Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Kunstliteratur. — Todesfälle. — Smnmlungcn und Ausstellungen.

Hicnnit glaubt der Unterzcichnetc alle wichtigen
Punktc bcrnhrt zu haben, nnd fühlte sich derselbe um
so uiehr in seincm Gewisseu verpflichtet, dies zu thun,
als ihm aus cigener langjähriger Praxis nur allzugut
bekannt ist, wie sehr derartige Bauunternchinungen leiden,
wenn aus Ungunst der Verhältnisse von deu oben an-
gefnhrteu Grundsätzen abgewichen werden mustte.

Der Unterzeichnete kann dicsen Bericht nicht
schließen, ohue seincm innigen Wunsche Ausdruck zu
verlcihcn, daß das Werk der stiestauration baldmöglichst
begonncn und init Glück zu Ende gcführt werden invge
im Julercsse dcr Kunst und zur Ehre der deutschen
Nation.

Wien, nm 24. Juli 1875.

Fr. Schinidt,

k. k. Oberbnurath, Doinbaumeister
zu St. Stephnn.

Aunstlitcratiir.

Bilder-Albuiii zur ueueren Gcschichtc dcs Holzschnitts in

Deutschland. Herausgcgebcn vom Albcrtvereiu. Mit

Tcxt vvn Hermanu Lücke. 18 S. Text nnd 118 Bildcr- !

tafeln iu Hochquart. Leipzig, Seeiunnn.

Mit dcm vorliegeuden Werke, auf dcssen bevorstehendes !
vrscheineu schou in diesem Blatte hingewiesen wurde, ist die
.Üuustliterntur um ein mit der größteu typographischen
Sorgfalt (in der Druckerci vou Huiidertstund L Pries in
Lcipzig) hergestclltes Prachtwcrk bcreichcrt, wclches in erster
Liuie nlle an der Vuchillustratiou betheiligten Kreise, .üylo-
grapheu, Zeichncr und VerlagSbuchhändler in hohem Grade
iuteressireu wird. Sodann wird aber auch jeder Kuustfreund
uud wer immcr Freude hat au der historischen Entwickelung
natioualer Bestrebungen, aus dcm Buche Genub uud Be-
lehruug schvpfen. Erstaunlich erscheiut Lie lebendige Fülle
schöpferischer und nachschasfcnder Hände, welche gegenwärtig
dcn populärsten aller jtünstzweige pflegen, und geradezu
uudeukbar dünkt uns der Gedante, daß vor kaum vierzig
Jahreu dcr deutschc Holzschnitt so gut wie todt uud begraben
war und uur eine Vergaugenheit hatte, von deren Bedcutung
außcr der kleiuen Gemeindeder Licbhaber-dieWelt kaum mehr
alS eine duukle Vorstolluug besaß. Niemand kann sich beim
Durchblättern des stattlichen BandcS der Erkenntniß von !
der grohcu Summe nationaler Arbcit und uationalen Wohl-
staudes verschließeu, die gegenwnrtig durch die xylographische
Produktion repräsentirt wird, denu diese Probesammlung
cinzclner Leistuugcn, so manuigfaltig sie ist, steht immcrhin
zu dem Gesammterzeugniß in einem verschwindend kleineu
Vcrhältuiß. Wügt man die küustlcrischeu Talente, denen .
der verlorcue Sohn der deutschcn Künst seine Erhebuug uud
scine ueue Ehrenstellung verdankt, so tritt das hohe Ver-
dienst dcr beidcn Hauptmeister des Jllustrationsfaches, M en- >
zel's und Ludwig Richter's, iu dieser Zusammeiistellung
mit Gleich und Ilachstrebenden noch glänzender uud über-
zeugender hervor, als man sich dessen im Allgemeinen be-
wußt ist. Es war wahrlich cin Glück, daß die wiedergeborene
Technit an ihuen zwei Wegweiser fand, dic, zwar nach ent-
gegengesetztcn Richtungen zeigend, doch jeder in seiner Art
aus dic höchsten Zielc deutetcn.

Der beigcgehcne Text von lü'. Hermann Lücke greift auf
die Geschichte des Holzschnitts im lö., Il>. uud 17. Jahr-
bundcrt zurück, verfolgt die ersten Spuren der xylogrnphischen
Nenaissance iu Englaud nnd üeren mit der Verfeiuerung der
Justrumeute und der Verbesserung des Materials zusammeu- I
häugcude Entwickeluug in den crsten Deccnuien unseres >
Aahrhundcrts uud schildcrt sodann das Werdcn und Wachsen
dor neudeutsche» Tylographie unter dem Einfluß uuter-
uehmeuder Buchhändler, unter deuen neben den beideu
Wigand, I. I. Weber, C. B. Lorck, Gubih, Braun L Schnei-
der rc. auch dem Grasen Raczynski eine Stelle gebührt, als >

d°r"nEWen^>«r? p'anzösisch geschriebeucn Geschickste
Theil -vcniaswü^ Deutschland ein umfaugreiches zm"
Werk iu'S Lcben^ricf"' ^utschen Holzschncideru illusmrieo

Album'>?os'rede ersichtlich, kommt uuser Bildco

Gcdanke dc>- ^eu regelrechten Buchhandel. ck.cr

Ausfüliruiw »u Grunde licgt und mit dcycii

diescm m ^"7 Berlcgcr schou lang'e getrageu, ist yhu
dessen WobüiiÄ^» Albcrtvereins preisgegcbcu und 1>u

denu die verwirklicht wordcn. So iverdcii

die hervorraawMsi',""'.^uiplare des Werkes, zu ivclchcw
landS ^U"^su>liirten"VerlagshandluiigciiDeutlch

GewüiL^ h/rgLeheu, imtcr de"

unter der Protcktin» Lotterie sigurireu, die der gciiaimll-
Verein mm m»s> kunstftnuigeu Köuigiu Carola stchciid:
i»> t'omme„deu Krnnkenhausneu'banes iu Drevde»

Wunsch, in Besit7 d^?^ veranstaltet. Vielleicht regt dcr
deu Wokltbniä» angezeiqten Werkos zu gelaiige»,

ftir dsisin L fb^Uuu uusercr L an, deiien allcn w-r
j_ ^all emen Treffer wünschen.

Todesfällc.

Uiid dcr^Mn^,ch^rausgeber der „Fliegendeu Blätter"
und qrötzten 1 ?--^^ogen", Veqründer eines der ersten

tkiüs ^.u A rbass»»" Justitute Deutschlands, im Jahre

Oktober! ^"^"burg geboreu, starb iu Müncheu am

5ammlungen und Ausstellungcn.

E!

ss Der östericicknsche Kunstvcicin hnt >rme ^»
wieder geöffnet und in dcr orsten Ausstellung »ei
recht SehenswertheS vorgeführt. Die Glaiiznimmu >
wohl kciue Kunstwerke von hervorragender Bedeutui ö-
immerhin interessaut geuug, um das kuustsimiige -p»
heranzuziehen. Wir 'beginuen uuseren Nundgaug " -chs,
geistreichen Arbeiteu M. v. Zichy's, von welcheiu v- >,„.,-»
im Schönbrunuerhause, — um der Traditiou mcht
zu werden, — wieder einmal ein „Sensationsbilds -
„Die Kaiserin Elisabeth am Sarge Deak's" sur -tu-'l
gelangt. Zichy's Bilder, zum Theil schon vorthsily 1 „jzst
der Wiener Weltausstellung her bekauut, impou-H
durch die äußeren Mittel, die dem Maler zu,Gebote 1
sie sind mehr Kartonzeichnungen, an denen d-e S-m „„d-
Lnsurcn nur als bescheideues Belebungsmittel uug - zj.-
ist; was unser Jnteresse an ihnen erregt, siud zuna^^z,
eigenartigen, vou dcn Bilderu der gewöhnlichen
ordnung originell abweichonden Vorwürie und u- ->

Linie der markige Vortrag. Der Katalog nennt Z--V- ^cr
Schüler Waldm'üller's; e's läßt sich aber schwer ern ^„j„r
Kontrast denkeu als die Bilderwelt des fchüchkon> o xv
mit ängstlicher Sorgfalt abschreibenden Wiener lUü ,„ftsi
und der Jdeenkreis Zichy's. Unser Künstler -st.-"" ,, Keist>-'
in der Formgebung, hierin folgt er der Natur m ve ^ „ dci
der modernen Nealisten, dagogen schweift in der ^j,j,-t
Vorwürfe seine Phantasio zuweilen weit über d"v „„ch
deS Realen hinaus Sein Stist sucht mit Boi'M ^„jcr
philosophischen Problemen, zumeist mit religiosen h,..
grunde, wobei dann selbstverständlich der Allegorie ,,„jhcr
deutsame Rolle zufällt. Die Blätter „Messias" " ,„li'"vlli'ch
auf der Wartburg", dem Publikum seit Läugci'i
Photographisn bekaunt, gehöreu zu dem Bcsten ^ ,,„d
gestellten; sie zeugen vou tiefreligiösem Guipft-- , ^jj
offenbaren die rückhaltloso Vertheidigung der -, ^ Ajjiide-'
wenu auch nicht gerade in der Art der Nazarener. „ ,,„p
klar ist die Allegorie: „Der Mensch zwischen Hff"-„jfaltG
Narrheit." Die Komposition, so effektvoll sie ft-V t>es
führt zu keinem positiven Schluß. Warum st" Mj,jjosop1ftf
Schalksnarr dem zweifelnden Erdensohn uicht -"»"A-jde
des Unbowußten" entgegeu! Dem reizvolleu -stcift

ihm wäre damit das plausibelste Dokument.f---,chjj„„a de-
gegeben. Die Zeichnuug gehört unter die Gai ,,
Todtentanzbilder uud soll, wie auch „Der GKey y,c
„Dor Künstler und der Tod", wohl uichts --uder-Z „zsrvh,
lllichtiakeit alleS Jrdischen darstollen. Aber wie ^-„tzjschsf
wie hümorvoll siud danebeu die Zeichnuugen dü

Soldat in Weinlauue" und „Mit der Magd scherz-
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