Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 27.1929

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von galliger Wesensart und dauernd schlechter Laune. Ein
„schlechter Charakter" war Degas nicht, und das hat Duret
gewußt und natürlich auch nicht so gemeint.)

Das sehr schön gedruckte und nobel ausgestattete Buch
enthält 157 Textabbildungen und sieben farbige Tafeln.
Die Farbenreproduktionen sind ausgezeichnet gelungen, be-
sonders jene May Beifort im Profil, die schon einmal in
der „Illustration" zu einem großen Aufsatz Arsene Alexandres
erschien. Bedauerlich aber, daß die Lithographie der „Elsa
la Viennoise", wahrscheinlich aus Formatsgründen, nur als
Ausschnitt reproduziert werden konnte.

Das Buch ist in 1000 Exemplaren gedruckt und wird,
da man heute, und nicht erst seit heute, weiß, daß Lautrec
einer der ganz großen Künstler des neunzehnten Jahrhunderts
war, wohl sehr bald vergriffen sein. Und so möchten die
Wünsche, die der Referent zum Schluß äußert, nicht rein

platonisch sein: Noch mehr Abbildungen nach Gemälden!
Es fehlen unter den Reproduktionen auch einige wichtige
Bilder. Zum Beispiel die im Berliner Privatbesitz befindliche
sehr bedeutende „Messalina". Auch aus der letzten Periode
nach der „Wahnsinnszeit" hätte man gerne den Admiral,
das Wandgemälde, und aus der Wahnsinnszeit wenigstens
eine der Zirkus-Zeichnungen. Nicht jeder hat immer den
Joyant zur Hand. Und aus demselben Grunde wäre es
wünschbar, wenigstens zu den abgebildeten und den ein-
gehend besprochenen Gemälden eine Bemerkung über Be-
sitzer und Standort zu lesen. Damit man weiß, wohin man
sich zu wenden hat.

Diese Wünsche aber ändern nichts an dem Dank, den
man dem Verfasser und dem Verleger für dieses sehr schöne
Buch schuldet.

Emil Waldmann.

Anmerkung der Redaktion: Zugleich mit dem Buch Jedlickas
Uber Lautrec hat der Verlag Bruno Cassirer eine schöne Ausstellung von
Lithographien und Zeichnungen des Künstlers veranstaltet. Das Interesse,
das diese Ausstellung gefunden hat, ja die Überraschung, womit Lautrec
von vielen neu entdeckt worden ist, zeigt, daß der Gedanke gut war.

Die meisten Blätter verdankt der Verlag der nahezu vollständigen Samm-
lung der Bremer Kunsthalle, die auch mit dieser Sammeltätigkeit ihren
hohen Rang unter den deutschen Galerien dokumentiert. Der Erfolg der
Ausstellung im Verlag Bruno Cassirer aber kann als ein Erfolg des
Künstlerischen inmitten einer Flut von Tendenzkunst gewertet werden.

JOACHIM RINGELNATZ, LANDSCHAFT

AUSGESTELLT IN DER GALERIE WIETSCHEK, DEREIN

JOACHIM RINGELNATZ
AUSSTELLUNG IN DER GALERIE WILTSCHEK

T~\as Malen ist diesem Dichter von Simplizissiaden zuerst
-"■-^ wahrscheinlich ein übermütiger Ulk mehr gewesen. Er
ist darauf verfallen in einem Kreise ehemaliger Cafe du-
Döme-Künstler, Kunsthändler, Kunstliteraten und avancierter
Damen, in einer von echtem, wenn auch forciert flottem
Kunstinteresse, von Zigarettenrauch, Likördunsr, Parfüm und
Blague erfüllten Atmosphäre. Der Dilettantenspaß, womit
der Bourgeois noch etwas mehr geneckt werden sollte, ist

dann aber unversehens zu einem ernsten Interesse geworden.
Mit dem Talent ist es eine eigene Sache. Wer es hat, verrät
es eigentlich in allem. Der empfindsame Dichter lernte über
Nacht empfindsam malen, angefeuert und belehrt von seinen
Malerfreunden. Heute kann er selbst diese Malerfreunde, in
einem Punkt wenigstens, belehren. In vielem ist er ganz ab-
hängig. Seine Bilder erinnern an Kinderkunst, anHenri Rousseau,
an Utrillo, an alte Meister und an manches andere; doch ist in

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