Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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MAX PECHSTEIN, BIRNEN, TOMATEN UND FISCHE

AUSGESTELLT IN DER GALERIE VIKTOR HARTBERG, BERLIN

BERLINER AUSSTELLUNGEN

VON

KARL SCHEFFLER

MOISSEY KOGAN
Neben den Bildern Beckmanns nehmen sich die Plastiken
Moissey Kogans in der Galerie Flechtheim seltsam aus. Wie
die Maske der heiteren Muse neben der der tragischen.
Was Kogan zeigt, ist eine ruhige, ausgereifte Produktion.
Er ist ein sparsamer Arbeiter. Doch hat er den Ehrgeiz,
seine kleinen Statuetten, die schone junge Frauen darstellen,
ganz fertig zu machen. Sie sind sowohl geistig wie technisch
fertig. Es ist der Geist Maillols darin, ohne daß irgendwie
Anlehnung nachweisbar wäre. An Maillol denkt man wegen
der griechisch anmutenden Heiterkeit und plastischen Ruhe.
Und wegen der einfach schönen Oberfläche. Manchmal ist
die Haut ja zu schön, zu glatt; dann kommt in Kogans
Plastik etwas Damenhaftes. Doch ist das nur eine Nuance,
die zurücktritt vor dem handwerklichen Ernst, der in allen
Arbeiten ist, vor der geistreichen Primitivität der Form, vor
dem starken Eindruck, den die mit Leben erfüllte Einfach-
heit macht.

Den Namen Kogan hörte ich zuerst vor fünfzehn Jahren.
Damals zeigte mir Osthaus, der eine gute Witterung hatte,
kleine Skizzen dieses Bildhauers. Von dem Stilismus dieser
frühen Arbeiten hat Kogan sich durchaus befreit. Seine
Kunst ist in der Stille reif geworden und kann, in all ihrer
Anspruchslosigkeit, kleinmeisterlich genannt werden.

MAX PECHSTEIN

Dieser Maler zeigte neue Bilder und Aquarelle in der
Galerie Viktor Hartberg. Unter den Aquarellen sind einige
ausgezeichnete Arbeiten. Das Tomatenstilleben, das hier
abgebildet ist, darf als außerordentlich bezeichnet werden.
Selten hat Pechstein einen so feinen Sinn für das Leben der
Valeurs und der Farben gezeigt, selten ist er so sorgfältig
vorgegangen und in der Sorgfalt dann vom ersten bis zum
letzten Strich so frisch geblieben. Dieses ist nicht nur
„moderne" Kunst, sondern es ist Kunst schlechthin, wie sie
bestehen bleibt. Auch der Hecht ist gut. Und die Früchte
auf dem Tischtuch leiden nur an einem Maßstabsmißver-
hältnis; gemalt sind auch sie vorzüglich.

Wenn Pechstein zur Ölfarbe greift, rutscht er leicht ins
Dekorative, ja ins Dekorationsmäßige ab. Es ist, als ob er
den Sinn für Intimität und Richtigkeit in gewissem Sinne
einbüßt, wenn er den Aquarellpinsel aus der Hand legt.
Manches ist schlagend gesehen, und alles ist mit dreister
Kraft gestaltet. Doch ist auch eine Systematik beteiligt, die
Pechstein früheren Bildern Pechsteins entnommen hat.

Um das Talent eines Künstlers gerecht zu beurteilen, muß
man sich an seine besten Arbeiten halten. Die besten Werke
dieser Ausstellung, die eben genannten Aquarelle, geben von
den natürlichen Gaben Pechsteins eine hohe Vorstellung.

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