Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Kunstlitsratur.

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gefcchr bmützt: 36 Feuerhähnc nud Schläuchc siud
de» Korridors und auf der Bühne verthe:lt und stchen
"'ü 4 großen Reservoirs über dem Schnürboden m er-
bindung, welchc dnrch eine Dampfpumpe gc pe'st wer-
"cn- Durch den Haupthahn können sammtltche Oa^
flannnen dcr Bühne und des Auditoriums zugleich au -
gelvscht werden, während jene in den Korridors iinc au
b-n Treppcn fortbrennen, um die Entlcerung des tzanses
un Fall der Noth zu erleichtern. Nach Beendigung )ever
^orstellnng wird ein von Wellenblech Hergestellter fener-
f'chercr Vorhang herabgelassen, um den Bühncnraun
"°llständig abzuschließen. So wollen wir dcnn h°Nen,
bch dieses neue Prachtgebäude, von jeder ^efnN """
Ich°nt. für Augsburg stets ein wahrer Tcmpel der Kunl,

«ne Aneisernng zu allem Schbnen, Gnten und Edtcn
bleiben möge!

Aunstliteratur.

^ Macrtcns. Der optische Maßstab, oder die
Theorie und Prapis dcs ästhetischen Sehens in den
bildendcn Künsten. Auf Grund der Lehrc der phy-
siologischm Optik bearbeitct. Mit 63 Holzschnitten
nnd 4 lithogr. Tafeln. Bonn, M. Cohen L Sohn.
1877. 4.

Ilntcr den vcrschiedcnen Hilfsbüchern, welchc seit
^wnardo da Vinci's „Trnttnto llslln xittnrn" dem
"ngehenden Künstlcr dargcboten worden sind, bchauptet
ns vbige, die Gesetzc deö ästhctischcn Sehens erklärcndc
. o'l nicht allein eine hervorragende Stelle, sondern es
'll cines der ersten, wclches dic auf dem Gcbiete der
"pttk gcniachten Eiitdecknngen für dic bildenden Künste
""hbringend zn machen sucht. Der Verfasser, selbst
, ""stler >,nd praktischer Baumeistcr, war in erster Linie
'stttebt, niittels perimetrischer Untersuchungen feste Bc-
'""«ungen für die cinzelnen Architekturtheile aufznfindcn,
Studicn ihn dahin führten, die gesammte bild-
'tt'fche Thätigkeit, insofern sie auf Maßen nnd
"lbßenvcrhältnisscn beruht, in dcn Bercick seincr For-
^ungen hereinzuziehen. Nach vorhergehcnden Erklärungen
Operalion dcs SchenS wird dargethan, daß das
selbst ein Winkelmcßinstrument sei, mit dessen Hilfe

" «nzuhaltenden Verhältnisse plastischer Kunstwcrke für
ll°Sebene Entfernungen gcnan crmittelt werden könncn.

' " biese durch zahlreiche Zllustrationcn belegten Er-
Uarunge» schließen sich schr zn bcherzigende Winke über
Anfstellen von Standbilvern, Büstcn nnd andern
^kukniäler an, dann folgen Andeiitungen über die Di-
'"'"lslonen von Gemäldcn im Berhältniß zn den Auf-
'st'lliingsräumcn und über die verschiedenen Wirkungen,
'"°lche Bilder und plastische Kunstwerke je nach vcr-
'chledenen Standpunklen üben. V°n dem altbekannten
""undsatze ausgehend, daß der richtige Ueberblick eines
'"»stgebildes wcnigstens eine seiner größten Ausdehnnng

glcichkommende Entfernung vom Auge bcdinge, weist dcr
Verf. nach, daß nicht sowohl die Breite als viclmehr die
Höhe maßgebend für die Distanz, folglich auch für den
Augenwinkel sei, aus welchem ein bestehendes Knnstwerk,
Gebäude oder Monument betrachtet nnd nach welchem ein
erst zn schaffcndes berechnet wcrdcn solle. Daranf wer-
den drei vcrschiedene Angenwinkcl, nämlich von 45°,
27° und 18°, als normale anfgestellt nnd gezeigt, daß
unter dem Winkel von 45° alle Einzelhciten am deut-
lichsten hervortreten, während unter dem Winkel von 27 °
das Bauwerk sich in seiner malerischen Haltung am
besten repräsentirt und ein Winkel von 18° das Ver-
hältniß zu sciner Umgebung ersichtlich macht. Nun folgen
mehrere zwar kurze, aber anregende Bemerkungen über
Anlage von Gebänden, welchc in Vorgärten oder zwischen
Baumgrnppen aufgestellt werden sollen, über Bcpflanzung
dcr Straßen und Plätze mit Bäumen ncbst Andcutnngen
über Landschaftsgärtnerei. Diese allgemeinen Theoricn
umfassen clf Kapitel und sind, wenn anch nicht ganz
neu, doch ungleich präciser vorgetragen, als in irgend
einem der bisher im Gebrauche befindlichen perspektivi-
schen Lehrbücher.

Seinem cngern Fache der Architektur sich znwen-
dend, erklärt der Verfasser den Nutzen des optischen
Maßstabes und seine Anwendnng, indem cr der An-
sicht ist, daß bei eineni Augenaufschlagswiiikel von 27 °
alle Details noch gesehen wcrden sollcn. Das kleinste
Glied eines Gesimses oder Architekturtheilcs habe ajs-
dann dcn Modus zu bildcn, nach wclchem dic größcrn
Particn, Profile u. s. w. ermittelt werden. Um aber
die jcmalige Größe des kleinstcn Gliedcs festzustellcn,
wird für dassclbe ein Augenwinkel von cincr Winkel-
minute als das Minimalmaß des dentlichen Sehens
vorgeschrieben nnd zu diescm Bchnfe die Einthciluiig des
Sehwinkels in Gradc nnd Winkelminuten als unerläßlich
vcrlangt. Dicses ncue Verfahren, alle Profilc und
Einzelhciten auf trigonometrischcm Wege zu bestimnien,
wird allerdings von dcn meistcn Künstlern als sehr zeit-
raubcnd und bcschwerlich angesehcn werden, was der
Verfasscr selbst anerkennt. Er sncht deßhalb die gegen
seine Methode voraussichtlich sich erhebendcn Protcste
durch den Hinweis auf die trigonometrischen Hilfs-
tabellcn zu entkräften. Ob den Künstlern und Kunst-
handwerkern mit Rechnnngstabcllen gcdient sein wird,
wollen wir vvr der Hand dahingestcllt sein lassen;
anch könncn wir nicht verschwcigen, daß durch die Anf-
stellung und Befolgung solchcr strcng inathcniatischen
Regeln das küiistlcrische Schaffcn, mithin die Kunst selbst,
gcfährdet und eingcengt werde. Bei richtigem Gebranch
aber bietet das von Maertens mit echt deulschein Fleißc
ausgearbcitcte und mit gründlichen Belcgen ausgcstattcte
Werk eine solche Fülle von Anfschlüssen und nenen An-
schauungcn, daß wir nicht nmhin können, dasselbe allen
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