Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Korrespondenz.

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Bildcr, die sich auf ctwa 32 Künstlcr verthcilen
kMden, betraut. Für Münchcn ist eine Kommission
aus den Herren Lindenschmit, Knabl, Dietz, Carrivrc,
A. Kaulbach, Wagmüller, Gedon und Lenbach zu-
summengesetzt. Auch Münchcn wird sich mit 40 Bildern
btthciligen. Dcr Nest von vierzig vcrthcilt sich auf
Weimar (8), Karlsruhe (8), Drcsden, Frankfnrt a. M.
u- s> w. Da bercits auö dcr Nationalgalcrie einc An-
zahl Düsseldorfer und Münchencr Bildcr ausgewähli
worden ist, kommen dic Bcrlincr Künstler dcn Münchcncrn
und Düsseldorfern gegenüber hinsichtlich dcr Zahl in
-'lachtheil. Die Einrichtung und die Leitung der Ans-
stellung in jst Pi-of. Steffeck (Bcrlin),

Herrn Carl Hoff (Düsseldorf) und Herrn Bildhauer
Gedon (München), der anch die dckorative Ausstattnng

Ausstellungsräume übcrnommcn hat, übcrtragcn
wvrden.

nicht

Was

übcr Cornelius nnd Kanlbach
man übrigens von solchen

Zu der cntgegenkommenden Stimme des „Journal
l! ^ö^>ats" hat sich nunmehr auch noch die des „Moni-
b'v °ssHel" gcsellt. Aber so wohlwollend sich auch
a über die deutsche Kunst Lußern, cbcnso sehr zeigen
^ uuch, daß Frankreich immer noch glaubt, die

,EUlsche Kunst sei
)l»ausgekominen. ......

ssizicllen und halboffizicllen Stimmen zu halten hat,
garo"^^ ^°uiger Woche crschienene Notiz des „Fi-
° auf die offentliche Meinnng von Paris cinen
iiill Einflnß hat, als dic beiden genannten Jour-

. Notiz ist charakteristisch genug, um hier mit-

chciA^ ^erden. Wir haben, sagt „Figaro", „Ne-
)en iibx,. den gegeuwärligcn Stand der Kunst auf
""^ren Seite des Nhcins angcstcllt". Das Nesul-
ch'ei "dtecherchen" ist wörtlich folgendes: „Es giebt
. ^.H^uptströmungen: dic Schnle vou Düsseldorf, welche
o^'^^usuphische Kompositioucn (!) im Genrc
welu ^^uvard ansertigt. Die Schule vou Bcrlin,
^ ^ Pnris nachahmt unv Genrcbildcr nach Art dcr
slano^'- u. s. w. malt. Endlich einc Rcihe von
werd^ suftsmalcrn, welche ctwas von Calame inspirirr
^ ln nnd die sich dem Studium dcr Felsen, der
de/"^' Horizonts widmen." Noch wegwerfcn-

»uf ein Mitarbciter des „Soleil", der sich dabei
ber Gautier und David d'Angcrs stützt. „Zn

leise sugt er, da cin Franzose noch in Deutschland
sttch? Eounte, sggt er, habcn wir zweimal München bc-
ttiode' u»s dahin zog, ist nicht ctwa die

t>avo^ ^utsche Schule — man braucht nur eine Probc
s°ttd" s^h^i, um zu wissen, was sie wcrth ist —

oonoours gestellt sind. „Boshaftcn Leutcn, sagt er,
wird dabei viellcicht dic Fabel vom Fuchs und dcn
Weintrauben einfalleu." Als Grund, weshalb dic
deutschen Werke an der Konkurreuz nicht Theil nehnicn
sollen, war aber der Umstand maßgebend, daß, da cine
sorgfältigc Answahl aus den bestcn der vorhandcnen
Wcrke vorgenommcn wird, Deutschland von vornhercin
dcn übrigen Staatcn gegcnüber in der Konknrrenz cine
vortheilhaftcre Stellung cinnehmcu würde, mithin von
ciner eigentlich freien Konkurrenz uicht die Nede scin
könnte.

Berlin, den 24. Mitrz. Ik-

langenehmc Schan-

f)«°ern das Museum, wclchcs Schätze aller Schulen in
?7 birgt, die uns bald über das unai

ber deutschen Werke hinwegtäuschcn." Derselbe
. ^'ftsteller spricht sich auch sehr mißliebig darüber aus,
'' deulschen Gemälbe und Bildwerke Iiors llo

Aorrespoiidenz.

Aus Tirol, im März 1878.

Das Ferdinandenm zu Innsbruck hat uu-
läugst zwei treffliche Porträts von Martin Knollcr
crworben. Sie tragcn die Jahrzahl 1790 nnd sind
Gegcnstücke: der Herr von Lama mit seiner Frau, beide
im mittleren Alter, lebensgroße Brustbilder, cr eine
Schrift in der Hand, sie das weiße Frauenhäubchen auf
dcm Kopf. Die Auffassnng ist lebensvoll, die Ausfüh-
rung sehr sorgfältig. Außer dicsen zweien besitzt das
Museum uoch fünf Brustbilder, darunter zwei Selbst-
porträts von diesem Kllnstler. Au sie schlicßt sich das
Brustbild eiues Hciligen aus dem Serviteuorden, eiu
Meisterstllck iu jedem Sinne. Ein großes GemLldc
zcigt uns eine Lanvschaft am Golf von Ncapel, im
Bordergrnnde der berühmte Graf Firmian mit Gcfolge,
darnntcr der Künstlcri dic Figuren etwa eincn halben
Metcr hoch. Zwei Staffclcibildcr stellen: das cine
Christus am Kreuz mit Magdalena, daS andere Joseph
und Potiphar's Frau vor. Außerdcm besitzt die Samin-
luug noch die Farbenskizze für das Altarblatt in der
Servitenkirche zu Innsbruck: die Familie Christi. Alle
diese Bilder sind Oelgemälde auf Leiuwand. Will man
Knoller jedoch genauer kennen lcrncn, so mnß man drei
seiner besten Altarblätter in dem südlich von Jnnsbruck
gelegencn Orte Steinach aufsucheu: auf dcm Hochaltar
der heilige Erasmns, auf dem rcchten Seitcualtar Jo-
hannes der Täufer, wic cr deu Tvdesstreich empfängt,
auf dem liukeu dcr heiligc Sebastian, den die Frauen
vvm Pfahl losbindeu, cin mit Necht hochgeschätztes Bild.
Ein großer Chklus von Fresken aus dem Lebcn des
hciligen Carolus Bvrromäus schmückt den Plafoud der
Servitenkirche au der Goldercrbrücke uuweit Hall.
Kuoller hatte unter der Geringschätzung, welche seine
ganze Periodc traf, mit zu leiden; er verdieutc cine aus-
führlichere und mnfassendcre Biographie als die, welche
ihm der Custos von Glausen in der Zeitschrift des
Ferdinandemns widmcte: da würde seine große Bedeu-
tung in jedem Sinne zu vollem Rccht gelangen. Mengs
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