Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Neue Lichtdruck-Publikationeu. — Kunstliteratur.

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Ncue §ichtdruck-j)ublikatioiicii.

Vvr uns liegen eine Anzahl neuer Erscheinnngen
Kunsthandels, die der modernsten Bcrvielfältignngs-
b">It ihren Ursprung verdanken nnd wvhl säinmtlich
günstige Aufnahme zn rechncn haben. Znnächst
bcrschstdene Ansichtcn des Straßburgcr Münster
u> grvß Folio, nach der Natur aufgenvmmcn (Licht-
^ruck von I. Krämer in Kchl, Bcrlag von N. Schnltz
^ Eo. in Straßburg). Das erste Blatt zcigt die
Invntansicht, svweit dersclben bei der Enge dcr vor-
begenden Straße beiznkommen ist. Der Versnch, die
icicht bewvlkte Lust wiederzngebcn, ist zwar nicht
ganz gelungcn, dentct aber immerhin anf cinc gewisse
Erweiterungsfähigkeit der Technik in Bezng anf Rc-
droduktion der Licht- und Lnftphänvmene hin. Das
Zweite Blatt zeigt das Hanptpvrtal, das drittc die dcm
^chloßplatz zugekehrte Langseite bis znm Qnerhans,
essen Frontansicht das vierte Blatt füllt. Das sünste
Äatt stvllt das spätgothische Laurentiuspvrtal am
^ oiuplatz dar und ist in Bczug anf Kraft und Klar-
)eit des Reliefs das beste vvn allen. Der Prcis fllr
einzelne Blatt ist 5 Mark. — Die Stichc Vol-
pato's nach den Loggiendekorationen Raf-
fael's haben zum zweitcn Male die Bcgehrlichkcit des
^chtdruckers herausgefordert nnd sind zu eincm unge-
wrin billigen Preise bei G- Gilbcrs in Dresden in
^ Fol. erschiencn (Lichtdruck von Römmler <L JvnaS).
^rlbstredend bleibt hier die Technik hinter dem Wün-
ichenswerthen zurück. Die Schattcn sind, zum Theil
^whl in Folge der starken Verklcinerung, gctriibt nnd
w>dnrchsichtig gewordcn. Jmmerhin ist es ein großcr
»Winn, daß solche für ewige Zeitcn mnstergültige
chüpfungen der ornamentalen Kunst auf dicsc Weisc
Genieingnt aller gemacht werden, die aus Neig-
oder Beruf intime Bezichnngen znr Kunst pflegcn.

, w Buchbinderknnst, welche die Decke dcr Mappc ver-
Zwrte, schxstit st-i-ilich von Raffael noch wenig Lchre
^ngenoninien zn haben. — Am erfolgrcichstcn und
nh»e den Borwnrf der Unzulänglichkeit anf sich zn
^on, ninimt der Lichtdrncker die Sonne in seinen
^nn'st, wenn os gilt, getuschte Federzcichniingcn zu ver-
'wlfältigen. Sind die Originale von vorn herein anf
^ Technik hin angelegt, so ist das Facsimile so frap-
pant, daß dic Kopie dem Original kaum in irgend eincm
fpunkte etwas nachgiebt, wofcrn nnr mit der nvthigcn
nngsnlt und Nachhülfe durch kleine Retouchen ge-
aA'eitet wird. Von Publikationen dieser Art sind hier
zu verzeichnen, nämlich die von I. Engelhvrn in
^luttgart veröffentlichtcn „Handzeichnnngen deut-
ler Meister, eine Sammlung vvn Bildern
Ätalien und der Schweiz" (bis jetzt er-
)wnen 4 Lieferungen ü 2 Blatt in Folio, im Ganzen

anf 14 Liefernngcn berechnct) nnd „Spießbürger
und Vagabonden, cine zwanglose Gescll-
schaft, in 25 Originalzeichnnngen von Hugo
Kauffmann (kl. 4., München, Ad. Ackermann). Das
crstgcnannte Wcrk bietct cine Answahl der vorzüg-
lichsten Blätter, welche znr Jllustrativn dcr großen
Prachtwcrke über Jtalicn nnd die Schiveiz im Engcl-
horn'schen Verlage erschicnen sind. Es ist eine wahre
Frendc, dic schvncn Blätter zu bctrachten, dcren jcdes
anf cinen matt getvnten Untcrsatzkartvn anfgezogen ist.
Der Bergleich zcigt, wie trvtz aller Finessen der Aus-
sührniig der Hvlzschneider dvch so manchcs Vvn dem
Dnft nnd Hauch, von den zartcn Tönen vpscrn mußtc,
mit dcnen der Künstlcr sein Werk erfüllt. Die Rc-
prvduktivn in Lichtdruck (vvn Schober L Bäckmann
iu Carlsrnhe) verdicnt ungetheiltes Lob. — Hugo
K'auffmann's komischc Ntuse ist den Lcscrn dicser
Blätter hinreichcnd bekannt. Gesunder Humor, in
nnscrer vom Börscnfiebcr nnd Aktienschwindel ange-
kränkelten Zcit cine scltene Waarc, wird in diesen 25
Blättern sv reichlich geboten, daß sie sich ganz be-
sonders als Nemedinm fiir bvrsenkranke Pcssimisten
nnd skeptische Wirthschäftspolitiker cmpfchlcn. Btan
sollte meinen, daß an der Wclt, die solche Typcn urge-
müthlichen Philisterthnms, solche mit ganzer Secle dcm
harmlosen Svnntagsvergnügen hingcgcbencn Klcin-
städter nnd Dvrfler hervorbringt, noch nicht so ganz
Hopfen und Malz verloren sei. Die Ausstattung dcr
Pnblikation ist von ähulichcr Sanbcrkeit nnd Eleganz
wie bei dem vorerwähnten Wcrke. An dcr Ornamcn-
tirnng der Mappe crkennt man die leichte Künstler-
hand, die mit ihrem Gegcnstandc nicht ohnc Grazie zn
spielen weiß. 8n.

Aunstlitcratiir.

Katiilog dcr Schatzknmmcr dcs üstcrrcichischcn Kniser
liauscS in dcr k. k. Hofburg zn Wien, von
Qnirin v. Leitner. Zweite, dnrchgesehene Anf-
lage. 167 S. 8- mit Holzschnitten nnd einein
Titclkupfer.

I Die vorliegende Arbeit nimmt in doppelter
Beziehung nnser Jnteresse in Ansprnch. Es ist näm-
lich dcr crste von cinem Fachmanne bearbeitete nnd
allen wissenschaftlichcn Anforderungcn vollkommen ent-
sprcchcnde Katalvg dieser cinstigcn „Knnst und Wun-
derkammer", dcr alten Bewahrnngsstätte des Habsburg-
Lothringischen Hausschatzes. Zngleich ist es aber auch,
wie tvir aus der Vorrede entnehmen, der letzte Ka-
talog diescr w'eltberiihmten Saminlung, da die Aus-
lösung der Schatzkammer nnd dercn Einverleibung in
die vereinigten kunsthistorischen Sainnilungcn des öster-
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