Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 13.1878

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Klmstliteratur.

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größter AuSdauer und Treuc von cinem St. Galler
Modelleur zu 1 Hundertstel der natürlichen Größe ange-
sertigt. Ucber den ganzcn Saal hin spannt sich cine
stark profilirte Cassettendecke, wie die früher erwähnte
a»s dem Klostcr Psävers herrnhrcnd.

Den vierten Ranm fülleu. außcr spärlichen Zcngcn
öcr Keramik uud Glastechnik^ der alten Culturvölker,
^uke von Thon, Steiugut nnd Glas. Uuter deu ersteren
brsindcn sich zahlreiche Repräsentanten des schwcizerischen
^seiibaues resp. Dsenkachelu vom 16. l>is Cnde dev
^8- Äahrh. Untcr Len Glaswaaren leuken eine ziemliche
'i'Uahl feiner vcnctianer Glasgcfäßc die Aufmerksamkcit
sich. Ini fünftcn Saal beginnt die ethnographische
^amnilung, diese besteht ans zahlreichem, zum Theil sehr
^'crthvollem Materral aus sämmtlichen Ervthcilen. Zu er-
wahnen sind Lesonders eine Auzahl seidener, bnnter nnd
Saldgestickter chinesischer Prachtgewänder, eine Collcction
^inesischer und japanesischer Trachteufiguren, Lackarbeiten,
^lseiibcinschuitzereien und Malereieu. Ostindien ist durch
eincn Chklns von Modellen seiner Bevölkerungstypen
"ei'treten, zahlreichen Schmnck, Putz uud uamcntlich vnrch
in Hvtz oon einem Eingeborcnen verständnißvoll ge-
i^lütztes Modeü elnes Hmdutempels aus der dcähe von
d^adras. Ebeuso geben Waffen, Gemthschaften rc. Auf-
^üsse tiber den Culturzustand der javamschen Ansied-
^^ngen, der Eingeborenen von Neuseeland, der Hebriden,
^ Ändianer Slordamerikas, sowie ver Bewohner der
^st- und Westküste Afrikas.

Tür die nun sv geluugene Aufstellung, deren Er-
^ichung besonders der Energie unb begeisternden An-
«giiiig des BerwaltuugSpräsideiiteii August von Naes
daukeii ist, wurde auch die beste wissenschaftliche Krast
^ui jetzigen Conservator dcs Museums, Professor
e»del gefundcn, desseu richtiges erfolgreiches Bestreben
innerhalb cines zusammenhängenden Ganzen jeves
^'»zelne Objekt zur verdientcn Gcltnng »nd vie Gruppi-
'""3 sür das Auge überschaubar unv geschmackvoll zur
77"»ng zn bringen.

^"'"nal, das eine

0>glischer kulturhistorischer unv Knnst - Sammlungen
b'"cn, dasjenige vou St. Gallen mit wenigen Ausnah-
bescheiden zu neuuen, so gereicht es voch, iu Anbe-
'»acht des kurzeu Bcstandes der Sauimlung, uuv vesscn,
"ast gerade St. Gsllcn sehr ariu an Arbeiien der fiüheren
^ahrhnnderte erscheint, uud bci v

Zeit und der Wandlung dcs Geschmackes Bclehrung zu
bieten und so mittelbar auf Kunst, Jndustrie und Ge-
werbe unscrer Generation anregend und fördernd ein-
znwirkcu.

Ist auch im Bergleich mit dem
e deutscher, französischer und

der

»llseitigen Befricdigung.

den Mitteln, über die

Aunstlitcratur.

Die historische Aiisstclluiig dcr k- k. Aknvemie dcr vilden-

den Küiistc in Wicn 1877. Wien, Druck der kais.

Wiener Zeituug. 1877. 8.

Es scheint, daß die Zusanimensetzung kunsthisto-
rischer Bücher aus Gelegenheitsfeuilletons nachgerade
eine Specialität wird, welche wir nicht ohne Kopfschüttelu
betrachten können. Das Neueste dieser Art wird aus
Wien gcboten und ist eiue officielle Geschichte der
iicucren österrcichischen Knnst, die wir artikclweise schon
in der „kais. Wiener Zeitung" genosscn hatten. Die
allgemeinen Gründe, welche gegen eine solche Buch-
macherci sprechen, gcwinnen noch mehr an Gewicht,
wenn nicht ein Schriftsteller die msmdi'n ckisjsotn
scincr geistigen Prodnktionskraft samiuclt, sondcrn, wie
ini vorliegendeu Falle, Aufsätze verschiedeuer Autoren
zu einem Ganzen niechauisch verbunden werden. Wir
sagen: uiechauisch; deun weiin auch in der Vorrede cin
Herausgeber, und zwar kein geringercr als N. von
Eitelberger, sich riciint, so ist doch klar crsichtlich,
daß derselbe nicht als wirklicher, geistiger Leiter der
Einzelarbeiteu fungirt hat. Verglcicht mau deu seinen
Gegenstaud krästig beherrschenden nud in großen, schar-
fcn Zügen schilderndeu Essay, welcheu .dieser trcffliche
österreichischc Kunstgclehrtc über die historische Ausstellung
dcr Wiener Akademie im vorigen Jahrgange unserer
Zeitschrift veröffentlicht hat, mit dcn fast durchweg übcr-
sichtsloscn, im Gewirr des Details iiutergeheuden Anf-
sätzen des besprochenen Buches, so kann man keinen
Augenblick darüber im Zweifel sein, daß Eitelberger in
keiner Weise als Chef des vou der officiellen Zcitung
gewählten „großen Generalstabs" thätig war, svndern
diese Herreu ruhig schreibcn ließ, wie ihnen vie Fedcrn
gewachsen. Uiimöglich hättc soust dic Oekonomie des
Raumes so ausfallen köiinen, daß man die Architcktur,
welche seit jeher einen Hanptmotor der Wieuer Kunst
bildete, auf kaum 13 Seiten behanveln ließ — in der
Vorrcve wnrdc dieser wiuzige Artikcl nnd vessen Autor
sogar gauz vergesscn!— währcud den Medaillen >8 Sei-

- Lichchii d» r--d,ch.„

: om--.' - ' ^' und dei» Thierstück 65 Scitcn eiugeranmt, wahrend die

für Wien so specifischc und hoch cutwickelte Genremalerei
auf^aum 19 Seitcn schlccht und recht abgeihan wird.

dvN vortrefflichcu Leituug uud ausopferungs-

"n Hingebung des Profcssvrs Bcndel darf sichcr er-
»Uet werden, daß das Muscum inimer mehr vcrvollstän-
uiid' wik Bedeutenderem nach und uach ersetzt,

das Zi^t E aus dem Augc verloreu werden wird,
' ' ^eranschanlichung der Werke frühester bis zn unsercr

Uiimöglich wäre auch solch' einc Methode der Darstellung,
die mau a», kürzesten uud treffendsten charaktensirt wenn
man sie als Paraphrase dcs Katalogs bezeichnet, gcwählt
worden, da es gerade zu den Vorzügen Eitclberger's
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