Pauli, Johannes; Bolte, Johannes [Editor]
Schimpf und Ernst (1. Theil): Die älteste Ausgabe von 1522 — Berlin: Herbert Stubenrauch Verlagsbuchhandlung, 1924

Page: 193
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Schimpf und Ernst c. 309—312

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XXXI. Von Meisterschafften.
Von Schimpfs das 310.
Liner kunt ein werck besseren.
s sprach einmal ein Meister, er mecht kein V?erck so güt,
x^nt es noch bester machen oder ein V^erck, das besser wer dan das^
selbig, das er gemacht het. Er sagt auch, das er sein Schüler sein Künst
nit alle lert, er behielt alwegen etwas, ob seine Schüler zü hoffertig würden und
in verachten wollen, das er etwas me wüflt dan sie.
Sis r?ort dient wol zü Lob Got dem Herren, das wir gedencken, das er seine
Lun st und Macht nit alle gezögt hat in seinen Lreaturen und in seinen wercken.
V?ir sollen gedencken, das er noch vil mer vermag, dan wir mögen verston, als
wir glauben, er teglich thü in dem Sacrament des Altars.

Von Schimpfs das 311.
Ser Zechtmetster schlüg seim Schüler den Kopff ab.
s was ein Schirmeister, der Hel in vil Stetten Schul ge//
halten und güte Schüler gemacht, Schirmeister. Aber einer was überuH
güt und erhüb sich mit Lueifer, er wolt seinem Meister nichtz entfor
geben, se das fle einander ußbutten, umb das Leben zü fechten, und soll jeg^
licher bruchen, was er künt, und alle feine Kunst. Sie kamen uff dem Blatz zü^
famen und machten ir Spiegelfechten,wie man dan thüt. Sa fle schier züsamen^
kamen, da hielt der Meister sein Schwert stil und sprach zü seinem Schüler:
^Es ist nit geret worden, das ich mit zweien sol fechten.' Siser lügt hinder flch,
wer im Helffen wolt, und dieweil er hinder flch lügt, da sprang der Meister herzü
und schlüg im denKopffab und sprachlosen Streich Habich dich noch nit gelert.'
Siser Meister hat gethon wie der in dem nechsten gesagten Exempel, das ein
Meister im alwegen sol etwas behalten, das er seine Schüler nit leren sol.

Von Ernst das 312.
Gotz tztlff vc>olt einer nit übergeben.
f einmal hotten zwen Meister auch etwas mit einander zü
schaffen, das einer den andern uflbot zü kempfen, und mit Gottes Hilff
wolt er in beston, das er Recht het. Ser ander sprach: ^Mit Hilff meins

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