Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Aorrespondenz.

Dresden, Anfang Novbr.

o. Drcsdeu hat in den letzten Decennicn wie
wenige Städte an Umfang gewonncn, nene Straßen und
Stadtthcile sind emstanden. Leidcr fehlte es an einem
festen Plan, der in möglichst großem nnd schönem Stilc
die Bewegung geleitet hätte. Aus dcr klemen, aber durch
seine Banmgrnppen, Gärten und Promcnaden anmuthigen,
vurch originelle Baudenkmäler, Erker- unv Gicbelzierden
malcrisch belcbtcn Stadt ist ein mvnotvnes, schmuckloses
HLuser- uud Straßeiicouglomerat gcworden, vas sich in
dlichts von dem Durchschnitlscharakter nuscrcr inovernen
Großstädkc uulcrscheidet. Mau wird sich besscn hier all-
mählich bewußt. Ein freicrer, künstlerischer Zug durch-
bricht jetzt zuweilen dcu Kasernenstil des Spcculations-
baues, und die Thätigkcit des Architekten, die man bisher
cntbehren zn kömicn glaubtc, macht sich schüchtern fühl-
bar. Eine Wcndnng zuni Besseren bezeichnct insbesondere
auch dic Koutürrenz, welche neusrdings die Vätcr der
Stadt in Gemeinschafk mit dem k. Finanzministerium
zur Beschaffung ciueö Planes für die künftigc bauliche
Ausnutzung der frühercn militär-fiskalischen Grundstücke
zu Drcsden ansgeschrieben habeu. Die Konknrrcnz zeigt,
indem man dic Augelegenhcit dadurch zur öffentlichen
Diseussion stelltc, daß nian der Kunst wieder dic ihr

gebührendc Stiiume bci Erledigung dcrartiger Fragcn
einzuräumen gedcnkt.

Die gestellte Anfgabe zog zahlrciche einheimische und
auswärtigeArchitektcn an, und uicht weuiger als 76Projckte
gingcn cin, welche gegenwärlig im Canalcttosaale der
Brühl'schen Tcrrasse öffentlich ausgestcllt sind. Das
Publikum niuinit einen schr regen Anthcil an dicser
Ausstcllung. Ucbcrall wird die Frage ventilirt, wie viele
Brücken noch über die Elbe zu schlagcn sind oder ob
nicht lieber gleich i»er ganze Strom zwischen Neu- und
Altstadt zu übertunncln sci. Die Kunstjugcnd schwclgt
in dem ncucn Wolkentückückshcim, welches sich ii, den
PlLncn aufbaut, uud Baugcwcrke und Spetülaulcn reibcn
sich über rie glänzenden Aspcktcn vergnügt die Hände,
während die Bevächtigeren an die Steuern erinncrn, in
welchcn es Drcsven zur Zeit so herrlich weit gcbracht hat,
uud die Alten übcr die Brühl'sche Tcrrasse jamineru,
deren Stern in der projektirtcn Massenüberbrückung dcr
Elbe crbleichen dürfte. Doch genng! Fehll es auch
nicht an Phantasien, die vhne Lvcalkenntuiß toll über .
allc gegcbencn Bedingungen hinwcgsetzen, so kanii nian
doch im Allgemeinen niit dcn sticsultateu dcr Konkiirrenz
zufrieden sein. Viele Projekte sind mit Eiusicht nnd
Bcrständniß ausgearbeitet und entwickeln inncrhalb des
Prvgramms glückliche nnd brauchbare Gedanken. Der
Planbearbeitung war ein zicmlich umfangreiches Terrain
zur Dispositivn gestellt. Nicht nur die großen, in dcr

cu>tavt und Altstadt dnrch die Verlcgnng dcr Kasernen
sreigewordcnen Grundflächen galt es zn bebaucn, auch

ans cie Herstcllung einer zweckentsprechenden Verbindung
cr estchcndcn Plätzc und größeren Verkehrsadcrn,
"Mcrcinander, als wie mit den neu auzulegen-
> M^^'sadern und Plätzen war das Augeniuerk z»
l ^ ^ sich in den Pläncn in der Hauptsache

uii as Neustädter Bauterrain aufschlicßender Straßen-
ten «m i ^ltbertplatze nach ciuer zn crbaueiiden vicr-
/ '>>>>Ee ani sogenannten Gondelhafen, welche dic
Ebmdung niit dem Altstädter Bauterrain, den, Zcug-
Umgcgend, verinittelk. Dürfte auch keiiier
ii/'ü Ausführung angenomiuen werden,

>>t do ) in den bessercn ein Material gcwoniien,' daS
"t-s d,e fcrncre bauliche Entwickclung und Gestaltung

Aunstliteratur.

ikr. lVibirnl, loonoArupliiö ck'L.ntoins a'>
D)»ole. ImiprÜA', ^lsx. DumL. 1877. 8-'

Es gibt zwar kein Zeitalter, auch das der >>>'ll^
Erniedrigung der Kunst nicht, iu dem der Geriius dei^
sclbcn nicht thätig gewesen wäre nnd keine Jüngcr >
scincn Altar vcrsammelt hätte. Aber Stcrne crstcr GU'l»'-
die weitc Bahnen crhellen und ihr Licht unzähligcn
uen uiedcrcr Gattung leihen, erscheinen auch ain, K»>>^
himmel nur sparsam; sie sind noch ininicr zu
Zu ihncn muß gewiß vau Dyck gerechuet wcrdcu, f
genialstc Schüler bes stiubens, den er aus dcm Ge^"^
des Bildnisses sogar übertroffen hat. Auf diesem Fc ^
hat cr wohl ciuzelue cbenbürtige Mcister neben sich, " ^
noch kcinen über sich, Es ist darum unerklärlick), ''
cr bisher keinen Biographen gefunden hat, der »> .
allein die theilweise verworrenen biographischen Aug» '
aus authentischcn Quellen richlig gestellt, svudcrn »>>^
seiue Kunstthätigkeit, sowcit sie in Sanimlungcu " ^
vffentlichcn Galerien als Originalarbcit oder ->-
Pvrlcfeuiltcs der Sammlcr in Nachbilduugcn dcr
vorlieat. krii>s-<>

,. ^ummicr in'Nachbilduiigcn dcr

vorliegt, tritisch untcisucht und verzcichnct hätte- ^
der Werthschätzung, die man allgcmein dcm Kuiu
entgegeubringt, würbe cin solchcs llntcrnehuien g>'
mit Freude aufgenommeii wcrdcn. dlnr dic sogeua»
Jkouographie des Mcisters hat hiervou eiue A»s»»>>>^
gcmacht; wir bcsitzeu auf diesem spceicllen Gebicte k»>>^
niehrcre Blvuographieu, zu wclchcn nun unter
geführtem Titel einc neue hinzugekonimcn ist. Bcla»»
cuthält die It'onographie cinc Saninilnng von Buv»
der Zeitgenossen vau Dyck's, von Künstlern, Gele)> >
und Kriegern. Van Dyck' lieferte die Zcichnunge»
größtentheils nach dem Leben (als Ausnahme >">>G>>
Portraits derjenigen Personen geltcn, die der
nicht vor sich habcn konnte, wie Wallenstein, Till>) »
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