Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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^Iahrgaiig.

^eiträge

sind mi prof. Dr.L. von
kiitzow (wirn, Tl,rrc-
siwmiugaffr 2S) odcr an

^ arrlogsffondlung in

^ipzig zu richron.

7.

A7ärz

Nr. 2l(.

Jnserate

tr 26 für die drei

s878.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Erscheint jede U)oche am Donnerstcig, für die Zlbonnenten der „Zeitschrift für bildende Aunst^ gratis; für sich allein bezogen kostet dcr
Icchrgang 9 Mark sowohl im Luchhandel als auch bei den deutschcn und österreichischen j?ostanstalten.

in, Muscun, zu wcimnr. — Gcschichtc dcr Antmcrxcncr Molcrschulc: Ncuc
rhcinimd,,^''Runstvcrcin. —^ wurttcuil'crgischcr Annstgcwcrbc-Vcrcin in Stuttgnrt, St>

^heinisch-westf. Aunstverein, Berliner k. Institut für Glasmalerei; Berliner kunstgewerbliche weihnachtsmesse. — Zeitschriften. — Inserate.

Verlat-Ausstellung im Aluseum ;u IVeimar.

Den Werken eincs hcrvorragcndcn Alcistcrs gcgcn-
"bcr erwächst dic Pflicht ernstcr Prüfung. Werfcn wir
»uf die cnergischen BcstrcLnngen der modcrnen Oel-
Malerei cinen Nückblick, so erschcint im Großen und
^unzen die seit ctwa 30 Jahren vollzogene Wandlung
^es Endzieles der Kunst identisch mit eincr virtuosen,
^uf technisch-koloristischc Vorzüge Lcdachtcn Wahl der
Mittel. Unzweifelhaft ist durch die Nückkehr zur Natur
"«d durch die an den Vorbildern großer Meistcr neu
^elcbte Kraft dcr malerischen Anschanung cin lebcndiger
stcrtschxjff eine gefunde Neaktion Lcwirkt. 3)ic anf
Spjtzx getriebene Betonnng des Gedankenhaften,
t^clche den Schcin einer lebensfähigcn Körpcrlichkeit auf-
iuzchren drohte, hat dieser Ncurichtung und Gegen-
^ütnung den eigentlichcu Jmpuls gegcben, dcr freilich
^Nt höhcres Ziel stcts unerrcichbar blieb, sobald die
^s°lirung der Form und Farbe vom beziehungsrcichcn
^uhalte, von dcr wahrhaft künstlerischen Jdee und Em-
pf'ndung als das einzige oder doch auffallcndste Vcrdienst
^ Geltung gelangtc. Denn der glücklichstc Aufwand
'»nlerischer Qualitäten allein läßt das ästhctische Wohl-
Scsallen an einem Kunstwerke unbefriedigt, so bereit-
dasselbe auch an der Vollreife der Technik als einer
U'uckitio slvg rjaa non fcsthalten mag. -^in gcwissem
ist ja jeder Künstler ein Nealist zu ucnncn, weil
"l'" kein anderes Ausdrucksmittel als dic Erscheinung
Natur zu Gcbote stcht. Doch cine nüchterne Ucber-
"agung der Wirklichkeit, wie sie vielfach vom Naturalis-
''us angestrebt wird, ist selbst in der meisterhaftcn
°>sti»ig dieser Art noch weit im Abstande von cincm

vollendeten Kunstwerke. Dic dcr Natur entlehntc Er-
scheinung muß dcr in scinem Handwerk tüchtig Geschulte
und Gebildete mit scincr eigcncn Empfinduug zu beseelcn
im Standc sein. So langc kein Rapport, kein uumittcl-
bares Wechselverhältniß zwischen Zuspiration und Dar-
stcllung dcs Künstlcrs auffindbar ist, gleicht dcr ästhc-
tische Wcrth des Gemaltcn in scincm Gipfclpnnkte dcr
seclenloscn Pracht einer glänzendcn Rhctorik. Hicrmit
sci der Standpunkt unsercr Werthschätzung gcwahrt, und
von vornherein zucrkannt, daß die staunenswcrthe Bc-
gabung Vcrlat's Sorgc gctrageu, weuu nicht iu allen,
doch in cinigcn auscrlescuen Wcrkcn sciner Hand jcner
unsercr Jdee vorschwebcndcn Anfordcrung nahe zu
kommen, so daß deu Kunstfreunden durch die gcgen-
wärtige Ausstcllung der dankcnswertheste Genuß ver-
gönnt ist.

Man sollte meincn, daß der durch dcn stattlichen
Umfang von 22 Oelgcmäldcn nnd 23 Studicn crschlosscne
Gcsammtüberblick übcr cine künstlerische Wirksamkeit
auch cin gencrcllcs, auf jedes Einzelwcrk anwcndbarcs nnd
zntreffendes Urtheil crmöglichtc. Das ist indcsseu nicht der
Fall; viclmehr erfordcrt der klar zu Tage tretcnde Untcr-
schied der ausgestellteu Arbeitcn immerhin eine kurze
Sonderbetrachtung. Vorübergehcnd ist uns bci diescr
Gelcgenheit cine Wiederbclebung des Eindrncks von
Verlat's früheren Leistungen zum Bcdürfniß gcworden,
nm auch die Eventualität eincs Fortschrittcs, sei es in
den auf rein malcrische Elemente gcstimmtcn Erschein-
ungen, sei es in einer Vertiefung der künstlerischen An-
schauung oder in der durch verfeinerte Detailbildung
gehobenen Charakteristik zn belcuchten. Wir erinncrn
uns vor Allem seiner Thierbildcr von frischcster Natur-
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