Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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CONRAD FELIXMÜLLER, SELBSTBILDNIS MIT FRAU. 1928

MALERGLÜCK UND LEBEN

VON

CONRAD FELIXMÜLLER

\ /Tan muß schon sehr unglücklich veranlagt
A sejn unc[ mjt sjch uncj jgj. Welt hadern,

wenn man sein Glück nicht aus sich und seinem
Umleben beziehen kann. Zumal als Maler — der
dann Motive suchen geht, den Modellmarkt ab-
klappert, interessante Themen aus Welt und Reli-
gionsgeschichte komponiert oder ein Käsestilleben
in eigens erknobelter Technik und Perspektive
wiedergibt. Probleme stellt und mit Tricks löst.

Zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit
gigantische Theorien aufstellt und tiefsinnige Ge-
sichter von Denkerfalten zernarbt und von Locken-
büscheln überwölbt herumträgt. Kurz — Minder-
wertigkeit von weltschmerzlicher Genietuerei ver-
drängt.

Etwas anders wird es, wenn fruchtbare Liebe
in Kindergeschrei mit kraftvollem Appetit und
zerrissenen Hosen, Strümpfen, Stiefeln der Kunst-

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