorzugt heute zumeist Ruisdaels Flach-

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