Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Die>schweizerische Kunstcmsstellung vou 1877.

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deukmate von ihnen erhcilten haben, ist bisher ein frvm- s
mer Wunsch gebliebcn. Wie sehr uns ein solches histo-
risch geordnetes Schriflenmagazin dloth thut, läßt gcrade
die Mettenleiter'sche Sammlnng erkcnncn, dcren Heraus-
'geber mit den Bcgriffen von Gothik und Rcnaissancc
mitunter sehr ivunderlichc Vorstellungen verbindet oder
doch zu sehr kurioseu Borstellungen iiber das Wesen
dieser Stilarten verleitet.

Jn dieser kleinen Nachlcse zu unserem Bericht I.
und II. muß auch noch der neuen, d. i. viertcn, umge-
arbeiteten Auflage von Bodcnstedt's „Albuin deutscher
Kunst und Dichtung" (Berlin, Grote) gedacht iver-
dcn. Unstrcitig nach Auswahl wie nach Ausstattung die
euipfehlenswerthcstc Anthologie moderner Lhrik, hat das
liebe, freundliche Buch abcrmals einc Bereicherung
durch treffliche Holzschnitte nach prächtigen Zeichnungcn,
vorzugswcisc von R. Aßmns, erfahren. Der frühere
übcrladcne Einband hat einem edler gesinnlcn Nachfolger
Platz gcmachl. Schade, daß sich die Bcrlagshandlung
nicht auch von dem Farbendrucktitel hat los niachen
kvnncn, dcssen fliegende Pulten in TricotS ebenso uner-
gnicklich sind wic das formlosc Nankenwerk, welchcs, an
der leeren Luft hinanfkletternd, sie mit dcn Gcistern der
Erde in Zusammcnhang zu bringen bcstimmt zn sein
scheint. Bei ciner abermaligen nencn Auflage würde
es sich auch empfehlcn, dcm Dichlerverzeichniß cine
Künstlervcrzcichniß folgen zu lassen.

Zn den Prachtwerkcn, die ihr Dasein dcr Nadir-
nadel verdanken, ist noch nachzutragen die 2. Hälfte des
Städel'schcn Galcriewerks (Lcipzig, Scemann),
von der fleißigcn Hand Johann Eissenhardt's glücklich
zu Endc gcführt und von einem intercssantcn nnd be-
lehrenden Texte von Veit Balentin begleitet. Unter
den 16 nencn Blättern sind vorzugswcisc dic Meistcr
des 15. Jahrhunverts, Jtaliener wie Niederländer, ver-
treten. Eines der gelungcnsten Blättcr, welches einen
wesentlichen Fvrtschritt dcs Stcchcrs in der frcien Füh-
rung der Skadel bekundet, ist ein Mondscheinbild von
Aart van der Neer, eine vielbewunderte Perle der herr-
lichen Sammliiug des Städcl'schcn Jnstituts.

Den Schluß niachcn wir mit eincni Bnche, desscn
Inhalt cinem der schönsten Feste gewidmet ist, dic jc
in dculschen Ganen gefeicrt wurden, und welches also
in doppeltem Sinne eine empfehlenswerthc Festgabc
bildet. Schade nur, daß, waö es an bildlichem Schmnck
enthält, gar zn sehr dcn Charakter dcr Jmprovisation
an sich trägt. Wir meincn: Ein Kaiscrfest im
„Malkasten" zu Düsseldorf, mit einem Festspiel
von Karl Hoff und 11 in Holzschnitt ausgeführtcn
Originalzeichnnngen von Andr. Achenbach, A. Baur rc.
herausgegcben von vr. B. Endrulat (Düsseldorf, L
Boß L Co.). Jc größer die Unterlassungssündc diescr
Blättcr in Bezng anf Schilderung der Düsseldorfer

eaisertagc war, ninsomehr niöchten wir den Lesern das
gnt geschriebcnx Werkchen zur Bcachtung empfehleid
klüchtige Festlust monumentalisirend,
"»ui riiende bereitcn wird, die dem am 6.

- ^eptember im ehemaligen Jaköbi'schen Garten wogen-

Das allegorischc
nicht niil

auch

und

den Gedränge fern
Titclbild wird der

geblieben sind.
gcncigte Leser gebeten

M'cngem Maße zu meffen." Der gute Homer pflegt eben
manchmal zu schlascu und die Allegorie ist eine sprödc
^ )o»e, die ihre Vcrehrer gern auf's Glatteis lockt.
^asur wird man an der Einleitung „Zur Gesch'chb'
dee Jakobi'schen Gartens und des Malkastens in Düffcl-
oif iimsvmehr Geschmack finden. Dcr zweite Abschnitt
>-l dert die Borbereitungen für die Festlichkeitcn, der
ou crsten und der fünfte den zwciten Theil des
M tcs, währcnd der vierte das Festspiel von Karl Hofl'
en )a t. Füns der eingehcftcten Holzschnitte veranschan-
svü-ia Theile der Wandeldekorationen dicses Fcfl-

^en Hintergruud für das gesprochene Wort
Eiiw ^°^st° Hdlzschnitt versucht den bezaubcrndcn

^'iidruck dcs fcenhaftcn Schauspicls feslzuhaltcn, wclchcs
n zweiten Festabende die Zuschauer in Athem hiclt. D-e

öuxenteich" bildete den unvergeßlichcn

M-L" " S-»s. m>« P-.si.

Abali„- Kaiserfestes, so daß selbst der schwa-hc

»icm ^H°M)N-tt von dem äußercn Arrangc-

liebeu K -mmerhin den Wcrth eincs

W„. °'Erungszeichens hat. Die Ausstattung des

standes wüwig'.^ ""^ ist stattlich und des Gcgcn-

6o.

Die schweizerische Aunstausstcllung vou

Die schweizerische Kunstausstellung von diesem 3ahu
stand, was die Zahl wie die Güte der Bilder anbetiilst'
der letztjährigen bei wcitem nach. Wie ist dicse That-
sache zu erklärcn? Hatten vielleicht unsere Künstler ih->-
bestc Kraft der TellSkapelle-Konkurrenz gewidmet, d-c
übrigens nicht nur in einheimischen, sondcrn auch in dc"t-
schen und französischen Blättern ansgeschrieben war,
warcn sic clwa schvn mit Arbeitcn für die Pariser Wclt'
ausstellung beschäftigt? Wir wissen cs nicht, wollc"
jedoch hoffen, daß sie sich in Paris in regerer und wür

digerer Weisc betheiligen mögen, als sie cS an der

Tells-

kapelle-Konkurrenz gethan haben. Man hätte gcgla"" -
für Malcr, die patriotisch empfinden und Sinn f""
Monumentale haben, wäre es eine lockcnde Aussicht^ sp'

wesen, an die Stclle der rohcn Fresken, welche dic

kleine

Kapelle auf der Tellsplattc am Vierwaldstätter See vc^
nnzieren, Werkc zu sctzcn, die, aus der lebendigen O"cl)
der Tradition und des Volksgeistcs gcschöpft, der klasfl
schen Stätte und des Dichtergenius, der sie wcihü-
würdig wären! Leider sind diese Erwartungcn nicht
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