Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Die Lxposition rstrosxsotivs auf dem Trocadero.

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oder der Kvrrektur bediirfen. Die Ausarbeitnug der
Pläne im Einzelnen könnte ivieder nur von dnrchaus
tüchtig geschulten Kräften durchgeführt werden, welche
nicht nur die Detailarchitektur des Mittelalters gründ-
lich können und sie an unserem Münster, sowie mit
ihm kunsthistorisch Verivandtcn Banten studirt, sondern
auch für das Durcharbeiten all der vielen Einzel-
probleme künstlerische Gaben und hinreichende Geschick-
lichkeit aufzuweisen haben. Bei diesem Vorschlag zur
Güte setzen wir voraus, daß der seither im Dienste
der Münsterbaukommissivn thätige Architekt die Ober-
leitung der tcchnischen Durchfllhrnng des Werkes be-
hielte, während der künstlerischcTheil unter derDirektivn
eincs der erwählten Dombaumeister durchgeführt würde.
Wenn man freilich eine anerkannte Antorität direkt
mit der Anfgabe betrauen ivürde, so ivürde diese selbst
wesentlich vereinfacht und der angedeutete, umständ-
lichcre Weg abgeknrzt werden."

„Man wird fragen: wv svllen wir das Geld her-
nehmcn, um sv rationell bci der Münsterrestanration
zu verfahren? Die Frage beantwortet sich nicht allzu
schwer. Wenn man wirklich gnten Willen zeigt, dann
ist man nicht blos auf die Subsidien der Freiburger
Einwvhner beschränkt, sondern von ganz Dentschland
wird man in scinen edlen Bestrebungen unterstlltzt, ja
selbst der Ncichstag und unser ehrwürdiger Kaiser, der
schon so manchem deutschcn Baudenkmal scine Hnld
zugewcndet hat, werden sich vielleicht zu Geldzuschüssen
bereit sinden lassen."

„Mvchten diese Worte dazu beitragen, daß unser
hcrrliches Münster endlich einmal in der Weise wieder-
hergestellt nnd vollendet wird, wie wir sie unserer ehr-
würdigcn Vcrgangenheit schnldig sind!"

Die LxposMon rstrospsotivs auf dem
Trocadero.

(Schluß.)

Ein paar Bronzen des Nicciv finden sich auch in
dem gcwählten Schaukasten des Baron Davillicr, eines
der fcinsten Kenner in Paris: eine kleine Büste von
Riccio's eigenem Lvckenkopfe, der aus der Medaille
auf seinem Leuchter im Santv bekannt ist, sowie
einc Anbetung der Kvnige in kleinem dielief. Schade
daß Hcrr Spitzer seine wcrthvollen Renaissance-
bronzen der Ausstellnng vvrenthalten hat (auch die
Sammlnng Thiers, fcrncr dic schönen Renaissance-
bildwerke, wclche Herr Timbal noch immer be-
sitzt, und manche andere Schätze im Privatbesitz
vermisscn wir), unter denen sich ein trefslicher Ricciv,
ein kleines Reiterstandbild, befindet. Barvn Davillicr
hat anch cine männliche Terracottabllste ansgestellt,
die an Kunstwerth — zumal bei mangclhafter Er-

haltung — nnr zweiten Ranges, aber von hoheln
hiftorischen Jnteresse ist als eine der wcnigcn erhaltene»
Büften der venetianischen Schule aus den letzten Jah>-
zehnten des Quattrocentv. Anßer dieseni Werke kennc
ich nnr eine zweite dcrartige Terracottabuste von auße»-
ordentlichcr Durchbildnng und lebensvoller Wahrheit, die
Vvr einigen Jahren das Berliner Muscum crwarb, st'
wie die köstliche Brvnzebüste im Mnseo Correr zu E>e-
nedig, die einem trefflichen Bildnisse des Antvncllo i»
Energie der Auffassung gleichkommt. Unter dcn glcich-
zeitigen bekannten Bildhauern und Bildwerken Venedig s
sinde ich kcinen Anhalt zur Bestimmung der Meilter
dieser Büsten. Da ich gerade Vvn dieser, außer in dc»
Grabdenkmalcn nnd dem dekorativem Schmnck dcrKircheo
Vcncdig's, sehr spärlich vertretenen Epoche der venc-
tianischen Kunst sprcche, sv sci hier ein treffliches größeres,
leider nicht mit ausgestelltes Terracottarelicf der Mari»
mit dem Kinde im Besitzc des Herrn Drepfuß crwähnd
das in ähnlicherWeise, wie jene Büsten, eine dein Anto-
ncllo und Giov. Bellini ganz vcrwandte Anssassnng
zeigt. Alle die genannten Terracotten sind nnd waren,
im Gegensatze gegen die Terracotten der Florentiner
nnd Sieneser Schnle des Qnattrvcento, nicht bcinall
Die Ausstellung bietet noch ein kleines flach g^
haltenes Bronzerelief derselben Schule, cine Madonn»
auf dem Throne, von Hciligen verehrt, ganz im Ch»(
rakter der bekannten Sante Conversazioni von Bcllin>
und seinen Schülern. Dasselbe befindet sich im BcsP
des Herrn EugLne Piot, durch desscn Hand eine be-

trächtliche Zahl dcr besten Renaissanccbildwerke >n

Pariser Privatbesitz gegangen sind. Sein Schankaste»
zeigt anch dic beidcn Hauptwerke der Abtheilung,
sitzende Pnttcn ans Bronze, in Lebensgröße, die ursprüng^
lich Leuchter hielten, ächte und treffliche Arbciten de§
Dvnatcllo. Jn ihrcn vollen kräftigen Formcn, ih^"
rnnden, fein mvdellirten Köpfen, mit dcm frisch^"
heitern Lachen, erinnern sie an die berühmten Putten
von der Domkanzel, jetzt im Bargcllo zu Florenz.

der sie auch ptwa gleichzeitig — viellcicht emlgc


-^ - , - .

später— entstanden zu sein scheinen. Trefflich ist aucy

andere Arbeit des großen Florentiner Meisters, cm

kleine-

Bronzerclief, das Martyrium des hl. Sebastian da>"
stellend, von einer fllrDonatello seltenen Durchbildung

der Bronzearbeit und schvner Gestalt des nackten H^h
ligcn. Dieselbe ist jetzt im Besitz des Herrn E. Andw'
Eine Marmorbüste des jugendlichen Täufcrs, einc gn^
Arbeit aus dcr Werkstatt des Donatello, wclchc langs
Zeit im Bargello auSgestellt war, hat jetzt in HMf
Goupil in Paris ihren Käufer gefnnden und
glcichfalls anf dem Trocadero zur Schau gestellt. 2»
dem Schaukastcn desH. Piot ist noch eine mit dem ganzc"
Namen des Baccio Bandinelli bezeichnete weibli^
Marmorfigur in Hochrelief erwähncnswerth

ein
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