Pauli, Johannes; Bolte, Johannes [Editor]
Schimpf und Ernst (1. Theil): Die älteste Ausgabe von 1522 — Berlin: Herbert Stubenrauch Verlagsbuchhandlung, 1924

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Johannes Pauli

Von Ernst das 259.
Ein Ritter ward erlößt.
in Keifer thet ein Schlacht mit seinen Keinden. Einem
Ritter entgieng sein pfert, das er zü weit in dy Keind kam, das er ge-
fangen ward. Sa man wider heimkam, da ward man desselben Ritters
zü Red, und sprachen etlich, die im nit hold waren: Er het ein Verstand mit
den Keinden, es ist ein angelegte Sach/ Man fragt den Reiser, was er darzü
sagt. Ser Reiser fragt, wie er vormals sich gehalten het, ob im semlichs nie
begegnet wer. Sa sprachen die andern: ^Nein, er hat sich alwegen ritterlich,
frumglich und wol gehalten/ Sa sprach der Reiser: "So sol man im auch setz
nit anders vertrawen/
Ser gnoß seins güten Namens. Es stot nit umbsunst uff allen Richtzhüssern:
sAudiatur altera pars.l ^Man sol den andern Teil auch verhören/

XXlV. Von Trägheit.
Von Schimpfs das 260.
Ser Münch schwitzet zü Metttzeit.
s was ein Brüder in einem Kloster, der gieng gar ungern
zü de? Mettin. Wan wen es umb die Mettinzeit was, so kam im ein
Schweiß, den wolt er nit brechen und bleib also in dem Schweiß ligen,
er meint, er wer dester gesünder. Uff einmal was ein groß Kest, das er aber
nit in der Mettin was. Sa nam der Apt ein Liecht und wolt sehen, ob der
Brüder kranck wer. Sa er zü des Brüders Bet kam, da sähe er, daß er schwitzt,
und hort etwas under dem Bet ruschen. Sa lügt er, da sähe er zwen Tüffel in
Affengestalt under dem Bet. Ser Apt fragt sie, was sie da theten. Sie sprachen:
^wir machen hie Rolen an, das der Münch schwitz und die Mettin verschlaff/
Also wüst der Münch uff und wolt kein Mettin me verschlaffen umb des Schwit-
zens willen und fand, das er darnach gesünder was in dem Uffston dan vor,
so er in dem Schweiß bleib ligen.
Und ist auch also. Sie Ordenßlüt und andere, die zü Nacht uffston zü Mitter-
nacht und die meflklich leben, die sein gesünder und leben lenger, dan die sich
überfüllen und die gantz Nacht uff dem Kedersack ligen und in dem Tag zwo
oder drei Urttn thün, und wan es zü Nacht 10 schlecht, so müß man inen erst
ein Specksupen kochen, und schlaffen an dem Morgen, biß man zü Vmbiß wil
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