Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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NekroloI.

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hat. Sie sind hervorgegangen aus der Furcht, das
Bild inöchte um des Siegers Vvn Wörth halber, der
dcn Mittclpunkt der glänzendcn Kompositivn bildct,
cine Unbill erfahrcn. Aber man hatte dabei vergessen,
dic nativnalc Erziehnng des Franzosen, der ein Kunst-
wcrk, nnd namentlich ein solches, wie cin Heiligthum
achtct, in Anschlag zu bringen. Die Bilderstiirmer
dcr Commnne haben ihre Nolle ansgespielt. Dadurch
daß das Gemalde unseres dentschen Orientmalcrs nicht
anf die Ansstellung gekommen ist, hat die dentsche
Knnst einen ihrer höchsten Trinmphe eingebüßt, näm-
lich den nber sämmtliche Oricntmaler der Welt.

Fast alle Bilder, aus denen die dentsche Abtheil-
nng znsammengesctzt ist, sind nnsercn Lesern ans hän-
figen Bcsprcchnngen bekannt. Nnr cine verschwindcnd
klcine Minvrität ist zum ersten Malc cinem größeren
Pnbliknm, allerdings dcm größtcn, das man sich
wünschen kann, zur Schan gcstcllt. Bvn beiden Ka-
tegorieen gilt der Spruch, daß das Gnte, was hicr
zn sehen ist, nicht ncu nnd daß das Nene nicht gut
ist. Eine Ansnahme bilden nnr zwei Vvn dcm köst-
lichsten Hnmor gesättigtc Gcnrebilder von L. Knans,
ivclchc dcr Mcister für die Pariser Wcltausstcllung ge-
malt hat. Es sind zwei Pendants, Bilder von mäßigen
Umfange. Das eine führt nns in das Jnnerc eines
Trödlerkellcrs, der mit den rcichsten Bvrräthen gcsüllt
ist. Ein altcr Jude sitzt inmitten seiner Herrlichkeiten
a»s einem Lchnstnhl nnd Iveiht seincn Sohn, cin pfiffig
lächelndes Jiiiigclchcn mit fnchsrothem, zicrlich ge-
kränseltem Haar in die Mystcrien des Handels mit
alten Kleidern nnd, wie cs scheint, auch mit Hasen-
fellen ein. Denn anf dcm zwciten Bildc sehcn wir
den gclehrigen Adeptcn, wie cr frcudestrahlend das
erste verdientc Markstiick in eine schmntzigc Geldtaschc
steckt. Bor den Füßen deü zukünftigen Millivnärs
liegt ein Hascnfell, wclches nns die Provcnicnz dcs
erstcn Berdicnstcs crtlärt. Bcide Bilder kranken nicht
an jencr Manierthcit, die wir leider an den letzten
Schöpfungcn dcs cinzigcn Meistcrs bemerkteu. Der
Flcischton ist wcdcr zn lederfarben nvch zn gclb.
Ueberhanpt zcigt die malcrische Seite der bciden Bilder
den Aleistcr, besonders in dem wunderbar dnrstigcn,
für den Kcller so nngemcin charakterislischen Gesammt-
tvn des erstcn Bildcs, ans dcr Höhe scines Könnens.
Bilder von eincm gleich frischen, gleich fcsselndcn Hnmor
giebt eS anf der ganzen Weltansstellnng nicht wicder,
nnd das ist wenigstcns einer dcr Sicge, der nns nicht
entgangen ist.

Der Hnmvr und die Familie — das sind dic
Pole, uin die sich das Jntcresse dcr Franzosen an den
dentschen Bildern cvneentrirt. Das Kiuderfcst, das
Leichenbegängniß in Thnringen nnd jene beidcn, vbcn
geschilderten Pendants von Knaus, die Grenadierc

die "ut den Kindermädchcn scherzc»,
ou ü. ^erner, dessen malerische Technik dcn Fw»-
Zc leu 0)nehin syinpathisch ist, ein bekümmertcs Mcrii-

paar am Krankcnbette ihres Lieblings vou Hilde-
rauet (Karlöruhe), zwei Faiuilienporträts vc»
Meyerheim's Tauz iu dcr
O? "" diese Bilder waren voni Tagc der M
-Ulunng an die erklärten Licblinge dcs Publikmns.
Dazu gesellte sich Bokelmauu's Zusammeubruch ciuer
i ank, eiu Bild, welches mit grvßcn Erfolg a»
c a-' Eutcrejse des Tages appellirt, uud eiue Gesellschaft
von Baucrn vor dem Mnnchener Leibl, au wclchcr
ru Pariscr die Oualitäten eines Holbcin eutdcckc»
wvllten. Dcr bekanntlich in Paris ansässige, bclgischc

Maler Stevens bvt sofort 6000 Frcs. für das Bild.

^>vn plastische» Wcrken sind etwa zwanzig vor-
>an en, an ihrcr Spitze dic Mcisterwerke von Rei»'
Der Raub der Sabiucn'n, Merkur
utti. Psyche und die Menzelbüste, drei Bildtverke, von
icncn die beidcn erstcn kaum in der französischcn
u Ptureu-Abthcilung Seitcustückc fiiidcu, währc»d
letztc überhaupt 8LN8 oowpnrnison ist. Ncu war
mir em Grabiuviiument vvn Wagemüllcr, ciuc cdlc
rei' n )c Gcjtalt auf eincm Sarkvphagc sitzeud, öic
euien Paln.euziveig auf denselbeu nicderlcgt, uud uct'c»
> .n eiu trauernder Gcnius, ciu Wcrk, daö um so ehcr
'"ußte, als es iu der Cvuceptivu »>H

^cu Grabdenkmäleru vcrlvaudt ist, die iu Fraukreich »»t
uieijten bclicbt sind, und dcrAdam vv» Advls
v" icbrandt, jcneni Küustlcr, der 1873 i» W>c»
i'ni ' svincn Hirtcnknabcn, wclchcr jetzt auch in PariS Z"
oY°u Ot ungewöhnliches Aufsehen erregt. Die Hvft'-
»gen, die man damals anf ihn setztc, hat dcr Kü»»
»r inrch semen Adam »jcht erfiillt. Dcrsclbc, ci»
»erschrvtiger Gcscllc mit dickvm Kvpf, ist halb Dvw'-
„ v' ftalb dem griechischeu TypuS nachgcbildet, dc»
"" >ui- »en Kanvu ycs Pvlyklct hält. Iu gcwft'scr
-- hat sich dcr Künstler cines sv derbcu N'"
ra N'inns beflijsen, daß dic Kvmmifsivu sich geuöthigl
)- cn Adam dem Schutze cincS dichtbclaubtc»
Banmes anznvertranen.

-ldols Nostiilicij,

Nckrolog.

tkibcrat Hiiudertpfiiiid, dcffeu aiu,M
w . ^uterstadt Brcgrcuz crfvlgteu --vk

Seinc Ek!^^ ^ubeii, war am li.Nvv. 1806 gcbv»»
ilm sii>^^"' Schusters-Ehclcutc, bcskiuu'ft»

a Stand. gaben aber seiuer Nc»

übe? w">> K""si nach, als es sich zeigtc, vay »
-Nealsckmt^ ^lchenuntcrricht alle andcrcn Fächcr H
ilin E Uernachlassigte. nnd licßen ilm, obglcuh »
h'n die ansreichenden Mittcl nicht geivährcn tvm'tc '
td— nach Wien zichen. Die Anfanqs sast trvjftr'lU
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