Bund Deutscher Kunsterzieher [Editor]
Kunst und Jugend — N.F. 6.1926

Page: 176
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Schul-Kunstausstellungen

von F. Mü l

Es ist schon einmal in diesen Blättern (Kunst und
Zugend 1925, Heft 3, S. 67) auf die Schul-Kunstaus-
stellungen hingewiesen worden und es wurden dort
auch die Bedingungen genannt, unter denen allein
sie nützlich sein können. Die Einrichtung hak sich aber
inzwischen weiterentwickelt, ihre Eigenart ist deuk-
licher hervorgetreten und über ihre Einwirkung auf
die Schüler sind neue Erfahrungen gemacht worden.
Aus diesem Grunde und weil die Beranstaltungen,
wo sie stattfinden, stark an die breite Oeffentlichkeit
herantreten, scheint es mir angebracht, nochmals
darauf einzugehen.

Vorweg muß für diejenigen Leser, die dem Gegen-
stand noch fremd gegenüberstehen, einiges rein sach-
lich mitgeteilt werden.

Der „Bund tür Kunstausstellunaen in Sckulen"
murde am 19. Februar 1920 in'Berlin gegründet. Zu
seinen ordentlichen Mitgliedern zählen 13 Groh-
Berliner Künstlervereine und eine grohe Anzahl
Lehrervereine. Ilnter den lehteren werden in den
Schriften des Bundes u. a. angeführt: der Berliner
Philologenverein, der Rekkorenverein von Groß-
Berlin, die Freie Lehrervereinigung für Kunstpflege,
der Landesverein akad. geb. Zeichenlehrer Preußens,
der Preußische Lehrerverein, der Deutsche Lehrer-
verein usw. Zu den außerordentlichen Mitgliedern
zählen die sogenannten „Förderer" des Bundes. Wir
lesen unter 66 Namen den des Reichsmini-
sters Dr. Stresemann, des Reichskunstwarts Dr.
Redslob, mehrerer Mitglieder des Reichstags und
des Preuhischen Landtags, Berliner Oberschulräte,
Slaütschulräte, Stadtverordneter, Museumsdirek-
toren, Schriftsteller und Künstler.

Als seine Aufgabe gibt der Bund in seinen Schrif-
ten folgendes an: „Er will mitarbeiten an der Durch-
dringung unsers Erziehungswesens und Bolkslebens
mit künstlerischem Geiste. Zu diesem Zwecke ver-
anstaltet er in Schulen und anderen öffentlichen Ge-
bäuden kleine Ausstellungen von 50—100 Original-
werken deutscher Künstler der Gegenwark. Gutachter
(Künstler und Lehrer in gleicher Zahl und ein Kunst-
gelehrter) wählen die Werke nach künstlerischen und
pädagogischen Gestchtspunkten aus. Dabei ist es das
Bestreben des Bundes, alle für das Kunstleben der
Gegenwart wichtigen Richtungen zu berücksichtigen,
gegebenenfalls auch Wünschen der Ausstellungsträger
auf stärkere Betonung der einen oder der anderen
Seite bei der Auswahl nachzukommen. Der Bund
ist also in künstlerischer Beziehung — wie nebenbei
bemerkt auch in politischer — durchaus unparteilich.
Er will kein neues Lehrfach einführen. Die Aus-
stellungen sollen den Lehrenden nur Mittel zur Er-
ziehung und die für eine rechte Führung zur Kunst
notwendigen Originale an Skelle von Reproduktionen
bieken. Die ausgestellten Kunstwerke sollen das Ge-
fühl der Kinder für die Eigenart ihrer Heimak und
ihres Bolkes beleben und stärken, ihnen einen Blick
auf die lebendigen Kräfte in der zeitgenössischen btl-
denden Kunst gewähren, ihnen den Weg zur Freude
an der Natur wie am künstlerischen Schaffen weisen
und schöpferische Kräfte in ihnen lebendig machen.
Sogleich soll mit der Erziehung zum Kunsterleben
die hierdurch besonders sich bildende und für alles

ler - Kolberg.

Geistesleben außerordentlich wichtige Funktion des
„Verstehens" gefördert und dadurch mitgeholfen wer-
den an dem Ausgleich und der Minderung der
Spannungen zwischen Richtungen und Klassen, Stän-
den und Stämmen im deutschen Bolke. So leistet der
Bund auch wesentliche Hilfe bei der Durchführung
der erzieherischen Absichten der Schulreform."

Die Kosten einer Ausstellung werden gewöhn-
lich auf 500 Mark veranschlagk, wovon der Bund Vs,
der Beranstalter -L trägt. Dieser sogenannte „Aus-
stellungsträger" ist gewöhnlich der Magistrat einer
Skadk oder ein Derein. Der Bund stellk einen Künst-
ler für drei Tage zur Herrichtung der Ausstellung
und einen Pädagogen, ebenfalls für drei Tage, zu
deren AusweOung für die Schulen zur Verfügung.
Dieser Herr hält bei der Eröffnung den einführenden
Vortrag, übernimmt die Führung der geladenen
Gäste und veranstaltet eine Führung für die Lehren-
den, um ihnen Wege zu weisen, den Schülern die
Kunstwerke nahezubringen. Auch hälk er in der Aus-
stellung Lektionen mit Schulklassen in Gegenwart
der Lehrer und schließk daran Besprechungen der
während der Lektionen erhaltenen Eindrücke.

Für Berlin veranstaltet der Bnud außer diesen
Schul-Kunstausstellungen noch Führungen durch
Künstlerwerkstätten, Ausstellungen und Museen, wo-
für sich Künstler, Kunstgelehrie und Museumsdirek-
toren zur Berfügung stellen.

Unterstützt wurde der Bund vom Reichs-
ministerium des Innern, vom Preußischen Mini-
sterium für Wissenschaft, Kunst und Bolksbildung
und von der Stadk Berlin. Der Preußische Minister
für Wissenschaft, Kunst und Bolksbildung hak in
einem Erlaß vom 15. 3uli 1925 die Provinzial-Schul-
kollegien ersucht, „den Bestrebungen des Bundes
möglichst weikgehende Förderung zuteil werden zu
lassen".

3m letzten Berichtsjahr wurden 19 Ausstellungen
veranstaltet, davon 12 in den Provinzen.

Soweit das Tatsächliche. Wir sehen, es handelt
sich ym einen großen Appärat und um sehr einfluß-
reiche Personen, die diesen Apparat bewegen. Wenn
wir von dieser Großzügigkeik auf den inneren Werk
schließen, mutz das Urteil günstig lauken. Aehnlich
große Beranstaltungen gibt es auf deM Gebiek der
Leibesübungen und des Sports, und wir sehen hier,
daß sie dem Ganzen nützen.

Doch müssen wir bei den Schul-Kunstausstellungen
zwei Dinge auseinanderhalten, erstens die Kunst-
ausstellung an sich und zweitens die Schule. Künfiler
und Schule sind hier zu chrem gegenseitigen Nutzen
eine Verbindung elngegangen. Die Künltler haben
Gelegenheik, ihre Arbeiten z« zeigen, nicht nur den
Schülern, sondern aych dem großen Publikum und
einflllßrelchen Stelleni fie haben die Ausflcht, ihre
Sachen zu verkaufen, worauf sie natürlich immer
Mert legen, zumindest aber wird ihr Nams bekannk,
was auch schon ekwas bedeutek. Persönliche Kosten
durch Transporte, Ausstellungsgebühren und Ber-
sicherungen enkstehen ihnen nicht, so daß auf Seiten
der Künstler der Nutzen ersichtlich scheint. Denken
wir an die Zeit der Gründung des Bundes, Februar
1920, als viele Künstler arg um ihre Existenz ringen
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