Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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P. P. RUBENS, KOPF DER HELENE FOURMENT

VON DEM BILD DER MÜNCHENER ALTEN PINAKOTHEK WÄHREND DER RESTAURIERUNGSARBEITEN.
DIE HELLE STELLE AN DER LINKEN SCHLÄFE, DAS LINKE AUGE UND DIE BACKE ZEIGEN NOCH DIE
ÜBERMALUNG UND LASSEN ERKENNEN, WIE DER KOPF VERÄNDERT WORDEN IST.

DAS BILDNIS DER HELENE FOURMENT MIT IHREM ERSTGEBORENEN IN MÜNCHEN

Tm Novemberheft, auf Seite 67, haben wir das Bildnis der
Helene Fourment mit ihrem Söhnchen aus der Alten Pina-
kothek in München in zwei Fassungen abgebildet. Die Ab-
bildung links zeigt das Bild, wie es seit etwa hundertund-
sechzig Jahren bekannt war, die Abbildung rechts zeigt das
Bild, wie es heute aussieht, nachdem es restauriert worden ist.
Unsere Unterschrift lautete links: „Das Bild im alten Zu-
stande", rechts: „Das Bild, nachdem es verkleinert, abge-
waschen und nachgemalt ist." Sonst war kein Kommentar
gegeben. Gegen diese Fassung der Unterschriften wendet
sich nun der Direktor der Bayerischen Staatsgemäldesamm-
lungen Friedrich Dörnhöffer. Er erläutert seine Auffassung in
einem Brief, dessen wesentliche Sätze wir folgen lassen:

„Wir besitzen zwei Inventare unserer Sammlung aus den
Jahren 1751 und 1761, in denen die Bilder mit ihren Maßen
beschrieben sind. Die im Inventar von 17 51 bei dem Rubens-
bilde angegebenen Maße stimmen mit dem Ausmaß des
alten Brettes, so wie es jetzt wiederhergestellt ist, überein;
das Inventar von 1761 dagegen weist bereits die genauen

Maße des vergrößerten Zustandes auf. Die Vergrößerung fand
also zwischen 1751 und 1761 statt, woraus sich ergibt, daß
die Malerei, die sich auf den angesetzten Stücken befin-
det, nicht von Rubens herrühren kann. Mit der gleichen
speckigen und trüben Malerei dieser Ansatzstücke aber zeigte
sich das ganze Bild bedeckt, so daß die Tatsache einer Ver-
größerung auf der Bildseite überhaupt nicht, sondern nur
an der Brettfuge auf der Rückseite zu erkennen war. Frei
geblieben war nur eine kleine Stelle (der Sitz des Sessels),
die sich durch ihre dünne klare und durchsichtige Farbe
deutlich abhob. Es ist dies dieselbe Farbe, die jetzt das
ganze Bild zeigt, nachdem es in mehr als zweijähriger Ar-
beit mit unsäglicher Mühe und Sorgfalt von den Überma-
lungen befreit worden ist. Als ein einfaches „Abwaschen"
dürfen Sie sich den Vorgang allerdings nicht vorstellen; die
neue Farbe, die in verschiedenen Lagen übereinander saß,
mußte unter unendlichen Schwierigkeiten größtenteils auf
trockenem Wege unter der Lupe entfernt werden.

Was die Veranlassung zur Vergrößerung des Bildes war,

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