Pauli, Johannes; Bolte, Johannes [Editor]
Schimpf und Ernst (1. Theil): Die älteste Ausgabe von 1522 — Berlin: Herbert Stubenrauch Verlagsbuchhandlung, 1924

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Johannes Pauli

4S

VI. Von Runnen.
Von Schimpf das 65.
Zwölf Nunnen für zwölf Pfaffen.
1 ß f das so wir vil von den München gesagt haben, so zimpt
I I wol, das wir auch etwas von den Nunnen schreiben, wan als die
Lerer sprechen, so gehören Münch und Nunnen zusammen. Es was ein
Lloster, sol man es anders ein Kloster heissen, ein Sttfft, da waren Kreifrawen
vn, als ir vil in unsern Landen sein, der Edlen Spittal etc. Sa was ein Edler,
der dem Gotzhauß abwolt ziehen und nemen, das sein Ellern darchetten gehen.
Sie lagen in dem Rechten mit einander, und was vil daruff gangen. Ser Ep"
tissin ward geraten, sie soll fier die allerhübschesten Krawen, die fle Hel, wol
ußstreichen und soll fie mit ir nemen und mit inen selber für den Kürsten
Lumen, sie würd ein gnedigen Herren finden. Sie volgt dem Rat.
Sa sie nun also für dem Fürsten stünd mit den fier stoltzen Krawen, da fragt
fle der Kürst und sprach, wie vil gestielter und Chorfrawen Hel. Sie Eptissin
antwurt dem Kürsten und sprach mit Züchten: ^Unser sein 24 Krawen.' Ser
Kürst sprach: ^wie vil haben ir Pfaffen und Laplön?' Sie Eptiffin antwurt
und sprach: ''Gnediger Her, wir haben zwölff Pfaffen.' Ser Kürst lacht und
sprach: ^Sas ist übel geordnet, es solt umbgekert sein.' Sie Eptissin verstünd,
wa der Kürst hinusi wolt, und das er fle Hüren schätzt. Sa sprach dy Eptissin:
^Nein, gnediger Her, es ist wol geordnet. Es sein zwölff Pfaffen, und hat feg//
sicher sein Krawen, und die überigen zwölff Nunnen sein für die Gest.' Sa
lacht der Kürst und sprach: "Krau Eptissin, ir haben wol geantwurt. Gon heim,
so wöllen wir mit dem Edelman verschaffen, das er euch mit Kriden laßt!'
Von Schimpfs das 66.
—Ein Atze! schall ein Nun ein Hürensack.
schreibet Meister Kelix Aemerlin, das ein Krau, die da
sündet mit einem Kürsten, ist eben als wol ein Hür geheissen, als het fle
hundert Bauren gehebt, und ein Run, die ein Pfaffen hat gehebt,heiffet
als wol ein Hür, als Hel fle 40 Münch gehebt. Also einer, der in einer Sotsünd
stirbt, ist als wol verdampt, als het er hundert Sotsünd gethon, als geschriben
stot: lAacob.2. tzui offendit in uno,factus est omnium reus. etc.) Sa schreibt
er von einer Klosterfrawen, die het heimlich mit einem Man gesündt. Und uff
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