Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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MAX BECKMANN, RIMINI. PASTELL. STETTINER MUSEUM. 1927

MIT ERLAUBNIS DER GALERIE J. B. NEUMANN, NEW YORK UND A. FLECHTHEIM, BERLIN
AUSGESTELLT IN DER GALERIE FLECHTHEIM

MAX BECKMANN

AUSSTELLUNG IN DER GALERIE A. FLECHTHEIM, BERLIN

VON

CURT GLASER

~T\ie Ernte des letzten Jahres, die in der Aus-
Stellung der Galerie Flechtheim gezeigt wurde,
ließ die schöne Reife erkennen, zu der die Kunst
Max Beckmanns sich entfaltet hat. Nichts mehr
von dem quälenden Krampf der Nachkriegsjahre,
deren schwerer Albtraum nun der Vergangenheit
gehört. Die unerhörte Nervenspannung jener Jahre,
in denen die Kunst des Malers das Gesicht der
Zeit zu formen und zugleich ihre eigene Form
dieser neuen Zeit anzupassen, mit der äußersten
Anspannung der Nerven wie der Kräfte des Geistes
bemüht war, ist vorüber. Der Künstler hat seine

neue Stellung zur Wirklichkeit gewonnen. Sein
Geist hat sich mit der Welt, sein Auge mit der
Form ihrer Erscheinungen wieder versöhnt. Er
sieht die Dinge mit einer Gelassenheit, die ihn
auch in einem einfachen Stück Landschaft oder
ein paar gleichgültigen Gegenständen auf einem
Tische ein malenswürdiges Motiv erkennen läßt.
Er braucht nicht mehr aufreizende Perspektiven,
nicht mehr die Lärminstrumente moderner Or-
chester, nicht mehr grimassierende und verkleidete
Menschen. Ein Strandweg, ein Paar in der Loge,
eine Kiste mit Bücklingen werden Anlaß zu Bildern.

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