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Pauli, Johannes; Bolte, Johannes [Editor]
Schimpf und Ernst (1. Theil): Die älteste Ausgabe von 1522 — Berlin: Herbert Stubenrauch Verlagsbuchhandlung, 1924

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https://doi.org/10.11588/diglit.57346#0287
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Schimpf und Ernst e. 414—416

247

L.II. Von den Kleidern.
Von Schimpft das 415»
Einer sch lüg den Herren.
rancifeus petrarcha schrybt von einem Edelman, der her ein
I Schlößlin in ebnem §eld neben der Straß, der was ein groser Almüßner und
I beherbergt die Btlgerin, die da fürgiengen, und dient inen selber zü Tisch.
I Uff einmal het er gesagt und het ein arms grau Röcklin an, als man dan
hat, so man sagt, und kam von dem Gesägs in die Stuben, da die Pilgerin
yn saffen. Sa was einer, der zanckt mit einem andern. Ser Juncker in dem
Zagröcklin strafft in darumb, er soll Krid haben in einem fremden Huß. Ser
Deller zuckt die Kust und schlüg in in sein Angesicht und meint, er wer etwan
ein Karrenknecht in dem eilenden Röcklin. Und da man essen soll, da kam der
Edelman und het sich adelich angelegt in einer seidinen Schüben und het ein
guldin Kethen an dem Hals, und trüg zü essen an. Sa sähe der Beller erst,
wen er geschlagen het, und stünd von dem Tisch uff und knüwst für in nider
und bat in, er solt im verzeihen der Unzucht, die er im erzögt het, das er in
geschlagen het. Ser Edelman sprach: ^Brüder, dir wil ich gern verzeihen,
aber dem, der es gemacht hat, dem wil ich nit verzeihen', und zögt uff sein
Zägerröcklin, das hieng an der wand. Er meint, het er die köstlichen Kleider
angehebt, er het in nit geschlagen.
Sarumb sol man nieman verachten umb der Kleidung willen. wer weiß,
was darunder steckt!

Von Schimpft das 416.
Einer küsset seine Lleider, sie heten im fürgeholffen.
1 If einmal kam ein weiser Man, ein Redner zü einem Burger//
I I meister mit einem armen Man. Ser köstlich Redner het schlechte Kleider
an und klopfst an. Sa lügt des Bürgermeisters Knecht oben zü dem
Kenster uß, wer da wer, und sprach: Es ist einer da, der hat ein schlechten
Rock an.' Ser Bürgermeister sprach zü dem Knecht: ^Sprich, ich hab setz zü
schaffen, ich kün in setz nit hören.' Ser Redner gieng heim und legt sein feier//
tägigen Kleider an und kam herlich Widerumbund klopfst wider an. Ser Knecht
lügt bald zü dem Kenster und liess bald zü dem Herren und sprach: ^Her, es
ist ein Her, der hat ein damastine Schüben an und hat ein rot Barel uff.'
 
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