Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Iahrgang.

Rciträge

smd an pmf. Dr.L.vo,,
kützow stvic», Thcrc-
smnunigafsc 2S) oder a„

vcrlagshandlung in

keipzig zu richten.

!8. Oktober

Nr. i.

Inserate

ü 25 4?f. für die drci
Mal gespaltene j?etit-

s877.

Beiblatt zur Zeitschrist für bildende Kunst.

Erscheint jede IVoche ani Donnerstag, für die Abonnenten der „Zeitschrift für bildcnde Aunst" gratis,- für stch allcin bczogen kostet der
Iahrgang 9 Mark sowolst im Buchhandel als auch bei den deutschen und österreichischen j)ostanstalten.

)nhai

^ ^kademische Runstausstellung in Berlin. I. — Tidemand-Ausstellung in Lhristiania. — Hagen, der Zeichen-Unterricht;
uunst und Aünstler. — Reinbardt -f. — ssersonalnachrichten. — Rassel; Die Grundsteinlegung des Nationaldenkmals auf di
" ... -- - - — . ... -- - -- Zeitschriften

^ata/oge. — Lingesandü — Ins^^^ ^ ' g ' " de.

Die Auküon Didot.

Dohme,

Auktions-

akademische Armstausstellung ;u Bcrlin.

I.

llcach den außergewöhnlichen Leistungcn, wclche die
-lten JalM in, Porträtfach gebotcn, darf es nicht
, uehmen, wenn heucr ein Stillstand oder viel-
n ^ Rückgang cingctreten ist. Die ausgezeich-
den ^Arätisten haben ihrc Kunst an unscren Hel-
und Staatsmänncrn zur Genüge vcrsucht, und cs
^ darurn schwer, nach den Erfolgen, die z. B. von
chli mit scinen Bildnisscn des kronprinzlichen Paares
^'^t, noch etwas zu bieten, was das Frühere in den
dess^^" I^llt. Prinz Friedrich Karl von Prcußen,
der als neueste Schöpfuug von Angeli's auf

^rsn ^^^Enng zu sehen ist, kann sich, was glänzcnde
Er anbetrifft, mit dem Kronprinzen nicht messen.

sein schlichter Soldat und will auch nicht mehr
slliier gewohnt, den kühnen Reiterführer in

nicln ?°^len Husarenuniform zu Pferde zu sehen und
lliisj leierlicher Ncpräsentationsstellung mit allen

von l^ner Feldmarschallswürde geschmückt, wic ihn

l>er dargestellt hat. Den fremdartigen Eindruck,
ivird ungewöhnlichc Kostüm hervorgerufen

^gkeit^^E noch eine wahrhaft unhcimliche Leben-
^'eick' Naturwahrheit und Lebendigkeit zu

^schrcck' "^nschenmöglich, ist hier erreicht. Aber wir
Dvch diesem täuschenden Abbilde des Lebens.

des P.^ nnheimliche Eindruck auf dem Porträt
^rnats"^" ^^aft und die des -2>n-

eineg ^ etwas gemildert, während der Kopf

f'iiiei, H^'en in seiner fahlen Blässe und mit

b >stc,nen Angen nns geradezu wie cinc Todten-

maskc anstiert. Ein drittes Porträt v. Angeli's, das
eincr Dame in mittlereu Jahrcn, crinncrt noch am
chesten an von Angeli's Meistcrwcrk von 1872, das in
Berlin seinen Namcn mit einem Schlagc berühmt
machte.

Wir wcnden uns gern von diescm Nivalcn dcr
Natur zu dem frcundlicheu Jdcalismus Gustav Nich-
ter's, dcr sich heuer auch cinmal mit cinem Kaiser-
porträt versucht hat. Ucber allen Bildnissen dcs
Kaisers, dic in dem letzten Jahrzchnt gcmalt wordcn
sind, waltete ein eigcnthümlicher Unstcrn. Es gclang
kamn cinem Maler, mehr als eine charaktcristische Eigen-
schaft dcs Mouarchen zum gctrcucn Ausdrnck zu bringen.
Man erinnert sich noch, wie Lenbach nnd v. Aiigcli an
dieser Aufgabe gescheitert sind. Obwohl ich weit ent-
fernt bin, Richter's Arbcit als eine in ähnlichcr Weise
verfehlte zu bezeichnen — das lasscn schon die cmincn-
ten malerischen Qualitätcn des Bildcs nicht zn, — so
kann ich auf der andern Seite auch ihr dcn Anspruch
nicht vindiciren, cin volles und getrcues Abbild von der
Persönlichkeit des Kaisers gegebcn zu habcn. Es mag
sein, daß die Fremdartigkcit der äußeren Erschcinung,
die anf Nechnung dcr Auftraggeber zu setzcn ist, dem
Maler große Schwicrigkcitcn in den Weg gelegt hat.
Wir sind nicht gewohnt, dcn Kaiser in glänzender
Kürassteruniform mit hohen Rciterstiefeln zu schcn. J„
schlichtem Waffenrock, mit dcm ciscrncn Kreuzc gcschmückt,
den Jnfanteriedegen an der Seite, — so hat sick, der
Mann, dem jeder Prunk verhaßt nnd dcsscn e.-Z.. Zicr
eine licbenswürdige, natürliche Beschcidenheit ist, dem
Gedächtniß des Bolkes für alle Zeiten cingcprägt. 8uch-
tcr malt ihn crnst und würdcvoll, mit den Abzeichcn
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