Pauli, Johannes; Bolte, Johannes [Editor]
Schimpf und Ernst (1. Theil): Die älteste Ausgabe von 1522 — Berlin: Herbert Stubenrauch Verlagsbuchhandlung, 1924

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Aohannes Pauli

XUI. Von den Wirten.
Von Schimpff das 369.
—Einerlei Vein must einer trincksn.
szoheein Thucher einmal gen Rom und kam in demV^elschen
Land in ein XPirtzhauß. Ser V?irt bracht im güten X^ein herfür. Ser
Gast trünck mit Lust. Sarnach bracht der X0irt im ein anderer Lei ^0ein
und sprach: ^Her Gast, versuchen den V0ein auch!' Ser Gast sprach: ^Zch hab
ein böse Natur, ich müß bei einem Trunck bleiben.' Er wüßt wol, das kein
besserer kam. Ser V0irt gedacht: ^So würstu nit vil an dem Mal gewinnen.'
Sa der Gast widerumb von Nom kam, da rechnet er alle Tag uß, wan er wider
zü seinem V0irt kem, zü dem güten V0ein. Sa er zü im kam, da het der V?irt
geordnet ein schlechten sauren rgein. Sa der Gast nun wol gessen hat und
wolt ein güten Trunck thün, da rumpfft er sich darab und rüfft dem rpirt
und gab im zü trincken. Sa der V0Lrt getranck, da sprach der Gast: ^Geben ir
euwern Gesten Esflch zü trincken?' Ser^Nürt flücht und zörnt über das Geflnd
und sprach, wer im den V?ein Hel geben, es wolt es nieman gethon haben. Zü
dem letsten sprach der >pirt: ^Her Gast, mir ist nit als leid, das man euch den
Tranck geben hat, mir ist vil leider, das ich euch kein andern darzüsetzen hab.
r0an ir sprachen zü dem nechsten, ir müsten bei einem Tranck bleiben, wa ir
zweierlei Tranck trüncken, so würden ir stech, das wer euwer Natur.' Also kam
der >X>ir1 der andern llrtin auch widerumb zü.
Von Schimpff das 370.
Ser Lnecht det, was man wolt, aber nit, was man in hieß.
1 Tf einmal vc>as ein V^irt, der Hel ein Knecht, mit dem Hel er
I S angelegt, wan er in hieß des X0eins bringen, so solt er es nit thün, er
geb im dan ein roortzeichen. Uff einmal het er ein Gast, da hiesch
der V?irt den Knecht ^0ein uß einem Kaß bringen, der solt fast güt sein, da
bracht er ein anderer Lei. Ser Gast schmückt wol, das es nit des güten Xpeins
was, und schalt den Knecht übel und flücht im. Ser r?irt sprach: ^er Gast,
sein nit so ungestüm! Thüt der Knecht nit, das ich in heiß, so thüt er doch,
was ich wil.'
Also falsch Lüt sein etlich, fle heissen eins und wöllen ein anders.
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