Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Sa»imlu>igeir und Äusstellmrgen.

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lern mit besoiiderer Pvrliebe gepstegte vcncticinischc
Genre vertreten diesmal Eugen Blaas init einer
heitcrcn, flvtten Karnevalsszenc, die uns auch durch den
unverfrvrenen sichercn Farbenauftrag erfreut, danu
Franz Ruben mit cineiu trefflich bcvbachteteu und
init vollendetcr Femheit tviedergegebencn Straßcnbilde
aus der Gegeud der Zattere bei Regenwettcr, Ivelchcs
in seiner iiieisterhaften Ausfiihrung an Pcttenkofcr
heranreicht, endlich dcr Venetiauer A. Rvtta »iit
cincin gnt geinalteu, für unseren Geschmack jedvch gar
zu derb angefaßtcn Bilde aus der banalsten Alltäg-
lichkcit. Das ost verwendete Motiv, daß ein alter
Jünger des heil. Crispinus init dem Fuße einer hüb-
schen Klientin sich in ehrenfester Weise bcschäftigt,
während sein jungcr Geselle lvse Blicke auf Gebiete
ivirft, dic ihn Vvn Bcrufsivegcu gar uichts angehen,
muß dcun dvch witziger gestaltet werden, ivenn eö eincn
heitcren und gefälligen Eindruck hervvrbringen svll.
Ein ctivas ivvhlfeiler Einfall ist es auch, ivenn uns
Seyppel in Düsseldorf das Weinglas als Trvster
eines svzialdcmvkratischen Schneiderlcins Vvrführt; dic
Ausführung steht auf dcr Hvhe der Jdee.

Elegantcr behandelt, dvch ziemlich nichtssagend ist
die „Vvrbcreitung zum Kindermaskenfcste" Vvn Antvn
Ebcrt in Wicn. Wic der Titel an Flügelklcid und
Mädchcnschulc erinnert, sv denkt man auch svfvrt an
eiuen schivärmerischcn Backsisch, ivcnn man das Gcnre-
bild „Jm Paradiese" Vvn Lvuise Max-Ehrler ge-
ivahrt, das nichts anderes darstellt, als — ein im
besten Küsscn bcgriffcneS Liebespaar. Dieses Paradies
ist heutzutagc vielleicht erreichbarcr, alS jenes Korinth,
Vvu dcm die Altcu sagten: „ÜÜoir ouivis liost uäirs"!
Dic technische Ausführung ist für cine Dilettantin rccht
achtbar. Das gleichc Lob müssen ivir in ivcit grvßc-
rem Biaßc dcr Gräfin Elise Nemcs iu Pest zvllcn,
deren zierliches strvevcvbild „Heimkchr dcr Gebieterin"
niit technischcr Bravvur gemalt ist. Ein ganz absvn-
derliches. Genrebild, das nur ästhetischcn Feinschmeckern
zusagen dürfte, hat F. Schauß in Weimar ausgestellt.
Am Meeresrande sitzt „in Gedauken" einc anmuthsvvll
geivcndcte, hcrzlich sentimeutal angehauchte „Naivc";
ivetchesLand diese halb mvdcrn, halb nntik zugeschnittene
Iiingfrau mit der Seele sucht, vermvchten ivir nicht aus-
sindig zu machen. Da sind ivir bci Gustav Wert-
heimer's theatralisch hingepflauztem „Haidenröslein"
mit deu drallen Formen uud dem kecken Blick weit
rascher im Klareu; ivir denken sofvrt, daß diesc nette
Pflanze den Schäfer suche, der da pflückt. Eine gleich
uuerguickliche Sinnlichkeit !st dem Bilde „Bacchant und
Amvrette" Vvn Geyliug vvrzuwerfeu. Es ist immer
mißlich, Mvtive, Welche lediglich auf der Geschlechts-
differenz beruhen, durch Kindergestalteu zur Darstellung
z» bringen; »ur weuigen auSerivählten Geistern getingt

, . ' si'lcheu Falle, bie uugesuudc Lülternbeil,

elche sti^ uuvermeidlich sich ciuschlcicht, vollständig z"
"" 6esprochcueii Bildc siud zudcm dic kind-
Fvrmcn libertriebeii, und das Kolorit ist g-"'

< gerathen ist der „dirigirende Amor"

d 5 "bschvu den Kindergestalten an»

,ev B.ides ein wcniger matcrielles Gepräge st-
lii iien wäre. Die beiden mit Libellenflllgeln in-
v, ^w--mgaiikelnden „Amvretten" verrathen nichb'
iv,s wclchen Geyling Vvrmals in sc-»-»--

e aeili en Kmderbilde „Bergebliche Mühe" bekundet hat
Saminlung zum Verkaufe ans-
g sellte Lild von Rvbert Fleurh „Rembrandt, di-
"urlend" erwähneu w'ir sckilicßlich, ----- i"

, atircn, ivie rasch dic Mvde auch auf dcm Gcbictc
-cr zinnst ivechselt. Svlche Sujetö bildeten vvr --icht
^ntzücken der Liebhaber, nnd Flcn-t)'
wie niehrere audere LandSleute wußteu damals L-tc'
s 'sinnjtgeschichte recht Vvrtheilhaft --- Lci»'
irvnis/"'?^"' ^ntzutage geht man init leisc---
rom chen Lachelu an diesem i» tnll ckrsss vvr dcr
Nictr " 6--V Lrchau sitzcndcn Rcmbrandt Vvrbei, hi--tc-

uel.,, "v ga-'Ze Rückwaud des Ateliers cin-

aeü » ''' bes Amsterdamer Schützenauszug-d

LM* Dm w,w» >--

. , g cn Schützenhaiiptniauu Krans Arinning Cv-t'
E,..Purnierland nnd Jlpcndain und die i»
ael,iiür^"bl o---es Hemdes iu rvmantisches Dniücl
au Nembrandt's mitsammt dem M-ist--'

der Knn", vereinigen, das galt als Tri-'--'pl-

Oscar Bciggru^

De-

Lanimlungcn und Ausstellungen

Düsscldorf. Bon dc» pcrmancntcii 'liiS,tAlu--?j"'«ros
Frischc und Kraft eines Altmeisters unserer Sm» K.stgc»
R. Jordan, zu erwcihneii, hatten wir schon o-chsi „,oßc»
heit; auch jetzt bietct sich bei Ausstellung ci»

Genrcbildcs im Salon der Herren Bismeyer « R «»sulti--
neuer Anlaß dazu dar. Dies Gemälde^ist ^das

eines

uns

ist das / -sühck

-isL'A,

längeren Aufenthalts in Rom. Der ccu,,,- „

UI,V IN eine Osterie, ein goräumiaes, vielbesuchtcv -
wo Leuto aus verschiedenen Ständen ihr Mittags»----- „p
zehren oder sich an einem guten Trunk crfrische».

Tische griippiren sich Männer und Frauen m °er chj,,,,

gen Natwnaltracht, andere wieder in modernein um „

dazwischen treiben muntere Kinder ihr Wescn, lauish. pa
nerimiei! mit Speise und Trank umher. Hi°r sch'si dc-
Abbato, fast Messer und Gabel fallen lassend,

Ichonen Bäueriii, welche einen prächtigen, sch-v---j , si.spc
Knaben neben sich stehen hat, diose aber beantwor
Bewiiiiderung niit einem spöttischen Zucken der O-tz ps,..
oort erzählt ein Prahlhans seine Abenteuer, und rjth
^utsche Maler die verschiedenen Gruppen,
Modelle für ihre Bilder auszusuchen. Endüch, t
der Autor des Gaiizeu selbst in die Thür, von en-^-sijcr,
fen Sonnenstrahl beleuchtet, den Plaid auf der -s--) ^ht.
«,-;U^.^--eifer vor den Augen, ganz wie er leibt - „jHt
Musik darf bei diesem Stück italienischen Bolkslebi „„i,
fchleii und so wird sie denn auch hier von Säng-. „ m-
^p-elleuten reichlich vertreten. Die Komposition -c»
dem allzu großcn Vielcrlei, welches der Künsiler
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