Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Kmistliterntur und Kunsthandol. — Konkurrenzen.

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'dcale Labsal aus den Brüsten der Weisheit zn denken
geneigt ist; sie lautet:

HnnA

nnnr Drnnle.

I.

^unstliteratur und Aunsthandel.

DtLlrtiigs dzr Lli'. Llxdoirss DsAros. donclon, Ouornnt

ot Hammsrsinitli.

. Der stanzösische Maler Legros hat seit ».lehreren Jahren
m,. ^°nbon scinen Wohnsitz aufgeschlagen und fnngrrt ast
B?l°slor für daS Kunstfach asi der dortigen Unmersitat.
^-enie Gemälde, so roh und widerwartig sie auch inanchnial
' h°' nehmen doch in den Ausstellungen Londons eme be-
M.nswerthe Stelle ein. Er zeichnet sich weniger durch
neitzlges Studium als durch die Schnelligkeit ans, nnt welcher
iil« o".°n Gegenstand auffaßt und das lebendige Vorbild nus
°>e Lemwand überträgt. Diese Leichtigkeit gereicht ihni bei
skizzirenden Knnst des Radirens zn bcsonderem
di-i. m i.: und in der That wird in England von Sachkennern
di->. ^°su°er Legros dem Maler vorgezogen. Sem Stil ist
d » sanzösischen Schuse, welche seit längerer Zeit bei
si.i, euglischen Künstlern und Kennern in hoher Achtung
M Sem Erfolg hat es fast nnmöglich gemacht, von
V l'opulärsten Radirungen noch Abdrücke aufzutreiben.
f, l°°re derselben erschienen in dem „Portfolio", desien
^iausgeber gegenwärtig mit der Publikation einer neuen
^ äu Loniiowms Nisore", umgeht.

t Platte sollen bloß 60 Abdrücke genoimnen, der PreiS
,-„st,Muzen Bandes aber auf 10 Guineen (260 Francs) fest-
»°iieut werden. X.

Berlam Vllgcmeine Bauzeitimg (Wien, Waldheim's
Aiisscki»,,""""^ 'u jüngster Zeit wieder einen erfreulichen
üstisNw m ^ ua chdeni einige Jahre hindurch sowohl die ar-
Ki wiiiir c '!.Euug als auch der stofflichs Jnhalt nianches
ieiir ^"ig gelassen hatten. Der gegenwärtigs Nedak-
iugswejs » , ii'. Köstlin, wendet neben dem von ihm vor-
u>ieder c - "'uirten Jngenieurfache nun auch der Architektur
kür Aufmerksamkeit zu und sorgt nicht minder

iktzten (?ltvolle literarische Beiträge, wie deren z. B. tn den
haitb,,'Wibu Ulehrere aus R. Red tenbacher's Feder ent-
über «1"°-. Mir möchten speziell auf dessen „Aphorisnien
Jl>l,roch?^^ichts-Schreibunq" im 1. Heft des laufenden
^ufimi,,?^ uufinerksammachsn. Dasselbe Hsft enthält mshrere
bas uioderner Wiener Bauten, an deren Spitze

deZ li^"/iuus auf 13 Tafeln. Wenn diese Publikation
°»n ^üUAs^uuten Werkes der verstorbenen Architekten
Nioniw'i 1. ^ und Siccardsburg auch den Mangel einer
langz ^Ehie nicht ersetzsn kann, so komnit sie doch dem seit
wie,-K i ^iundenen dringenden Bedürfniß insoweit entgegen,
'uuerhalb des Rahmens einer Fachzeitschrift möglich ist.

iiNllliZs, ^ehrere Uo» K. Ottfricd Miiller's Wcrkcn haben
fist -.E uene Auflagen erlebt: ein sshr erfreuliches Zeugniß
hkistvoll uugeschwächten Einflutz, den das Studium dieses
°Usül,i^"^°utschen Archäologen auf die jüngcre Generation
Arrl,».s Zu bedauern bleibt freilich, daß das „Handbuch der
^°gten Kunst" nach der dritten, von Welcker be-

da st, , "uflage nur einfach wieder abgedruckt worden ist,
ÜSrt ,h°e Verlagshandlung (A. Heitz in Stuttgart) er-
dreißjg »iuh Niemand finden niollte, der die in den letzten
die Uon'LÄsbu gewonnenen neuen Forschungsergebnisse in
wird 11^" Ee Forin hineinzugießen versucht hätte. Jndessen
'Uqendi?;-.?uch in dieser nur stofflich veralteten, geistig stets
°°wäbr,.Ü^°u Gestalt die Macht des inwohnenden Genius
grbeit,,'. u ^ Jn den letzten Tagen kani uns eine neue Be-
dei,i oben"°" Müller's „Etruskern" zu (2 Bde., Stuttgart in
dgz °U genannteu Verlage), welche den besten Beweis für
Ailh. -siU Gesagte bietet. Was der Herausgeber, Hr. 1)r.
uiehrölll e ini Vorwort bemerkt, daß nämlich „die Ver-
iitativ d>- Materials der Forschung stch mehr als quan-
°°un als qualitativ" erwiesen habe, dasselbe würde

unsres Erachtens auch bei der Bearbeitung des „Handbuchs"
sich herausgestellt haben. — Beide Werke sind — mit la-
teinischen Lettern — sehr schön gedruckt und auch sonst recht
goschmackvoll und solid ausgestattet. Wir wünschen ihnen im
Jn- und Auslande dis weiteste Verbreitung.

Ueber das vcrdicnstvolle Uiitcrnchmcn Dcmctrio Sala.
zaro's, welcher die mittelnlterlichen Kunstwerke Unteritaliens
in den prächtig ausgestattetcn 8tuäii sni molliiillsllti äsli'
Ibuliu illoriäiolluls äni IV. ni XIII. sscoio herauszugeben
unternommen hat, hnben wi* früher berichtet. Dem seit ge-
raimier Zeit vollendeten ersten Band ist jetzt die Ausgabe
zweier Hefte des zweiten Bandes gefolgt. Es werden dnrin
die Kunstiverke von Foggia, Lucera. Siponto, Manfredonia,
Monte S. Angelo nl Gargano, S. Maria di Pnlsano, Troja,
Barletta und Trani besprochcn, also der Hserd der suevischen
Civilisation, deren Ueberreste, jetzt in einer fast orientalischen
Verödung, nicht etwa blos eins national-historische Bedeutung
haben. Die beigegebenen Tafeln, theils Chroinolithographien,
theils Photographien, geben in treuer Reproduktion bisher
nnedirte Kunstwerke, innn darf sagen: srsten Ranges in ihrer
Zeit, wie das Elfenbeinküstchen von SS. Trinitd. di Cava aus
dem sechsten Zahrhundert und die Portraitbüsten der Mi-
nister Friedrich's II. Obwohl stets zugänglich, werden die
Originale doch nur ausnahinsweise aufgesucht. Aber seitdein
sie musterhast edirt vorliegen, dürfen sie wenigstens in der
Kunstgeschichte nicht länger ignorirt bleiben. g x ^

8u. Modcrne Bucheiiibändc. Unter diesem Titel hat
der Buchbindermeister Gustav Fritzsche in Leipzig in eignem
Verlage eine Publikation bsgonnen, die, nach dem gediegenen
Anfange zu urtheilen, nlle Bürgschaften eines guteii Erfolges
in sich trägt. Das vorliegende erste Heft bringt in gutem
Farbendruck sechs Entwürfe zu Einbänden vo» der (Hand
geschickter, architektonisch geschulter Zeichner, wie Prof. Graff
in Dresden, L. Theyer in Wien, F. Luthmer in Berlin, G.
Heuser in Köln und Prof. Zurstrassen in Leipzig. Die Zeich-
nungen sind auf Grund des Musterschutzgesetzes, dsssen Be-
deutung für die kunstgewerbliche Produktion hier einmal sich
schlagend geltend macht, gegcn Nachbildung geschützt, aber für
je 40 Mark mit dem ausschlisßlichen Vervielfältigungsrecht
von demjenigen zu erwerben, der zuerst die Bestellung auf-
gibt. Das ist die praktische Ssite der Sache. Der Haupt-
werth des Unternehmens liegt aber in der Anrcgung, die
es gibt, den verwahrlosten buchbinderischsn Geschmack wieder
in die Höhe zu bringen und die bereits angebahnte Wendnng
zum Bessern beschleunigen zu helfen. — Als Beigabe bringt
eine 7. Tafel einige Muster von Brocatpapieren, wie sie für
feinere Einbünde als Vorsatz verwandt werden. Auch in
Bezug auf dieses Jngrediens des Büchereinbandes war es
bisher in Deutschland schlecht bestellt, und der Anfang, der
hier zu einer auf inländische Fabrikation gegründeten Reform
gemacht ist, verspricht eine gute und gedtegene Nachfolge.

Uonkurrenzen.

8. Das Deutsche Gewcrbe-SNusciliii in Bcrlin verösfentlicht
den Bericht der beiden Koiiiinissionen zur Beurtheilung der
für die Preisbswerbung am 1. November und l. Dezember
v. I. eingelaufcnen Arbeiten. Die erste Bciverbung hatte
zuin Gegenstand einen Stuhl fürWohnzimmer von (beliebigem)
Holz niit rohrgeflochtenem Sitz, zum Verkaufspreise von
HLchstens 300 Mark pro Dutzend. Eingelaufen waren
21 Stühle von 22 Bewcrbern. Den ersten Preis (300 M.)
erhielt Fr. Biester, den zweitcn (200 M.) die Firma
Spinn L Menike, den dritten (100 M.) F. Rieger, alle
drci in Berlin. Die zweite Beiverbung betraf einen mehr-
farbigen Kachelofen für ein grotzes Zimmer zum Verkaufs-
preise von 600 M. Der erste Preis (1000 M.) wurde der
Berliner Aktiengesellschaft für Ofenfabrikation,
vorm. Gust. Dankberg, für einen Ofen zuerkannt, desseu
Entwurf von deu Architekten Jhne >L Stegmüller her-
rührte, dessen Modcllirung der Bildformer C. Doru besorgt
hatte. Den zweiten Preis mit 600 M. erhielt die Fabrik
Duvigneau in Magdeburg. Beide Oefen wurden gleich-
zeitig programmgemäß von der Staatsregierunq für den
iiormirten Preis von 600 M. angekauft.
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