Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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RUDOLF GROSSMANN, INTERIEUR UND STILLEBEN

NEUE ARBEITEN RUDOLF GROSSMANNS

VON

KARL SCHEFFLER

GELEGENTLICH DER AUSSTELLUNG IN DER GALERIE FLECHTHEIM, BERLIN

TT Tas Großmanns Arbeiten — den Zeichnungen,
* * den Bildern, den schriftstellerischen Versuchen
und neuerdings auch den Plastiken — einen beson-
deren, ihnen allein eigentümlichen Reiz gibt, ist
der Umstand, daß der Künstler nur tut, was ihm
Spaß macht. Ein Arbeiten aus der Pflicht kennt
er nicht, und ebensowenig ein Arbeiten nach pro-
grammatischen Uberzeugungen — das ja schließlich
auch einem Pflichtgefühl entspringt. Er promeniert
durchs Leben - mühsam genug sich durch-

schlagend, aber unangefochten immer der Stunde
und dem Augenblick lebend. Er genießt den Augen-
blick und die Stunde. Das ist seine menschliche
Naivität; und da sie zur Kunstform wird, so gibt
sie seinen Arbeiten den Wert. Einen Wert, der
sie vor vielen Arbeiten anderer begabter Maler,
Zeichner, Bildhauer und Schriftsteller auszeichnet,
obwohl sie in keiner Weise aufregend, obwohl
sie mehr still als laut sind. In Wahrheit hat alles,
was Großmann macht, etwas Verspieltes. Er bastelt

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