Pauli, Johannes; Bolte, Johannes [Editor]
Schimpf und Ernst (1. Theil): Die älteste Ausgabe von 1522 — Berlin: Herbert Stubenrauch Verlagsbuchhandlung, 1924

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Schimpf und Ernst c. 15—iS

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Von Schimpff das 17.
Awo Söchtern bezalten eim Gsellen sein Er.
UN het es sich uff ein Zeit begeben, das in dem Kürstenthüm
/ /I zü wirtemöerg in einem Sorff da starb ein reicher Bauer, der verließ
ein hübschen jungen Sun. Sa waren auch vil hübscher Söchter in dem//
selbigen Sorff, die gedachten, wie sie denselöigen reichen, hübschen
jungen Gesellen möchten überkumen zu einem Man. Und sie machten im
Lrentzlin und giengen im nach und entgegen, und eine jegliche meint, er solt
sie nemen zu der Ee, aber er thet nit dergleichen, als ob er es thün wolt. Sa
sie nun sahen, das er nit daran wolt, da kiesen sv alle von der Bit ab und liessen
im nit mer nach, biß on zwo, die wollen nit nachlassen» und forcht jegliche, er
würd die andere nemen, und haßten einander und lügten einander uff die Vstn.
Es begab sich, das eine die ander ußspürt, das sie zü dem Laden hinyn was
gestigen zü dem reichen jungen Gesellen und wo!t die Nacht Sei im schlaffen,
als sie auch thet. Sie ander steig auch zü dem selben Laden hinvn und wolt
auch bei im schlaffen, als sie thet. Ser jung Gesel lag zwischen inen beiden und
macht jeglicher ein Lind, und wurden beid schwanger, und jetliche sprach in
an umö die Ee.
Sie Sach kam an das Gericht in demselben Sorff, die erbern Lüt wissen sie
gen Stückgarten, oder wa es dan was, uff das Landgericht, dieselben Herren
wissen sie gen Costentz an das geistlich Gericht, der Osficial daselbst Vefalch die
Sach den Richtern wider in dem Sorff, das sie es sollen ußsprechen, und bei
dem Sententz solt es Vlvben. Sie erbern Lüt erkanten es also, das die zwo
Söchtern sollen dem jungen Gesellen den Magthüm vezalen, und soll ledig fein
von inen, und sollen sie Hüren blyben nach als vor. Sen Sententz schriben
sie an die obgemelden Ort, und erkanten die Herren geistlich und weltlich, das
es wol ußgesprochen wer, und bleib dabei.
!U. Von der Ler Vatter und Muter.
Das iS. von Schimpff.
—Ein Lew ließ die Klswen im Baum.
s was ein alter Lew, der mocht nit wol me jagen und lag
in einem Loch, und hat ein jungen Sun, der speißt in, als villich was.
Ser alt Lew gab dem jungen Lewen ein Ler und sprach zü im: ^Lieber

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