Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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KunslvMUu:.

Schon in der Wcrkstätk- Brustolone's hattc eincr scincr
Aorväter als Schnitzer gcarbcitct. In diirftigcn Faiiiilicn-
verhältnissen aufgewachscn, war „Valentiiiv" vou scinem
Vatcr bcstiiuntt worden, das Maurerhaudwerk zu crlernen.
Als Maurcrgcscll kam cr in seincin 20stcu Jahrc nach
V-nedig.

Hier ergriff den Züngling die Lust und dcr Drang
M Künstllrschaft init solcher Macht, das; cr sich von dcn
Eltcrn die Bewilligung crzwang, dic Akadcmie zu bc-
luchen. Uin aber sciuc nothwendigsteu Lebcnsbedürfuisse
befriedigen zu köunen, galt es außer dcn für dic aka-
bcniischcn Studicn aiibcrauiuten Tagcsstundcn uach wic
vor bci deni früher bctriebcnen Maurcrhandwerk zu ver-
harrcii, so daß aus der Hand, die damals schon dic
zicrlichsten Dinge an Putten, Blattgcwinden und Ara-
besken hervorbrachte, oft das Blut aus wundgcritztcu
Fingern auf den groben Sackleinenkittel des jungen Ar-
beiters niederrann. Jahre um Jahre vcrgingcn, ohnc
baß liian im Publikum angcfangen hätte, von unserem
lüiistler Notiz zu nehinen.

So war unter fortwährcndem Ningcn mit Armuth
nnd Noth, doch immcr frischcn Muthcs bei dcr Arbeit
verharrend, der Jüngling zum Manne gcrcift. Aus
eineiii schlichten Dörfchen sciner cinsamcn Bcrglande
hatte er sich ein Weib geholt, das sein Leben der Bc-
schränkung zn theilcn sich nicht schcute. Jetzt hieß es,
bie Frau und die mit den Jahren hcranwachsende Kinder-
lchaar crnähren.

An einem der finstcren Nebenkanäle, dcrcn wirres
Aetz die bedeutenderen Verkehrsadcrn dcs venetianischcn
slebens verbindet, in einer dürftigen Barackc, wo Besarel
ß'lbst sich Thüren nnd Fcnstcr hineinzimmcrn, sich selbst
b°n Heerd hineinmauern mußte, in diesen cngcn, clcndeu
üäunien war es, wo scin Gcnius in unermüdlicher Trcue

zu deni

eniiual crgrisfenen Bcruf inmitten der empfind-

'chstcn Misören der äußern Existcnz, scine Schwingcn
Naltete.

lan bsahre 1867 auf der Pariscr Ausstellnng ge-
uii^s'^ ^^nrel zuerst, in weiteren Krcisen von Küiistlern
leis' ^"^lreunden bckannt zu werden. Nicht ohne cine
de/> ,^lerkeit sagtc er zu mir — (ich wicderhole hier
Pe, ^^"s^ers eigene Worte): „Ich habe in Paris, in
ltehll^ ^viidon nnd New-Aork cher einen Naincn
Ma - ^talien. Als dic damaligc Kronprinzessin

^^3)erita mich niit ihrcm Besuch beehrte, geschah es in
Füiü daß sie meine Arbeiten bci ausländischcn

>l«i kennen gelernt hatte".

^iirst' ""b Weise, wie Besarel diescn Besuch der
sür d'" sHnein Atelicr verewigt, und wie er sich ihr

charal^ erwiescne Ehrc dankbar bezeigt hat, ist so
in ^ "'ßi>ch für das treuhcrzige Wesen des Meisters,
patriarchalischer Gcstalt sich einiual wirkliches
zu Tagc nur zu sclten gewordcncs — Künstler-

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thum von Gvttes Guadcn k'ennzeichnct, daß mir zum Schluß
noch dercn Mittheiluug vergömtt seiu mag.

Wcnige Monate nach dcm in Bcnedig empfangencn
Besuch dcr Priuzessiu erwicdcrtc Bcsarel dcnselben in
Nom uud überreichtc ihr cincn seiner rcizenden Amvrctten,
wie er cbeu im Bcgriff ist, kniceud einc jencr Blumen
zu pflücken, dic mau im Jtalicnischcn „Margherita"
(zu Deutsch Maasliebchen) ucnitt. Ju goldcncn Lcltern
ist auf dcm Außcnrand dcr kreisförmigen Basis dcs zicr-
lichen klcineu Bildwcrks dic der Florciitiucr Akadcmie ent-
lehute Dcvise augcbracht: „ll xiu bol tioi-no oolsi" (bcreii
ich dic schönstc Blume pflückte). — Mit Stolz darf jedcr
Jtalicncr auf eine Erschcinung, wic die hicr gcschildcrte,
blicken, — bcsondcrs abcr gcgcnübcr dcnjcnigcn, dic da
behaupten, dic Jtalicuer scien cin cntncrvtcs Volk, ihrc
Lcbenskraft sci aufgcbraucht, sie seieu in dcr Geschichte
dcr Völker eincm cinst iitächtig flammcndcn, jctzt langsam
vcrlöschcnden Lichtc glcich. Eiiicm Lande gegcuübcr, das
so vicle bcdeuteudc Charak'tcre uud Talentc aufzuwciscn
hat, wic dieses anch heute noch mit Italien der Fall ist,
das seit dcr nuu glücklich crrungciicu Einigung uud
Ncilgcstaltung auf allcn Gebietcu dcr Kuust, der Wisscn-
schaft, dcr öffeiitlichcn Jnstitutivueu, iu seiner privaten
Thätigkcit mit aller Macht beflisseu ist, deu Vorsprung,
den ihm dic übrigcn, durch glücktichere politischc und
Kulturverhältnisse bcgünstigten Nationeu Europa's ab-
gewonnen haben, wicdcr verschwiudcu zu machen —
diescm Lande gegeuübcr darf ein ähnlicher Vorwurf als
gcradezu uugerccht bezcichnet werdcn.

E. v. Hocrschclmam,.

Auiistverciiie.

Lcipzigcr Kunstvercili. Dem Geschäftsbericht, welcher iu
der 20. Generalversanimluilg des Vcreins am 15. März vom
Vorstande erstattet wurde, entnehmen wir Folgcndcs. Nach-
dem über die seit langom schwcbende Frage dcr Stellnng
dcs Bereins gegemiber'dor Verwaltnng dcs stüdtischen Mu-
seums ein Einvernehmcn zwischcn Stadtrath nnd Vorsland
erzielt worden, ist dcr bisker provisorisch mit dem Dircktorat
des Museilins betrantc vr. Herm. Lücke dcfinitiv als
Direktor angestellt nnd gleichzeitig verpflichtet, die Geschäftc
nlS Custode des VercinS in Lishcrigcr Wcisc fartzuführcn.
Untcr den Bereicherungen, die das Museum dor Munisicenz
von Kllnstfrcundcn zu danken hatte, ist in erster Linic dcs
Cpklus oon Wandgemäldcn zu gcdenken, welche auf Kostcn
dcs Stadtraths und Vcrlagsbuchhändlcrs Lllphons Dürr
von dcm Laudschaftsmaler Heinrich Gärtncr im Skulptu-
rensaale ausgcführt wurden. Jn diescn glücklich crfundenen,
im Kolorit fcin gcstimmtcn Darstcllungen schildert dcr
Künstlcr init Beziehung auf die specielle Bestimmung des
gennnnten Naumcs, die Hauptstütten der gcschichtlichen Ent-
ivickclung der Plastik, der antikcn svwohl wie derjcnigen der
Nenaissnnce-Epoche und dcr modernen Zew. Jn unmittel-
barein Zusainmcnhaiig mit diesem bildlichen Wandschmuck
stohen dio rein ornainentalen Malereien, mit deren AuS-
fi'lhrung Gärtner in der an den Saal angrenzenden Loggia,
gleichfälls im Auftrag des Stadtraths Dürr, gegenwärtig
bcschäftigt ist. Der AdamSstntue von Adolf Hildebrandt,
die von dem genanntcn Klinstler im Auftrage des Rathes
geschaffcn und aus Mittcln der Rohde'schcn Stiftung be-
stritten wnrde, ist in diesen Blättern bereits Erwähnung
gcschelien. Aus Vereinsmitteln wurde erworben ein Gemäldo
von Oswald Achenbach, „Nocca d'Arci", zu dem Preise
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