Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Äunstliteratur.

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Aunstliteratur.

äs ck. LuiZäaol, roxroäuitos ot
publioss pur L.iuuuä-Duruuä, toxts xur 6.
vuxloszjz, x^-jg 1878.

Allc diejcnigen, welche sich mit den Radirnngcn
^' ^""^dact's, Les „größten aller Landschaftsmaler" bc-
^ bllligt haben, wissen, daß Bartsch nur 7 Blätter von
iiufführt, von denen aber nnr 6 auf dcn Markt
fUiien. Regnault-Delalande nnd nach ihm R. Weigcl
l"lue,i ji, deni Katalog Rigal noch 3 andere auf, die
^ußeiordcntlich selten, fast einzig sind. Außerdem giebt
^ aber noch im Amsterdamer und endlich im Brilischen
E'" Ilnicum, so daß wir also im Ganzen
Aadirungcn von I. Nuisdael kennen.

2» Anbctracht der hohen Bedcutung I. Ruisdacl's
' l!er Kunstgeschichte und zugleich wegcn der außer-
^^entlicheii Seltenhcit des größercn Theils seiner Ra-
^ denn selbst Bartsch 5 und 6, besonders
bis^ 4 fehlen in den meisten, und Bartsch 7

1" ^st in nllen Sammlungen — ist es ein wahres
des Hr». Duplcssis, desKonservators des Pariser
dj^!"^^^k>i»cts, daß er sich der Mühe unlerzvgen,
^ -vchst seltenen Blätter Ruisdael's dcr Amstcrdamer,
»»d Wiener Sammlungen durch Lichtdruck
i,i^^l^ligen zu lassen. Erreicheu diese Lichldrucke auch
d»-' Driginalc, da dic Schattenparticcn schwercr
- »a cn, so erlangen wir doch zum ersteumale ciu voll-
»digoA Bild Radirungen Ziuisdael's. Hr. Dn-
i>. ^at den Lichtdrucken eine Einlcitung über das
s'», die Gemälde und dic Radirungcn diuisdael's bci-
'Zt und letztcre mit cinem Katalog dcr verschicdenen
I begleitet. Zn Betreff des Geburtsortes

H hat der Archivar der Stadt Amsterdam

»in ^.^^kke»ia cs wahrscheiulich gemacht, daß J. Nuisdael
'» Haarlem — wie auch Hr. Dnplessis annimmt
Dug Naarden das Licht der Welt erblickte.

^"burtsjahr hat aber bis jctzt nicht ermittelt wer-
da , Zedenfalls täun mau 1635 nicht fcsthalten,

^adirungen, nicht eine, wie Hr. Duplcssts-mit
Cchriftstellern fälschlich sagt, bestehen, auf
^'chwt 's^ Name mit der Jahreszahl 1646 ver-

g^i Nuisdael, der Bruder von Salomon, Jacob
späle^^^^ ^ater, der Bilderrahmen machte, ließ sich
zu , Haarlem nieder, wo unser Jacob sich frühzeitig
^cssig'"" bedeutenden Künstler cntwickelte. Hr. Du-
»icht Everdingen als seinen Meistcr, was aber

zusg^ "^»»^^ch feststeht. Er meint sogar, daß beide
^ir Norwegen und Wcstfalen gcreist seien.

tdea ^^^» nur sicher, daß Everdingen nach Nor-
kan, daß Nuisdael nach Benthcim und Westfalen
^ »> Jahre 1668 finden wir Ruisdael in Anister-

bam, wohnend in der Straße Haarlcmcr Dhck, als Zeugc
bci der Heirath von M. Hobbema. Einige Jahre später
kehrt er nach Haarlcm zurück, wo er am 14. März
1682 — nicht 1681 — in der St. Bavons-Kirche be-
graben wurde.

Jac. iliuisdael hat, wie gesagt, 12 Radiruugcn
hinterlassen, von denen 2 mit dcr Jahreszahl 1646,
eine mit 1647 und ciue mit 1649 bczeichnet sind; die
andereu 8 siud ohne Jahrcszahl. Bier von deuselbcn
(Bartsch 1 lns 4) sind nach uieiner Meinung um mehrere
Jahre später. Eine von den 12, bei Rigal und R.
Weigel Mr. 9, bei Duplessis Nr. 11 ist mit I. R.
(diese Buchstabcn verschlungen), alle übrigen 10 mit I.
Ruisdael, unb nicht, wic Viele und selbst Hr. Duplcssis
aus Unaufmerksamkeit angegebcn, mit Ruysdael, y statt i
bezeichnet. Das Korufeld Bartsch 5 hat allein das y
im Nanicn; abcr diescr tltame des Mcisters ist von
frcmder Hand geschrieben, wahrschcinlich von F. v. d.
Wyngaerden, dessen Addrcssc das Blatt in dicsem späteren
Zustande trägt. Wir niLssen dcshalb I. Rüiödael
schreiben uud jedc andcrc Schrcibweise, wie Ruysdael,
Ruysdaal vdcr van Ruysdael abweiseu, da dcr Meistcr
sclbst sich so auf allen Nadirungen schreibt. Jch möchte
dahcr auch dcn Schluß ziehen, daß alle Gcmäldc, auf
dcnen in dem Namen dcs Meistcrs das y vorkommt,
nicht von ihm bezeichnet oder überhaupt falsch sind. Dcr
Hakeu übcr dem u bezeichnet eiu ü, und war in Holland
im 17. Jahrhundert bcim Schrciben allgemciu gcbräuch-
lich, wenn maii cin ü bezeichneu wolltc. Eiu u hatten
die Holländer wcder im 17. Jahrhundcrt noch heute,
svndern gebrauchcn für die Aussprachc dcssclben oe. Jm
Deutschen müßtcn wir cigeutlich schrcibcn R'üisdacl und
— annähernd aussprechen Ncusdahl — zweisilbig.

Ä. Ruisdacl's Radiruugen sind ebenso geistreich
wie innerlich wahr, und frci vou jeder schablvuenmäßigeu
Methode. Bartsch sagt, daß die Nrn. l bis 4 am
mcisten gesucht werden. Dieses ist nur gauz wahr für
Bartsch 4 „die Reiscndcn", das schönste seincr Blätter,
und ctwa für Bartsch 1, wenn der Abdruck nicht vou
der stark aufgcätzteu und überarbeiteteu Platte herrührt.
Vicl gcsuchter als Bartsch 2 und 3 sind Bartsch 5
„das Kornfeld" und Bartsch 6 „die 3 Eichcn", die von
der starken Ueberarbeituug vcrschont gebliebcu siud, welche
die Platten Bartsch 1 bis 2 durch Basan und Nach-
folger habeu crdulden müssen. Hrn. Duplessis' Katalog
der Radiruugcn Nuisdael's ist schr flllchtig gcarbeitct
so daß cr noch etwas hinter dem von Rcgnault-Dela-
landc ini Katalog Rigal, aus dem N. Weigel unb
Naglcr schöpften, zurückbleibt. Jch beabsichtige, in Nach-
folgendem eincn bessercn zu gebcn.

Bartsch 1: „Die klcine hölzerne Brücke".

1. Zustand: reinc Aetzarbeit; vor den Wvlken und
der Luft, vor den verstärkten Schatlen am Hause; silber-
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