Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

Page: 457
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kk1929/0486
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
NEUE ARBEITEN VON KARL WALSER

VON

WALTER HUGELSHOFER

TT 7"er heute nicht ständig auf den maßgebenden
* * Ausstellungen mit irgend aufsehenerregenden
Bildern erscheint oder es sonst versteht, die Auf-
merksamkeit der interessierten Kreise auf sich zu
lenken und wachzuhalten, wird von betriebsamen
Leuten zurückgedrängt, so bedeutend seine künst-
lerische Leistung auch immer sein mag. Die Akzent-
setzung innerhalb der Gesamtproduktion eines Lan-
des wird dadurch willkürlich verschoben. Es ist klar,
daß die aktuellen Größen irgendwelcher Gnaden
nicht immer auch die der Zukunft sein werden. Und
es ist fraglich, wem mit diesen, selten den Kräfte-
verhältnissen entsprechenden Wertverschiebungen
auf die Dauer schließlich ein Dienst geleistet wird.
Karl Walser, dessen neue Arbeiten hier vorge-

führt werden, stellt wenig aus. Er hat auch kaum
etwas auszustellen; denn er arbeitet nicht für Aus-
stellungen. Er hat das seltene Glück, daß seine eigen-
artige und ungewöhnliche Begabung immer wie-
der von kunstsinnigen Menschen erkannt und für
die richtigen Stellen herangezogen wird. Er arbeitet
zumeist im Auftrag. Das gibt seinem Werk etwas
beglückend Gesundes, von ringender Problematik
Befreites und Sinnvolles. Er hat es nicht nötig zu
schreien, um gehört zu werden.

Walsers besondere Befähigung isoliert ihn in-
mitten des heutigen Schaffens. Sicher ist er kein
„modernes" Talent. Doch durchaus kein Nachahmer
der Alten. Vor allem ein Künstler ganz autochthoner
Art. Mit selbstverständlicher, in sich gefestigter

457
loading ...