Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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AR1STIDE MAILLOL, ZEICHNUNG

MIT ERLAUBNIS DER D.D.A.

PLASTIK

VON

KARL SCHEFFLER
I

Aristide Maillol
In der Galerie Flechtheim

IV /faurice Denis hat Maillol einmal (in „Kunst
* und Künstler") einen „klassischen Primitiven"
genannt. So wurde der Künstler vor zwanzig
Jahren von unserer ganzen Generation empfunden.
Als er 190*5 in der Berliner Sezession zuerst er-
schien, wurden seine Plastiken fast wie eine Er-
lösung von dem verwirrenden Einfluß Rodins
empfunden. Rodin war der große Verführer, der
genialische Vernichter plastischer Gesetze, ein Richard

Wagner der Skulptur; seine malerische Behand-
lung des Materials, seine literarisch gefärbten Ein-
fälle, seine Gebärdendramatik, sein von Carpeaux
abgeleitetes, sinnlich-übersinnliches, gotisches Ba-
rock — das alles blendete. Maillol führte in
eine andere Welt, in die Welt einfach großer
Formen und eines auf Tradition fußenden be-
ruhigten und beruhigenden Handwerks. Seine
„klassische Primitivität" stand in einem schroffen

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