Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Der Salon.

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die ciußerst kvstbaren Limoges-Emaillen ansgestellt, in
der Art, daß man beguem die vordere tvie die Riick-
seite eines jcdcn Gegenstandes betrachten kann. Wer
da weiß, wie vicle nachgemachte Objekte dicses Genre's
die Sammler heutzntage tänschen, daß die echten mit
den höchsten Prcisen bczahlt werden, der tvird eine
Sammlnng diescr Art, die weit uber 200 Nummcrn
zählt und darnnter Sachcn von höchstcr Schönheit
nnd Ausfnhrnng enthält, zu würdigen tviffen.

Anch die Sammlung der Elfenbeinsachen ist
sehr reich nnd süllt buchstäblich vicr große Schränke
ans. Es sind, besonders nnter den Gefäßcn, wahre
Prachtstiicke vvrhanden.

Jn den Kreis des Knnstgewerbes gehören dann
die klcineren Sainmlungen Vvn antiken Thvngefäßen,
campanischen Basen, römischen nnd ägyptischen Brvnzen
nnd Glassachen, Palissy-Geschirreu, Wedgtvvod-Waa-
ren; an diese schließen sich iu besonderen Kästen ge-
vrdnet türkische, indische, chincsische nnd japanische
Gcgcnstände des Lüxns tvie des Prvfangebrauchs an.

In einem besonderen — dem letzten — Ranme
ist schließlich die vor Knrzcm von der Regierung er-
tvvrbcne Sammlung des Propst Thiele anfgestellt,
die cine reiche Anzahl von llrnen, Töpfen und anderen
Gefäßen enthält, tvelche in Norddeutschland ansge-
gräben wurdcn; anßerdem Beile, Hämmer aus Stein,
Schmncksachen aus Erz, Ringc, Schwertthcile, Lanzen-
spitzcn, Nadeln, Sicheln n. s. f. Einen besvndcren
Werth erhält diese Sammlnng dadurch, daß fast bei
allen Gegenständen der Fnndort angegeben ist.

Aus dicser kurzen Uebersicht dürfte erkannt werden,
daß Braunschweig's Mnscum, anch abgesehen von der
Galerie, dcr Berücksichtigung werth ist. Es ist ivahr,
nnd alle Einsichtsvvllcn erkennen es mit Schmerz, daß
dic Behansnng diescr kvstbaren Schätze derselben keines-
wcgs würdig ist. Schon oft wurde der Anlauf zu
cinem Neuban genvmmen (cine bloße Reparatur des
alten Gebändcs Iväre pnre Verschwendung), aber znr That
kam es noch nicht. Hvffen wir, daß die svebcn
circnlircndcn Gerllchte, die von einer Grundsteinlegung
zn cincm monnmentalen, der Sammlungcn würdigen
Mnsenmsbau reden, endlich znr Wahrhcit wcrden!

äV.

Der 5alon.

III.

Lncien Melingne, ein nvch jungcr Künstler,
der im Malerfache einem Namen Ehre macht, wel-
cher dnrch seinen Vater eine große scenische Berühmt-
heit erlangt hatte, licferte uns ein ergreifendes Seiten-
stück ;n dem bekannten Bilde Makart's. Anf dem
kolossalcn Gemälde des Wiener Meisters begrüßen ivir

H der Kraftfükle seiner aufblühcndcn Jngcnt.

' Franzvsc Mekingue zeigt nns den vor Alter,
nnd Kälte schlvtterndcn Potentaten, in dessen
Reich „die Svnnc nic unterging". Der Herzog von
Mi'se hat dcn Sieger vvn Pavia zur Anfhebung der
n agcuing Vvn Metz, der jnngfräulichen Festnng, ge-
z'vnngcn. Die nöthigen Anvrdnnngen znm Nnckzug
>nid gctrvffen, und der käiserliche Feldherr besteigt scine
'Lanste. Die Scenc des Bildes spielt vor dem mit
^-chnce dicht bedcckten täiserlichcn Zelte; die roth ge-
Pcl>teite Länfte ist halb geöffnct; die Träger, Itark
gilantc itmnmige Kerle, halten die Stangen bcrcit,
nm deu Transpvrt zn bcginnen. Die Majestät ist
w' Kabmetstück in Bczng anf Darstellnng des körper-
N)en isiechthums im Gegcnsatz zu der Lcbendigkeit
E' gcistigen Kraft. Das Gesicht bcsteht aus lantcr
Falten nnd Berzerrungen der stark vergilbtcn Haut,
ans welche der blonde Bart anfgeklebt zn sein schcint.
ßk'lickcn mit einem nnnachahmlichen Aüs-
rnä E-Beiachtung anf den hernmstehcnden Hofstaat.
w Oestalt des Kaisers ist in einen dicken Pelzmautcl
gchullt, die dllnncn Fingerspitzen biegen sich in dcn griin-
e euien Handschnhen, als wvllten sic von dcm Körper
-ernnterfallcn. Jm Gegensatz zn dem hinfälligcii Im-
peratvr ,trotzt seine Umgebung vvn Gesnndheit; cs stud
an er wvhlgenährte Gestaltcn, mehr schwerbänchige Fta-
umnder als romantische Spanier. Die Herren schciuen
- 1 am wcnigsten um den Schinipf des Rückzugs Z"
-eeren, ivährend alle Kränkung sich auf das fahte
'crgi >te Antlitz deS Kaisers cvncentrirt. Jm gauzcu
E'td Mclingue's eine sehr glück-
l'chc Mischnng von Historie nnd Genre.

Oine histvrische Anekdote vvn kebhafter Anffassu-'g
^ ^'cdergabe der Ranmverhältnissc "i'd

«... ^ch'vg"vmit verdanken wir einem andern juugc"
^'nstler, Hvrace de Callias. Das Bild steltt die
cr-a,tung des Verschwörers Cadoudal kurz vvr der
i'cn Prvklamirnng des Kaiserreichs (180k) dar.
OcvrgeS Cadoudal, anf den die ganze Polizci fahudetc,
l'M- Tage lang erfvlgreich in Paris ver-

Cabrivlet fahrend, vo"

cine^ d ^ "»d angehalten. Cadondal streckt

^.,^gvnten, welcher dem Pferde in die Zügct
'^' ""l cinem Pistolenschuß nieder. Diesc"
"7^'.^?a-'kbarsten der ganzen Episode, hat
Rit8 > ""tst'haßt nnd wiedergegeben. Aus dci"
m gcwissenhaftes Stndium des Pa'-"

""'crcs Jahrhnnderts und der Kostüiue dcr
l-°n n atepoche. Die Reisekleidnng des Verschwörers,
d i "^'"tl'che Tracht der i>. langen Röcke.i steckc"-
okinulT- ""^.''c'lkt-ampigen Hüten versehenen

^ ' " tchwarze Gala-Unzug einesVorübcrgehctt^

' "" de>» Lärni des Pistvlenschnsses herbeige-
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