Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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E. SMITH, FASCHINGSPLASTIK

bildnis mit Gattin", wenn das Ganze auch noch nicht recht
zusammengewachsen ist; wie ausgezeichnet ist der Bach im
Walde gemalt, trotz leerer Stellen links im Waldboden und
oben im waldigen Hintergrund; und wie sommerlich frisch,

wie herzhaft und einfach ist die Sommerlandschaft mit dem
Kornfeld! Es bleibt ja noch vieles zu tun. Die Zeichnung
mutet etwas akademisch an, sie ist bei weitem nicht so frei
und ausdrucksvoll, wie Ton und Farbe es sind. Das Ganze
dieser Kunst wirkt noch ein wenig glatt, ein wenig forciert
und etwas flach. Hier aber ist ein Weg, ein selbstgefundener,
ein mutig beschrittener, der zu schönen Erfolgen schon ge-
führt hat. Der Maler ist in seinem guten Streben der größten
Teilnahme aller Kunstfreunde sicher.

*

Galerie Viktor Hartberg: Otto Geigenberger und L. W.
(iroßmann. Geigenberger malt so, daß man immer irgendwie
an Architekturzeichnungen erinnert wird. Darin gleicht er von
fern Kerschenbaumer. Das Konstruierte springt in die Augen.

Aus L.W. Großmanns kleinen Bildern spricht in ange-
nehmer Weise Münchner Atelierkultur. Es ist, als seien
Landschaften aus der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts
in moderner malerischer Weise aufgelockert. Dieses ist eine
Malerei, die mit zwei Bildern eine höhere Meinung von dem
Künstler gibt als mit zwanzig. Weil nämlich vor zweien
die Manier nicht erkannt wird, die vor zwanzig nicht ver-
borgen bleiben kann.

Karl Scheffler.

DIE LEIBL-AUSSTELLUNG

Am 10. März ist in Köln eine sehr umfassende Ausstellung
von Bildern Leibis eröffnet worden. Dieselbe Ausstellung
wird während des April in der Akademie der Künste in Berlin
gezeigt. Zugleich werden Leibis Zeichnungen und Graphiken
in der Galerie Matthiesen ausgestellt. Wir werden im Mai-
heft ausführlich auf diese wichtige Veranstaltung eingehen.
Der Katalog ist im Verlag Bruno Cassirer erschienen.

CHRONIK

ANTON MAYER

Anton Mayer, der Kunstkritiker des Berliner 8 Uhr-Abend-
blattes vollendet am 22. April sein fünfzigstes Lebensjahr.
Er war ursprünglich Offizier, studierte dann Kunstgeschichte
bei Adolf Goldschmidt, arbeitete in der Nationalgalerie und
im Berliner Kupferstichkabinett und wurde 1914 Direktor
des Museums in Weimar. Nach dem Krieg hat er die Kunst-
kritik des 8 Uhr-Abendblattes übernommen und hat daneben
auch Musikkritik getrieben. Von seinen Büchern sind, außer
einer Reihe von Romanen, zu nennen: Die „Geschichte der
Musik", „Die Einheit der griechischen Kunst" und der
„Gefühlsausdruck in der bildenden Kunst". Zurzeit arbeitet
Mayer an einem „Führer durch das Opernrepertoir". Man
sieht: ein Schriftsteller, der ein weites Gebiet beherrschen
will, der eines aufs andere bezieht und dessen Naturell viel
Elastizität hat. Einen solchen vergleichenden Geist an ver-
antwortlicher Stelle als Kritiker einer sehr verbreiteten Tages-
zeitung zu wissen, ist erfreulich. Denn das öffentliche Urteil
ist überall dort in guten Händen, wo Selbstbeurteilung im

Spiel ist und wo der Kritiker auch ein Stück Künstler oder
Dichter ist.

HUGO VON HABERMANN t

Der Tod des Baron Hugo von Habermann, der nach
längerer Krankheit fast achtzig Jahre alt gestorben ist, trifft
das Münchner Kunstleben viel schwerer als der Heimgang
des vor einem halben Jahr dahingeschiedenen Franz von
Stuck. Zweifelsohne war Stucks Name bekannter, aber die
Malerei dieses eingesessenen bayrischen Künstlers war mit
den Jahren immer fragwürdiger geworden. Gewiß sei Stucks
Anteil an der Gründung der Sezession nicht vergessen und
auch nicht verkannt, was er als dekorativer Künstler geleistet
hat. Aber Habermann war in jeder Hinsicht die größere
Persönlichkeit. Der aus Franken stammende Edelmann war
ein ungewöhnlich vornehmer Charakter, von außerordentlicher
Liberalität des Geistes, nicht nur äußerlich der Präsident
der Sezession, sondern seit Jahrzehnten der Führer des künst-
lerischen Fortschritts in München. Neben Stadler war er der
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