Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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7 V,

Bilderwerke. — Saminliuiücn und AuM'llumicn.


^ntscheidi'ir Gri'ßdutrr u»d Eukcl Praritrli'S lvrrdru
s'ch um dir Ehre der Urlu't'erschaft zu strriteu hat'ru.
Wien. Otto Bcnndorf.

Vildrrwrrke.

„ Waffcnsaminliiiig Sr. k. Hoh. dcS Piiuzeu Karl

i>"""I>c». Tcxt vou G. Hiltl, Tafcln iu Lichtdruü vvu
ss-O^isch. l. Thcil, Nttruborg, Soldau. Fol. Jiu Brrlago
ain, rührigou Nttrnbcrger Buchhändlers Soldan be,

ii, ^ Herausgabe eines Werkes, das nicht nlleiu

Oachkreisen, sondcru überall da, ivv ninn für inittelalter,
ai,sn Sinn uud Verstnndnis; hat, init grosteni Juteresse
MD^oniiiien werdcn dttrfte. Die Waffcnsniiiiuluug dcs
m,.s!^n Karl von Preußen hat nicht alleiu durch ihreu
v'rön , snnderu noch mehr durch die Vorzttglichkeit der
d,,i sP^"re europäischen Ruf, und es wnr ein glttcklichcr Ge-
^aru'» ^ n'enig zugäugliche Sniumlung durch treue
m l l^nung, ivie sie der Lichtdruck crmöglicht, deni größereu
j sl PNn vorzusühren. Mit Rccht neunt der Verfasser dcs
>, der Direktvr der Saiumlung, dieselbe ,,schön uud

ru lns^nd " Nicht allein, dast wir hier eiue ttbcrsichtliche
Ichichte des ritterlichen Kostttms und der Waffen geivinneu,
M ll'^n uns auch dcr Aufschwuilg des Kuusthnudiverks dcr
ds,l.P'P.chniiede uud Plattner bis zum cndlicheu, zumcist
na>, - ^nfinduug des Pulvers herbeigefilhrten Nicder-
l, P desstidcn in Wort und Bild auschaulich gemncht. Abcr
is, ^.Piein historisch und kunstgeiverblich, auch kttusilcrisch

i, .,, d Sammlung bedeutend; denu dic Waffenschniiede
a,ui,"-d? l>ie Kuiistformen ihrer Zeit an, zuerst sich au dic
lu,,,d! , Architektur anlehnend, bis zu Eude dcs 15. Jahr-
die ^"nn mit der vollen Krast produktiver Klinftler

/kormen der Neuaissaiice erfassend. Habcu dvch dic
P,l''nEn Künstler, ein Dttror, Altorser, die beiden Behnm,
H ?0Never, V. Solis u. A. sür Plattucr und Schmiedc
.,, ,,"8on zu Waffenstttcken und zur Oruniuentiruug derselbeu
k »»d gestocheu. Wenu innn dic 21 Blättcr diescr

n'„s otheilung, deren jedes meist mehrere Objekte briugt,
si P'P'ksain durchgeht, so wird man auf Schritt und Tritt
aii chon wic ornanieutaleu Dnrstelluugen bcgcgncn, die uns

j, Kunst der sogenannteii Kleiniueister eriunern. Es sei

der s' Werk nlleu geivcrblichou Muscen ivie Freundeu
ai? und des Kunsthaiidiverks um so mchr einpfohleu,

deii "Esl j„ dje Hand eines der crsten Keniier gclegt ist,
-,..»"> Arbeit die äusterst gelungencn Reprodultiouen iu Licht-
d„-"H,^ürdig zur Seite stcheu. Wir bcivundcru dcu Muth

? Porlegers, dcr in einer kritischeu Zeit, wie sic die gegen-
.Pe ist, vor der Herausqabe ciues svlchcu Werkcs »icht

»uruckschveckte. V.

äammluiigcn und 2kusstcllungcu.

j ll. Akadcinische Kniistaiisstclluiig in Bcrli». Am
„si „Pteniber ist die 52. Ausstellung der königlichcn Atäde-
rr Künste, die ziveite seit Eiuftthruug dcr Jnhresnus-

j, i- ,u>gcu, i„ dcm provisorischen Gcbäude auf der Muscums-
we»; desseu Umivaudluiig iu ein Dcfinitivum jctzt
zeiat^' ib verlautet, eröffnet worden. Der Katalog
»vrin gewöhnlich clfhundert und eiuige Nstimiuern, di'e
tlieiv ^'uästige Quantität ist also vvrhanden, und die Ver-

k. ll... Psr dcr Jahresausstcllungeu, die sich vou der Leistuugs-
»nd der Uuerschöpflichkcit der doiitschcu Kimst

""" ... ...,.

scliri. oersprncheu, haben aus Leibeskräfteu Viktvria ge-
»ie„> m nur tcndenziöse Hartuäckigkeit oder vvllkom-
Niv .üdsichtigkcit läuu das uiivcrhältuistmästig nicdrige
ig»orireu oder ttbersohen, auf dem sich'in diescni
Naä ° . » Mehrzahl der ausgestellten Kuustiverke bewcgt.
laii "'b zuvor ist vou der Jurp sv viel Mittelgut zugc-
lüll 'k^rden. Das Bcftrcben, die Säle ü tout xrix zu
niigi"' ^ unverkenubar. Freilich ist auf der nnderen Scitc
»jNs »u überseheii, dast noch keine Kuiistausstelluug, selbst
,-,.L d'eienige vou I87V, untor gleich uugttnstigen Äuspizieu
»usst.n 'dd^deu ist. Jn erster Linie hnt die Pnriser Welt-
„„^rellung einen crheblichen Eiuflust getibt. Sie hnt uus
-Neisterwcrkc vou Knaus, die sonst in Berlin paradirt

hnttcn, den vo» uns schvu an nnderer Stclle bcsprochenen
Trödlcr u»d seinen Svhu und dns zugchörigc Pcndaut,
ciitführt: jetzt ist eincr dcr originellstcn Meisler deutschcr
Kunst auf der akademischcn Ausstellliug gnr nicht vertretcu.
Sie hat scrner die Krüste nichrcrer ausläudischcr, besvnders
vsterrcichischcr, bclgischer und italienischer Künstler, derartig
absorbirt, dast sie fttr uns eutwedcr gar nichtS oder doch
uur linbedeutende Kleinigkcitcu ttbrig hatten. Es iiiögeu
auch die tragischen Ereignisse dcs zur Ncigc gehenden Jahres
auf diesen odcr jencii zerstrcueiid, dic uiigttustigcu EriverbS-
vcrhältuisse im Allgemeiiien lähmend gcwirkt habcu — geuug
die nlademischc Ausstelluug dcs Inhres 1878 entrollt uns
cin Bild von der deutschcu Kiinst, das iiur uutcr dem Ge-
sichtspunktc des in PnriS erfvchtenen SicgcS crträglich wird.
Ein gnnzes Gebict — die Histvrienmalcrci ist so gut wie
gar uicht vertrcten. 2lngesichts dieser 'klllsstellung iverden
die Franzosen mit ihrer Änsicht vo» dcm Vcrsall der x-ruiielc'.
peiiiturs in Deutschland Recht behalteu. Es wärc nber Un-
recht, wcuii wir unS dieser Ansicht anschliesten wolltcu. Ich
sche dcn Hauptgruud fttr den uiigttustigcu Ausfall dicser
Auüstellung uach wie vvr in dcr raschen 'klufciuandcrfolge
der Ausstcllungcu. Die Prvdiiktion iu der deutschen Kuiist
ist fttr dic alljährliche Wicderkchr solcher Ausstelliingeu zu
schwach. Fraukreich besitzt lnut ofsizicllen 'Autzweises üllvii
Maler und Bildhnuer, von denen miiidcsteus 2«llil> den
jährlichcn „Salou" beschicken. Fttr Dcutschlnnd cxistirt zwar
uoch kcin offizieller NachweiS, ich glnubc abcr uicht, dast die
Zahl der iu Deutschlnnd lebendeu Kttnstlcr mehr als 2<i«il>
beträgt, und vvn diescn 2«>«Il> pflegcn sich uie mehr alS
5—llli» an den akademischcu AuSstelluiigeii in Berlin zu be-
theiligeu, weil Bcrlin bci weitem uoch nicht in deni Gradc
fiir dns Ceutrum von Deutschlaud gilt, wie PariS fiir das
vou Frankreich. Jn diescin Jnhrc bcträgt dic Gesammtznhl
der Aussteller cn. öl>«>. Davon kominen 1»5 auf Berliu,
1l>-1 auf Diisscldorf, 51 auf Miincheii, 2<> auf Wcimar, 7
auf Rom, l> auf Loudou, <> auf Wien. Die iibrigcn ver-
thcilcn sich auf die Städte Stuttgart, Amsterdnm, Franl
surt a. M., BreSlau, Hamburg u. n. m. Auster dem be-
reits gennniiteu KuauS sind von den Koryphäcn deutscher
Kunst, die sonst nie zick fehleu pflcgtcn, gar uicht vcrtrcten:
W. Gentz, A. v. Werner, Gussow, Knille, »ud auch vou
den jiiiigeren Aiodcmnlcru, die doch für unscre AuSstellungcu
immcr charnkteristisch ivnren, fehlen mchrere, so F. A. Knul-
bach u»d Grtttzncr. Desrcggcr hnt nur zwei Studienköpfe
gcschickt, von deuen der iveibliche allerdings von hcrvor-
rngcnder Schönhcit ist. Auch H. v. Augeli, der stäudigc
Gast auf uusere» KiliistauSstellllugen, hat sich von dcr dictz-
jährigcn sern gehalteu. Der eiuzige Fremdling von Rc-
uommäe, den wir nuch in dicscm Iahre bcgriistcn diirfcn,
ist Almn Tndcma; abcr das vou ihm gcsandtc Bild ,,Die
Morgengabe der Galeswiiitha" ist uoch weuiger gccignct
seinen Nuhineskrnnz um ciu frischcs Blntt zu bereicheru nls
daS Bildhaucrmodcll vvm vorigcn Jahre Als charakteristi-
sches Zeichen fttr die diesjührige Ausstelluiig ist das Ueber-
wiegeu der Laudschast nnzusehen, dic in ciner Gesammt-
summe von 836 Gemäldeu nllcin mit 33» Nummern vertrctcn
ist. Dic bcideu Achcnbnch habeu sich dieSmal nicht sehr be-
incrkbar gemacht. Andere habeu dic Fiihrung auf dicsem
Gebictc iibernommeii: A. Hcrtcl, Eugen Brncht, Flnmin u. a.
Die Gcnremalerei ist mit 27» SpozicS vertretcn. Hier ist
der Durchschiiitt noch am crtrüglichstcn. wnhrend daS Porträt
quantitntiv »och nie so stark (112), qunlitativ abcr noch nie
so schwach vertretcn war. Gustav Richter hat zwar cin
Bild des KaiserS uud ein Portrüt dcr Gnttiu des öster-
reichischen BotschnfterS, der Gräsiu Karvlin, gcschickt, eiu
Mcisterwerk crsteu Rnuges, daS alle seiue sriiheren Schöpfun
gcn in den Schatten stellt; nber die Massc dcr iibrigen
Porträts steht mit wenigon AuSnahmen (Graef, A. v.
Heyden, Zicgler) so weit uiitor dem Nivcau des Mittcl-
mästigeii, dnst ninn nm besten von ihncn gar uicht spricht
Das'Stillleben — nuch ein Zeichcu der Zeit! — ist ,„jt
-11 Exemplaren vertrcten. Freilich haben noch niemals so
vicl Malerinnen dic akadcmische AuSstelluuq bcschickt wie iu
diesem Jahre. ES mögcn ihrer ctwa «>u sei», „„d sie
hnben sich nicht blvS nuf das uuschädliche Blumcustüct und
daS Stillleben beschrünkt, sondern eine recht gcfährliche
Jnunsiou in das Gebiet dcr Porträtmalcrei gemacht. Diesc":.
Ueberivucheru' dcs DilettaiitiSmuS - deun' unter den »»
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