Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Runstliteratur.

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Tcudorv Piv, eincn Halbbrudcr Les Alberto Piv, cin-
geweiht.

Nicht unwahrschcinlich däucht es uns, daß B.
Pcrnzzi der Architelt des zivciten Theiles von S.
Niecolv, d. h. des Langhauses gewcscn sci, zu dein er
dann, wie fiir den Dvm von Carpi, im Jahrc 1518
das Modcll ini Auftrage Alberto Pio'S hergestcllt hätte.
Dabei mag er sich aber, in ähnlicher Wcise wie beim
Dom Vvn Carpi, ivesentlich an Bramante's, seines Mei-
sterS, ersten Entwurf gehalten habcn. Daher rührt
dcnn anch der bramaiiteske Charakter auch des Lang-
hauses, sowie sänimtlicher Details her.

Vasari's Angabe, Pcrruzzi habe den Bau be-
gvnnen, aber wcgen anderer Banten in Siena nicht
vollendet, wäre dcmnach anf dcn Kopf gestcllt rich-
tig. Daß Vasari seine Angabe gänzlich anS der Luft
gegriffen habcn svllte, düiikt uns nicht wahrscheinlich.

Hnns Scmpcr.

Aunstliteratur.

Dte Kttnstlieivcgnng iit Oestcrreich seit der Pariscr Welt-
aiisstellung im Jahre 1867. Äm Auftrage dcS
k. k. Unterrichts-Ministcriilms dargestellt von
v. Eitclberger. Wien, k. k. Schnlbücher-Vcrlag.
1878. VII n. 150 S. 8.

fs Ein anö Anlaß dcr dicsjährigcn Weltansstel-
liing vom vsterreichischeu Unterrichtsministerium hervor-
gerufeneS Büchlein, Ivelchcs vou dem regen Kniistleben
des Kaiserstaates ein vollständiges und klar übersicht-
liches Bild giebt. Es ist dabei nicht sowvhl daS eigent-
liche Schaffen der Knnst iu's Auge gefaßt, — dicses
repräsentirt ja die Ansstellnng selbst — sondern die
Organisation derKmistiustitute und dcsKunstunterrichtes,
die Leistungen der Knnstwissenschaft nnd hanptsächlich
die in jüngster Zeit sv hvch entlvickelten Zeichen- nnd
Knnstindnstrieschillen Oestcrreichs. Wv iminer sieh ein
Anlaß bvt zn solcher Ueberschau, haben Ivir anch iu
srühereu Jahrcn Eitelberger's Stimnie vernoinme».
Seit drei Decennien verfolgt er mit patrivtischem Eifer
dic kiinslterische Eiitwickelung seiucS Vaterlandcs; übcr-
all hat er init cingegrifsen, wv es zu besscrn und zu
fördern galt, Niemand ist besser iinterriehtet als er, nnd
Keinem steht er nach an Objcktivität der Anschauung
nnd des Urtheilö: Eigenschaften, die auch in dcr vor-
liegenden Schrift wieder >» glänzcnder Weise hervor-
treten.

Die Darstellnng svll gctvissermaßeu ein Cvmplc-
ment der vsterreichischcn Ausstellnng, insbesvndere dcr
des Unterrichtswescns sein. Was nicht in Wirklichkeit
vorgeführt werden kvnnte, ivird hier geschildert, in seiner
Entwickelung Vcrfvlgt nnd in seinei» Wirknngskrcisc
charakterisirt. Setbstverstäiidlich beschränkt sicki der Bc-

Uiht nichi ans der StaatSgeivalt dirctl imtcrgel'eiic
^Pare svndern ninfaßt das Gesainuitlcbcn der Kimst

-mch allen Nichti.ngen hi».

Den Anfang niachen die Hofinstitute, die Sauim-
»giu dis Kaiserhanscs nnd ihrc ncuc Organisativ»,
welche den Lesern diescr Blättcr bcreits aus ciuer frii-
Picn M.tthe.lung bekannt ist. Darauf fvlgt dic Alber-
uia, ^ vren Uuigestaltung v. I. 1873 uud gegcuwärtigil
neie inrichtnng, sowie deren jüngste Bcruiehrimgc»
.^^"'kniß gcbracht wcrdcu. AlS die glück-
tstgte. iguilitivn zurBereichcrung dcs beriihuitcuHand-
zcichnungsschatzes ans letzter Zcit sei hier dcr Aukattf
enies ganzcn Skizzcnbuches von Callvt v. 3. l02S
wrvvrgehvben, dessen photvgraphische Publitation durch
^ya'ising bevorsteht. Hiernach gcht dcr Autvr Z'w
^ artcgung der Thätigkeit Oestcrreichs auf dcui Gebictc
iei Isvischnng und Erhaltung scincr altcu Kuustdeiit-
a e sowie auf dcm dcr Kuustlvisseuschaft iui Altgc-
iiieiiK,, ntzvi. Dic Wirksanikcit der 1873 ucu vrgani-
n iii Central-Kvuiuiission wird dctaillirt gcschildcrt
n IK von derselben in Angrisf gcuvuiuienc Jilvctt-
aichiung der Knustdenkttiale dcS Kaiserstaatcs mit bc-
svnderem Nachdruck bctvnt. Es folgcn Ucbersichteu l-bcr
4siervvrragcndeu Kunstgclehrtcu Ocjtcr-
u w, u K> die Lehrthätigkeit derselbcn au dcu Hoch'
Ichulen, svivic übcr die Lehrapparate au dcn letztcre».

'st hier die scit Wvltniaun's Bcrufui'g
' tKstehende kunstgeschichtlichc Lchruiittclsami»-
img icr dortigei, Univcrsität alS dic rcichste uud Vvll-
AKs-i^'^ ii."'er Art in Oestcrrcich. Eiu besoudercr
- 'tz'uitt ,,t den beidcn archävlvgischeu Expcditi'vnc»
n»!'- gewiduict, übcr deren Schlußrcsultate

c in Kurze durch dcn zweiteu Baud dcr darauf be-
augluhen Publikativn das Nähere zu erwartcu habc»-
^c» -üiigen dcr Kunstlchraustaltcn begiimt dic
»»» m ihrcui neueu Prächtigcu Palaste vvllstä'udig ci»-
gciichtete Wieucr Akadeuiie, dcren Orgauisativu dc»
^ crn bekannt ist. Neu gegründet vder dvch crst
st bstandig organisirt ivurde ,'u lctztcr Zcit dic l- k-
c i», ü iiili I» Krakau, gegcnivärtig uutcr Inu Ma-

ni,d ciucmrllgcuiciucZcichctts

d Malerschulc und ciue Spccialschule sür Malci'"
i M deu dazu gehvrigcu Hilfsfächeru und Lehr.uittcl-
a.»ml..ugen. Das Statut datirt v. 3t. Z»li 1877-
v ach der Schildcrung der Akadcn.ien zu Prag »M
ia> ioivic dcr Mcdailleur-Akadeuiic dcs Hnttptuiu»;-
awteü iu Wien wendet sich Eitelbergcr zuuächst ci»c>'
l»rzen Geschichte der Wiencr Stadterwciteruug »»d bc>'
uh sie hervvrgerufenen Kunstthätigkcit uud staat-

che» Kuustpflege z„, gedenkt der kunstliterarischcn «'^
ttchuischen Le-stnngcn der Staatsdruckerei, führt hicra«!
° ' ruhnge erfvlgrciche Thätigk'eit Wicns auf dc'»

^o'dc der graphische» Künste in cingehcnder Da-'-
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