Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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FRA FIL1FPO L1PPI, MADONNA
AUS DER SAMMLUNG CARL W. HAMILTON
IN EINER AUKTION DER ANDERSON GALLERIES
VERKAUFT AN F. LEON SCFINASI FÜR I250OODOLLARS
PHOTOS: THE ART NEWS, NEW YORK

PIERO DELLA FRANCESCA, KREUZIGUNG
AUS DER SAMMLUNG CARL W. HAMILTON
IN EINER AUKTION DER ANDERSON GALLEKIES
VERKAUFT AN.J. DUVEEN
FÜR 375000 DOLLARS

MÜNCHEN

Die neue Städtische Galerie, von Grassel geschickt als
Ergänzungsbau zum Lenbach-Haus geschaffen, in der Gesamt-
haltung wie in der Einrichtung elegant wirkend, wurde am
i.Mai der Öffentlichkeit übergeben. E. Hanfstaengl hat in
verhältnismäßig kurzer Zeit eine erstaunlich große Anzahl
von Werken zusammengebracht (Gemälde von Jan Pollak bis
zu den jüngsten der Münchner Maler), darunter einige Stücke,
die eine Bereicherung und interessante Ergänzung des öffent-
lichen Kunstbesitzes bedeuten, so verschiedene Werke von
W. Lindenschmit, Sperl, August Geiger, Rottmann, Franz Qua-
glio, W. v. Diez.

Wir versagen es uns heute, das Problem der Münchner
Städtischen Galerie eingehender zu erörtern und die Frage
zu behandeln, wie hier die Münchner Malerei des neun-
zehnten Jahrhunderts zu zeigen ist. Es genügt für jetzt fest-
zustellen, daß man in nächster Zeit vor allem die Lebenden
berücksichtigen will, und es steht zu hoffen, daß nicht nur
die Ausstellungen viel Anregung bieten werden, sondern daß
gerade durch diese Ausstellungen die Möglichkeit gegeben
wird, bei den Ankäufen nur das Beste auszuwählen. A. L. M.

DAS LEBENSWERK WILHELM LEIBLS
Es kann mitgeteilt werden, daß die Neuauflage des
Buches von Emil Waldmann über Leibi nunmehr gesichert
ist. Sie erscheint im Herbst dieses Jahres.

Immer deutlicher wird es, wie wichtig dieses Buch den
Kunstfreunden, Sammlern und dem Kunsthandel ist. Denn
es enthält nicht nur die ausgezeichnete Biographie Wald-
manns über Leibi, sondern auch einen vollständigen Oeuvre-
Katalog auf Grund der neuesten Erfahrungen der Leibi-
forschung. Alle bekannten und gesicherten Bilder Leibis

werden auf 200 Tafeln abgebildet. Im letzten Heft noch
konnten wir von einer irrigen Zuschreibung und von einer
Fälschung der Unterschrift Leibis berichten. Auch dieser
Fall zeugt wieder für die Notwendigkeit eines vervollstän-
digten Oeuvre-Katalogs, wie Waldmann ihn vorzulegen be-
absichtigt.

ANTIKE RAHMEN
T~\ie Geschichte des Bilderrahmens ist noch nicht geschrie-
ben. Bode, der so viele Kapitel der Kunstgeschichte als
erster in Angriff genommen und eine Grundlage der Er-
kenntnis geschaffen hat, auf der andere weiterbauen konnten,
hat hier noch kaum einen Nachfolger gefunden, und die
Verfasser des Kataloges einer Ausstellung antiker Rahmen,
die das Haus Pygmalion in Berlin zusammen mit Rotil in
Paris im Berliner Künstlerhause veranstalteten, konnten
nichts Besseres tun, als einen vor dreißig Jahren erschiene-
nen Aufsatz Bodes als Vorwort abzudrucken, da er noch
immer ungefähr das enthält, was wir von der Geschichte
des Rahmens heute wissen. Es ist nicht der Zweck dieser
Zeilen, einen Abriß dieser Geschichte zu wiederholen. Es
mag nur darauf hingewiesen sein, wie der Bilderrahmen dort
entsteht, wo das Bild ein selbständiges Wesen zu werden
beginnt, zuerst als Altarbild, dann als häuslicher Schmuck,
und wie eine Entwicklung der Rahmenformen sich von den
Zeiten der Spätgotik und Frührenaissance bis zum Empire
verfolgen läßt, während das neunzehnte Jahrhundert auch
auf diesem Gebiete keine neue Form gefunden hat. Es folgt
hieraus die merkwürdige Tatsache, daß wir gewöhnt sind,
Gemälde unserer Zeit in Rahmen, die nach Modellen des
achtzehnten Jahrhunderts kopiert sind, zu sehen.

Die Ausstellung im Künstlerhause war in vieler Hinsicht
anregend. Sie bot ein reiches Material zur Geschichte des

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