Pauli, Johannes; Bolte, Johannes [Editor]
Schimpf und Ernst (1. Theil): Die älteste Ausgabe von 1522 — Berlin: Herbert Stubenrauch Verlagsbuchhandlung, 1924

Page: 115
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/pauli_bolte1924bd1/0155
0.5
1 cm
facsimile
Schimpf und Ernst e. 175—176

1L5
gen Aguilo und wil dem Obersten gleich sein/ Aber er ist in die Hel gestosten
worden. Und sein gleich dem Icaro, der seinem Vatter m't folgen wolt, was
er im predigt. Also sein vil, die den predicanten auch m't folgen und iren
Vättern, sie wöllen höher Lumen, dan sie waren, sie lassen sich nit beniegen
mit Irem Erbteil, fle wöllen eins Graffen Güt haben, fle weiben oder mannen
under den Adel, das fle auch edel feien, oder fle wöllen uff der Edellüt Stuben
gon, da fle stubenedel gescheht werden, oder fle machen andere Kleider, nüwe
Kind, oder ziehen lang Bert, und wan ein Bart ein frum mecht, so wer ein
Geiß frum, ee fle geboren wer, fle wöllen se etwas haben, das ire Väter
nit hetten.
In der Geistlicheit ist es auch also, es fei in der Kleidung oder in den Kronen
uff den Heuptern, es müß je ein Underfcheid da fein. Seßgleichen man wil
nüwe Opiniones haben, und wöllen nit der alten Soctores Opinion und
Meinung halten, wir wöllen etwas Sünders haben, das helfen etwan Soc/,
tores non famofl sed fumofl. daher sein die Behemer Lumen und Husflter etc!
XVI. Von der Heiligkeit.
Von Schimpff das 176.
Einer wolt ein Tag dot sein.
was uf einmal ein Heutiger Man, der lag uff ein Nacht
und kunt nit schlafen und warff fleh hin und her in dem Bet. Sein
Krau sprach: ^Hußwirt, wie ist dir, das du so unrüwig bist?'—^Ach/
sprach der Man, ^das mir anligt, das möchtestu mir wol wenden/ Sie Krau
sprach:" Gern/ Ser Man sprach: <Zch hab unser Huß versorgt mit dein,
Brot, Saltz, Kleisch, Schmaltz und mit allem dem, das in ein Huß gehört, bis
uff einen Tag, und wan wir ein Tag ungessen möchten sein, so hetten wir für
das gantz Aar gnüg. Nun hab ich ein Sinn erdacht, wie wir denselben Tag
überkemen. dan unser Gflnd, Knecht und Megt uff das Keld Lumen, so wil
ich mich annemen, ich sei dot, so müstu das Sottendüch und Crütz, Kertzen und
daffer da hon und bei der Leich fltzen klagen, und wan fle dan hsimkummen,
so werden fle vor Kumer und Leid nit essen/ Es was der Krawen lieb, und
man rüsts also zü.
Und da das Geflnd von dem Keld kam, da saß die Krau bei der Leich und
klagt und weint und sprach, ir Meister wer gelingen gestorben. Sas Geflnd
erschrack, und bettet jeglichs fünff Paternoster und fünff Avemaria. Sa das

8'
loading ...