Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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DIE SAMMLUNG ADOLPH LEW1SOHN, NEW YORK

VON

EDITH VON TEREY

W 7enn man bedenkt, mit welcher Überproduk-
* ^ tion von Kunstwerken die westliche Welt
überflutet worden ist, wundert man sich, daß es
Sammler gibt, die ihren Weg durch die Wirrnis
der internationalen Salons und Ausstellungen ge-
funden haben. Ihr Instinkt hat sie richtig geleitet,
hat sie feinhörig gemacht für den leisen Anruf
des guten Kunstwerks, der alle erreicht, die lau-
schen und warten können.

Unter den Sammlern moderner Kunst in Ame-
rika hat Adolph Lewisohn, trotz seiner Aktivität
als Kupfermagnat und Erneuerer des Zuchthaus-
wesens, diesen Weg gemacht und eine der mannig-
faltigsten und vollständigsten Sammlungen des
Landes zusammengestellt. Er begann vor fünf-
undvierzig Jahren mit einer Landschaft von Claude
Monet, zu einer Zeit, da man von Cezanne als von
einem Anarchisten sprach, und van Gogh, Gauguin
und Lautrec eben anfingen, zu malen. Indem
Lewisohn Bild an Bild reihte, oft von Künstlern,

die in jenen Tagen gar nicht anerkannt waren, war
er weit seiner Zeit voraus, eine Art von Hasardeur
mit einer vagen Idee, wohin seine Leidenschaft
ihn wohl führen würde und mit einem immer
wachsenden Verständnis für die Wechselbeziehun-
gen zwischen den Zeitströmungen und dem Schaf-
fen der Künstler.

Um die Hauptstücke der Sammlung zu er-
wähnen, seien zunächst sechs Skizzen von Delacroix
für die Fresken im Palais Bourbon und St. Sulpice
genannt. Zwei Daumiers, darunter die bekannten
„Buveurs", folgen und ein Stilleben von Monti-
celli, ein prachtvolles Porträt von Corot, seinen
Freund Abel Osmond darstellend, und außerdem
das letzte Selbstporträt von Courbet. Manet ist mit
drei Prachtwerken vertreten, darunter die berühmte
„Seifenblase" und „Der Bettler", Claude Monet mit
vier, Pissarro mit zwei Landschaften, Sisley mit
einer Landschaft. Eines der Hauptwerke von Degas,
Jules Finot, erst nach seinem Tode verkauft, und

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